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Ausgabe Nr. 40/2019 vom 01.10.2019, Fotos: AdobeStock
Es kann sinnvoll sein, den eigenen Impfstatus überprüfen zu lassen
Mein Blut verrät, ob ich geschützt bin
Wie gut es um den eigenen Impfschutz bestellt ist, wissen viele Menschen nicht. Den einen ging irgendwann der Impfpass verloren, bei anderen liegt die letzte Impfung schon viele Jahre zurück. Ob eine Auffrischungsimpfung notwendig ist oder noch ausreichend Schutz besteht, kann (meist) ein Bluttest klären. Der sogenannte „Titer-Test“ hat aber auch seine Grenzen.
Zwei Impfungen sind gewöhnlich notwendig, um beim Menschen einen Impfschutz gegen Masern aufzubauen. Doch die zweite Impfung der „Grund-Immunisierung“ erhielt die damals dreijährige Elena Vich aus Wien nicht mehr. „Ich bin bei Impfungen vorsichtig“, erklärt ihre Mutter die damalige Entscheidung.

„Als ich erfahren habe, dass in Italien Kindern nur eine Impfung gegen Masern gegeben wird, habe ich entschieden, dass es bei der einen Impfung für meine Tochter bleibt.“ Um herauszufinden, ob das heute 14jährige Mädchen noch einen Schutz gegen Masernerreger hat, ließ die Mutter eine Titer-Bestimmung durchführen. Der Hausarzt nahm ihrer Tochter Blut ab, schickte die Probe in ein Labor und wenige Tage später stand das Ergebnis fest. „Der Befund sagt, dass Elena noch immer gut geschützt ist.“

Fragen nach dem eigenen Impfstatus stellen sich Menschen immer wieder, weiß Prim. Dr. Sabine Sussitz-Rack, Leiterin des Institutes für Labordiagnostik und Mikrobiologie am Klinikum Klagenfurt (K). „Sei es, weil eine Grund-Immunisierung nicht abgeschlossen wurde, weil der Impfpass verloren ging oder die letzte Impfung schon viele Jahre zurückliegt. Manchmal möchten Frauen vor einer geplanten Schwangerschaft wissen, ob sie einen Schutz gegen Röteln haben, denn diese Krankheit kann in der Schwangerschaft das Ungeborene schädigen. In manchen Fällen wird der Test gemacht, um zu sehen, ob die Impfung gewirkt hat. Es gibt Menschen, die trotz Impfung keinen Schutz aufbauen.“

Viele Erregerstämme verhindern den Test

Eine Antwort auf die Frage nach dem eigenen Impfstatus gibt ein „Titer-Test“, ein Bluttest, mit dem Labormediziner in Erfahrung bringen, wie viele Antikörper (= Abwehrstoffe) gegen bestimmte Krankheitserreger im Blut sind. „Mit einer Blutabnahme können auch Antikörper-Spiegel verschiedener Erkrankungen untersucht werden. Es ist durchaus möglich, den Impfstatus zu zwei, drei oder vier Krankheiten zu überprüfen. Am häufigsten wird nach dem Impfschutz zu Diphtherie, Tetanus, Feuchtblattern, Hepatitis B und Zecken gefragt. Im Durchschnitt liegt das Testergebnis nach einigen Tagen vor. Die Auswertung und der Befund werden dem zuweisenden Arzt übermittelt“, verrät die Institutsvorständin.

Trotz hochmoderner Labordiagnostik ist es jedoch nicht möglich, zu allen Krankheiten den Impfstatus zu ermitteln. „Einerseits gibt es Krankheitserreger, die aus unterschiedlichen Stämmen bestehen, zum Beispiel das HP-Virus. Es hat mehr als einhundert verschiedene Stämme. Unter ihnen befinden sich jene HPV-Typen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Andererseits gibt es Viren, die sich schnell und stark verändern können, wie die Influenza-Viren. Hier ist eine jährliche Auffrischungsimpfung erforderlich.“

Eine Frage, die so ein Test zum Bedauern der meisten Patienten nicht beantworten kann, ist, wie lange ein nachgewiesener Impfschutz hält. „Es ist leider bei vielen Erkrankungen noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt, wie lange ein bestehender Impfschutz hält. Bei der FSME gibt es eine Wechselwirkung mit anderen Impfungen, etwa Gelbfieber. Eine Ausnahme ist die Hepatitis B. Hier kann der Labormediziner erkennen, wie lange ein nachgewiesener Impfschutz noch halten wird. Nach einer erfolgreichen Grundimmunisierung für Masern, Röteln und Mumps besteht ohnehin ein lebenslanger Schutz. Nur in seltenen Fällen, wenn das Immunsystem stark herabgesetzt ist oder bei Menschen, die eine Chemotherapie erhalten, kann eine dieser Krankheiten trotzdem ausbrechen.“

Eine Auffrischung muss nicht immer sein

Ob und wie lange ein Impfschutz bestehen bleibt, hängt in hohem Maße auch vom Zeitpunkt der Impfung ab, verrät Dr. Sussitz-Rack. „Das Immunsystem von Kindern und jungen Menschen ist viel besser im Aufbau eines guten und langen Impfschutzes. Bei Erwachsenen oder alten Menschen ist das Immunsystem dazu nicht mehr so gut in der Lage.“

Bestätigt der Titer-Test einen Impfschutz, zum Beispiel bei Tetanus, kann mit jährlichen Folgetests überprüft werden, ob er weiterhin aufrecht bleibt. „Das kann zum Beispiel auch bei Zeckengeimpften sinnvoll sein. Ist ein Mensch gegen FSME geimpft und wird er dann von einer Zecke mit dem FSME-Virus infiziert, macht sein Körper zwar eine Infektion durch, aber er erkrankt nicht. Diese ‚Infektion im Hintergrund‘ wirkt wie eine Auffrischung, weil das Immunsystem neue Antikörper bildet. Macht dieser Mensch den Titer-Test, wird er ausreichenden Schutz haben, obwohl die letzte FSME-Impfung vielleicht schon länger als fünf Jahre zurückliegt und eine Auffrischung theoretisch anstünde.“

Ein getesteter, zu niedriger Antikörper-Spiegel hingegen bedeutet nur eines. Der Betroffene hat keinen ausreichenden Schutz mehr. „In diesem Fall wird eine Auffrischung des Impfschutzes empfohlen.“
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