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Ausgabe Nr. 43/2019 vom 22.10.2019, Fotos: Ploder
Training, um das richtige Gefühl für Winkel zu bekommen.
In der kommenden Woche strebt He beim Turnier in der Türkei einen Stockerlplatz an.
Die Loch-Maschine
Er kann die Luftfeuchtigkeit am Absprungverhalten der Bälle messen und schiebt bei bis zu 200 Einsatztagen jährlich nur selten eine ruhige Kugel. Der Pool-Billardprofi Mario He, 26, aus Rankweil (Vorarlberg) wurde durch Millimeter genaue Stöße und hohe Konstanz zum Europameister. In der kommenden Woche stößt er bei der Eurotour zu.
In irgendeiner verstaubten Schublade daheim in Rankweil (V) liegt er, jener Zettel, auf dem Mario He, 26, einst seine Karriereziele für die Zukunft notierte. „Weltmeister“ steht da zu lesen und ebenso „Nummer eins der Welt“. Auch eine bescheidene Art von Legendenstatus würde er gerne erreichen und traut sich damit offen auszusprechen, was andere Sportler verschämt verschweigen. „Ziele sind für mich wichtig im Leben. Ich denke viel über sie nach und schreibe sie auf“, erklärt er. Ehrgeizige, langfristige ebenso wie leicht erreichbare, kurzfristige.

Nur wenige Gehminuten von seiner Wohnung entfernt, lässt der alleinstehende Vorarlberger mit chinesischen Wurzeln häufig im Billardcenter „Patricks“ die Kugeln klacken, wo für ihn einst alles begann. Früh erkannten die Trainer dort seine unglaubliche Ruhe und eine fast maschinenartige Konstanz. Mit zarten 14 Jahren hatte das „Wunderkind“ im Verein faktisch keine Gegner mehr, mit 15 Jahren gelang ihm der erste Finaleinzug in ein großes Euro-Tour-Turnier in Paris (F), mit 18 krönte er sich zum bislang jüngsten 8-Ball-Europameister. „Billard ist ein äußerst feinfühliger Sport, der meiner Ansicht nach fast zur Gänze im Kopf entschieden wird“, betont He. „Denn technisch sind alle Spitzenspieler gut.“ Drei verschiedene Queues zieht er bei Turnieren aus der Tasche, einen für den Anstoß, einen normalen Spielqueue und einen kurzen „Jump-Queue“ (Spring-Queue) für Kunststöße über eine Kugel drüber. „Wenn ich zum ersten Mal an den Tisch trete, habe ich im Kopf bereits einen Plan für alle Kugeln am Tisch“, verrät er gleichzeitig, dass er je nach Disziplin bis zu 14 Bälle im Voraus plant. Bei bis zu 200 Turniertagen im Jahr, verstreut über die ganze Welt, trainiert He oft vier Stunden täglich am Tisch an seinen Winkeln und dem Gefühl für Stöße. Wenn die belgische Billard-Legende Raymond Ceulemans behauptet, am durch Luftfeuchtigkeit veränderten Ballabsprung lesen zu können, ob es bald regnet, kann He das zumindest im Ansatz nachvollziehen. „Ich kann ebenfalls Luftfeuchtigkeitsveränderungen stark spüren, ohne allerdings das Wetter vorhersagen zu können“, schmunzelt er. „Doch bei feuchterer, wärmerer Luft rollen die Bälle sofort ganz anders.“ Mario Hes Spitzname auf der Tour ist „Chinese Shooter“ (chinesischer Schütze), doch er selbst fühlt sich als ganzer Vorarlberger. „Meine Eltern wanderten vor langer Zeit von China nach Österreich ein, ich und meine Schwester wurden schon hier geboren. Alle zwei Jahre besuche ich meine Tanten und Onkel in Asien, dafür reicht mein Chinesisch gerade.“

In der kommenden Woche beim Turnier in Antalya
(Türkei) zählt für den HAK-Absolventen einmal mehr in erster Linie das Stockerl. Fünf EM-Medaillen heimste der Vorarlberger in seiner Karriere bereits ein, zuletzt heuer im April Bronze, wenig später schlug er als Draufgabe den Weltmeister Joshua Filler (D). Und inoffizieller Mannschafts-Weltmeister darf sich He auch nennen, gemeinsam mit dem Kärntner Albin Ouschan, dem Bruder der Billard-Königin Jasmin Ouschan, schnappte er sich im englischen Leicester im Juli zum zweiten Mal den Titel des Team-Worldcups.

Was ihm allerdings noch auf der ewigen Liste der angepeilten Erfolge fehlt, ist ein „waschechter“ Weltmeistertitel, He bleibt da optimistisch.

„Ich glaube, dass fast alle Ziele erreicht werden können, wenn der Wille nur groß genug ist“, erklärt er. „Allerdings wären schon 90 Prozent Einsatz dafür zu wenig.“ Wolfgang Kreuziger
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