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Ausgabe Nr. 48/2019 vom 26.11.2019, Foto: mauritius images
Wir geben 360 Euro für Weihnachtspackerl aus, knapp ein Fünftel davon im Internet
Kling Kassa, kling
Insgesamt zwei Milliarden Euro lassen wir uns heuer die Geschenke für Familie und Freunde kosten. Den Großteil davon geben wir in hiesigen Geschäften aus. Doch immer mehr kaufen per Mausklick ein, auch zu Weihnachten.
Das Christkind geht mit der Zeit. Jeder zweite Schenker kauft auch im Internet ein. Das haben Forscher der Johannes Kepler Universität in Linz (OÖ) in ihrer jüngsten Studie zum Weihnachtsgeschäft festgestellt. „Es gibt nicht mehr nur den ganz traditionellen Einkaufsstraßen- und den stereotypischen Internet-Käufer“, weiß Prof. Christoph Teller vom Linzer Institut für Handel, Absatz und Marketing. „Es wird querbeet gekauft.“ Und 16 Prozent beginnen sogar schon im Oktober mit den Weihnachtseinkäufen.

Im Schnitt gibt jeder von uns 360 Euro für die Packerl unter dem Christbaum aus. Insgesamt sind das zwei Milliarden Euro. Knapp jeder fünfte Präsente-Euro fließt dabei in den Internet-Handel. Mehr als die Hälfte davon allerdings zu ausländischen Online-Firmen. „Das bedeutet einen Kaufkraftabfluss zu Amazon, Alibaba, Zalando und Co. in Höhe von rund 200 Millionen Euro“, erklären die Handels-Experten in ihrer Untersuchung. Die ausländischen Internet-Riesen streifen rund ein Zehntel der Weihnachts-Ausgaben ein.

Den heimischen Betrieben ist das schon länger ein Dorn im Auge. „Wir wünschen uns Wettbewerbsgleichheit von der Politik“, sagt Iris Thalbauer, die Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer.

„Die Ertragssteuer ist ein weltweites Problem. Das gesamte Steuersystem und die Steuergesetze müssten geändert werden“, weiß Iris Thalbauer. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat kürzlich einen Entwurf für eine weltweite Digitalsteuer vorgelegt. Internationale Unternehmen sollen auch dort Abgaben zahlen, wo ihre Kunden oder Nutzer sitzen und die Firmen Gewinne erzielen. Der OECD-Chef zeigte sich im Mai optimistisch. „Ich bin zuversichtlich, dass wir im kommenden Jahr einen Durchbruch für eine weltweite Digitalsteuer haben werden.“

Aber ob tatsächlich schon im nächsten Jahr eine Einigung erzielt wird, ist fraglich. „Deswegen sind wir der Meinung, es sollte das geändert werden, was leicht zu ändern ist.“

Dazu gehört für den Handel auch die Streichung der Umsatzsteuerbefreiung bei Käufen in sogenannten Drittstaaten außerhalb der EU, wenn die Ware weniger als 22 Euro wert ist. Das hat das Parlament im September beschlossen. Denn zuletzt wurden pro Jahr rund sieben Millionen dieser „Kleinsendungen“, unter anderem aus China, in unser Land geschickt. Ein Großteil davon allerdings mit einem falschen Warenwert deklariert.

Ob die Regelung bei uns vor der EU-Frist ab Jänner 2021 gilt, hängt jedoch von den „technischen und organisatorischen Voraussetzungen“ ab. Dabei wäre „jeder Tag, an dem diese Bestimmung früher in Kraft tritt, ein gewonnener Tag“, sagt die Handels-Geschäftsführerin.

Doch gerade im Weihnachtsgeschäft haben die „echten“ Geschäfte ohnehin noch ihre Nase weit vorne. Gut acht von zehn Euro geben wir dort aus. „Der klassische, der traditionelle Handel verliert, aber er verliert von einem extrem hohen Niveau“, erklärt der Linzer Marketing-Professor Christoph Teller. „Das ist ganz wichtig. Es ist nicht so, dass er morgen verschwindet. Und das Internet gewinnt auf einem niedrigen Niveau.“ Wobei der Online-Handel vor allem durch seine Bequemlichkeit punkten kann.

Aber das Internet hat auch für andere Geschäfte abseits des Online-Handels seine Vorteile. „55 Prozent der Geschenkekäufer informieren sich vorab im Internet“, haben die Experten der Johannes Kepler Universität herausgefunden. 501 Konsumenten befragten sie für ihre Studie. Das Ergebnis zeigt, dass das Netz als Informationsquelle für das Christkindl mittlerweile wichtiger ist als Familie, Freunde oder Bekannte. „Eine Homepage zu haben, ist ein absolutes Muss“, weiß auch die Handels-Geschäftsführerin Iris Thalbauer. „Und auch, dass sie gefunden wird.“ Denn was nutzt das beste Angebot, wenn die Suchmaschinen eine Seite nicht oder nur unter ferner liefen anzeigen.

Lebkuchen können wir vielerorts schon seit dem Spätsommer kaufen, auch das Weihnachtsgeschäft läuft schon. Nur drei Prozent der Christkindln warten laut den Linzer Forschern bis auf den letzten Drücker, um Geschenke zu kaufen. Sie „beginnen frühestens drei Einkaufstage vor Weihnachten“.
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