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Ausgabe Nr. 39/2019 vom 24.09.2019, Fotos: picturedesk.com, AdobeStock
Ein Strand in Paleokastritsa.
Das Kloster Vlacherna
Das grüne Herz Griechenlands
Zypressen und Olivenbäume säumen die griechische Insel Korfu. Dank des milden Klimas herrscht auf dem Eiland eine üppige Vegetation, die bereits Kaiserin Elisabeth zu schätzen wusste. Sie ließ auf Korfu einen Palast, das Achilleion, errichten. Das kulturelle Erbe der Insel zeigt sich auch in Korfu-Stadt.
Einige Besucher heben ihre Hände, als sich ein Flugzeug nähert. Die Maschine wirkt so nah, als könnten die Menschen ihr den „Bauch“ streicheln. Der Landeanflug auf der griechischen Insel Korfu gilt als einer der spektakulärsten. Die Start- und Landebahn ist fast gänzlich von Wasser umgeben.

Auf der nahegelegenen Aussichtsterrasse von Kanoni versammeln sich gerne Schau-lustige, um sich die Flugzeuge anzusehen. Von dort oben bietet sich auch ein schöner Ausblick auf das Kloster Vlacherna sowie auf die Mäuseinsel, die zu einem Wahrzeichen Korfus geworden ist. Den Namen erhielt das kleine Eiland, weil es von oben aussieht wie eine Maus. Anstelle von grauen Nagern gibt es auf der Insel jedoch eine Kapelle zu sehen.

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit Korfus liegt nur zehn Kilometer entfernt. Das Achilleion ist ein Schloss hoch über der Ostküste. Kaiserin Elisabeth kaufte die Sommerresidenz eines reichen Griechen und ließ sie in einen Palast umbauen. „Die schicke Villa hat sie nach Achilles, ihrem geliebten Helden des Trojanischen Krieges, benannt. Aus diesem Grund finden sich auf dem Areal zahlreiche Statuen des Halbgottes“, erzählt die Fremdenführerin Anna Vassilaki, die in Korfu-Stadt lebt.

Die Kaiserin kam nach Korfu, um dem Hof in Wien zu entfliehen. Die Aristokratin reiste freilich nicht per Flugzeug an, das war zu ihren Lebzeiten noch nicht erfunden. Sie steuerte Korfu per Schiff an. Die Reste der „Kaiser‘s Bridge“, der königlichen Anlegestelle, können besichtigt werden.

Sechs Jahre nach dem Abschluss der Bauarbeiten gab die Kaiserin das Achilleion auf. „Unsere Träume sind immer schöner, wenn wir sie nicht verwirklichen“, sagte die Monarchin. Später kaufte der deutsche Kaiser Wilhelm II. den Palast. Er machte gerne Urlaub auf Korfu und hat sich einen Platz ausgesucht, um den Sonnenuntergang zu bewundern.

Der Kaiser setzte sich gerne auf einen Felsen, der das Dorf Pélekas überragt. Heute führt eine ausgeschilderte Straße hinauf zum sogenannten „Kaiser‘s Throne“. „Von hier oben lässt sich fast die gesamte Insel überblicken“, sagt Vassilaki.

Das Eiland, das nur wenige Kilometer vor der albanischen und griechischen Küste liegt, wirkt wie ein dichter, grüner Teppich. Selbst nach heißen Tagen ist auf Korfu nichts ver-brannt oder ausgedörrt. Das liegt am mediterranen Klima und milden, regenreichen Wintermonaten.

Allgegenwärtig sind Olivenbäume. „Gut vier Millionen sollen es sein, die noch von den Venezianern gepflanzt wurden. Auch Kumquats, saure Miniorangen, gedeihen hier. Der Reiz vieler griechischer Inseln liegt in ihrer Kargheit, auf Korfu dagegen blüht und gedeiht alles prächtig“, erzählt Vicky Leandros.

Die Schlagersängerin ist die bekannteste Tochter der Insel. Sie wurde auf Korfu geboren, wuchs aber in Deutschland auf. Die 67jährige kehrt immer wieder gern auf die Insel zurück. „Sobald ich angekommen bin, gehe ich schwimmen. Auch im Herbst, weil das Wasser noch warm ist“, schwärmt Leandros. Schöne Sandstrände gibt es in Paleo-kastritsa, Marathias und Issos. Die Bucht in Glyfada gehört zu den beliebtesten Stränden auf Korfu.

Im Osten geht es noch etwas ruhiger zu. Dort bieten Dassia und Barbatia weiße Sandstrände und kristallklares Wasser. Sehenswert ist auch der Korission-See. Er liegt an
der Südwestküste und ist durch einen Sandstreifen vom Meer getrennt.

Nach dem Baden zieht sich die Sängerin gerne in eines der Straßencafés in Korfu-Stadt zurück. „Ich trinke dort meinen geliebten griechischen Kaffee. Den genießen Einheimische mit viel Zucker“, verrät die Griechin.

Die Altstadt gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Häuser wurden im französischen, britischen und venezianischen Baustil errichtet. Die Briten, die für kurze Zeit über die Insel herrschten, brachten eine neue Sportart mit. Auf der Esplanade, dem größten Platz auf Korfu, wird Cricket gespielt.

Unter venezianischer Besatzung wurde der Platz als Exerzierplatz genutzt. Heute gibt es eine Parkanlage mit Cricket-Feld. Von dort oben haben Besucher einen guten Ausblick auf den Palast von St. Michael und St. George sowie auf die Alte Festung.

Die wichtigste griechisch-orthodoxe Kirche ist dem Heiligen Spyridon, dem Schutzpatron Korfus, geweiht. Der Glockenturm überragt alle Altstadtgebäude. Er wurde unter venezianischer Herrschaft gebaut. Die Italiener brachten aber nicht nur ihre Architektur auf die Insel, sondern auch ihre Küche.

Daher wird im Schatten der Zypressen in den Tavernen Sofrito serviert. Dafür wird Kalbfleisch in einer Weinsauce mit viel Knoblauch und Petersilie gekocht. Dazu wird Püree gereicht. Dieses Rezept fehlt in keinem korfiotischen Haushalt. Die Bewohner fliegen förmlich auf diese Spezialität. widlak
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