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Ausgabe Nr. 02/2020 vom 07.01.2020, Foto: picturedesk.com
Salatschüssel-Geste und „Flipper“-Mundwinkel
Sebastian Kurz schaffte es vom „Geilomobil“ ins Kanzleramt innerhalb weniger Jahre. Seinen Erfolg verdankt der 33jährige ÖVP-Chef wohl auch seiner Körpersprache. Der Experte Stefan Verra hat ihn und andere Politiker in seinem Buch „Leithammel sind auch nur Menschen – Die Körpersprache der Mächtigen“ (ISBN: 978-3-424-20202-1, Ariston Verlag) analysiert.
Wir sehen es immer wieder. Wenn Sebastian Kurz spricht, hält er oft „die Handflächen leicht nach oben gedreht und die Finger entspannt“, erklärt Stefan Verra in seinem Buch (Ariston Verlag). Es sieht so aus, „als würde er eine Salatschüssel vor seinem Rumpf halten“. Dazu kommt noch ein sanftes Schwingen in Richtung Boden. Selbst wenn seine Worte kämpferisch sind, wirkt er durch diese Salat-
schüssel-Geste nicht aggressiv. „Das trägt viel dazu bei, dass Kurz‘ Worte vernünftiger, durchdachter und harmonischer wirken“.

Sebastian Kurz, 33, war seit seinem Regierungseinstieg als Staatssekretär im Jahr 2011 meistens der Jüngste unter den Kollegen. Als 27jähriger Außenminister ebenso wie 2017 als damals jüngster Regierungschef der Welt. Vielleicht geht der ÖVP-Chef auch deshalb mit seiner Körpersprache einen anderen Weg. „Kurz macht selten ,jugendliche‘ Bewegungen“, stellt Stefan Verra fest. Seine Frequenz ist äußerst gering. „Flinke Gesten, blitzartiges Heben der Augenbrauen, schnelle Körperdrehungen? Fehlanzeige. Wer Kurz beobachtet und sich dabei einen älteren, reifen Herrn vorstellt, wird viele Parallelen erkennen.“ Auch der körpersprachliche Aktionsradius des Politikers ist sparsam. Bewegungen finden meist eng am Körper statt. Das lässt ihn älter wirken.

Dabei war Sebastian Kurz laut seiner offiziellen Biographie den Altersgenossen immer schon einen Schritt voraus. Mit zehn Monaten konnte er gehen. Mit einem Jahr sprach er die ersten ganzen Sätze. „Ein Baby, das auf der Überholspur fuhr“, wenn es nach der Kurz-Biographin Judith Grohmann geht.

Sogar zum jüngsten Altkanzler der Republik hat es der 33jährige gebracht. Nach 17 Monaten machte der Ibiza-Skandal der türkis-blauen Regierung ein Ende. Doch die Verbannung aus dem Kanzleramt war nur vorübergehend. Mit 37,5 Prozent der Wählerstimmen hängte er die zweitplatzierte SPÖ deutlich ab. Nur etwas mehr als jeder Fünfte wählte die Roten. Gäbe es eine Kanzler-Direktwahl, hätte Kurz sogar von fast jedem zweiten die Stimme bekommen.

Nicht umsonst gilt es als Kurz‘ größte Stärke, Menschen für sich einnehmen zu können. Dafür setzt er auch seine Körpersprache ein. Beim Zuhören legt er oft den Kopf seitlich und beugt sich leicht vor. Das vermittelt, ich höre zu. Und er wendet die „NN-Regel“ an, Nase und Nabel sind dem Kommunikationspartner zugewandt. Damit werden Aussagen nicht nur als glaubwürdiger wahrgenommen. Wir haben auch das Gefühl, das Gegenüber „ist voll bei uns. Wir sind diesem Menschen wichtig“, erklärt der Osttiroler Stefan Verra. Zudem wird damit eine gewisse Ausschließlichkeit gezeigt. „Mit dieser Körperhaltung schließt er andere Informationsquellen weitgehend aus.“

Die Körpersprache kann nur zu einem gewissen Grad trainiert werden. Der Großteil davon „ist vorgeburtlich festgelegt. Das nennen wir meistens Temperament“, erklärt Stefan Verra. Die zurückhaltende Angela Merkel hat sich nie als temperamentvoll oder aggressiv inszeniert. Deshalb vermittelt sie körpersprachlich eine hohe Glaubwürdigkeit.

Und so ist Sebastian Kurz mit einer „Geheimwaffe“ zur Welt gekommen, seiner Mundform. „Wenn er lächelt, dann lächelt er nicht verhalten, sondern zieht seinen ohnehin großen Mund bis fast an die Ohren“, analysiert der Körpersprache-Experte. Außerdem haben seine Mundwinkel Ähnlichkeiten mit jenen von Delfinen, wie der Serien-Figur „Flipper“. Beim Lächeln knickt das letzte Eckchen „ganz leicht wieder nach unten“. Das wirkt freundlich.
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