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Ausgabe Nr. 38/2019 vom 17.09.2019, Foto: AdobeStock
Frisch gewaschenes, trockenes Haar lässt sich am besten glätten. Feuchtes Haar wird „gekocht“ und damit geschädigt.
Geräte für mehr Locken sind ein „heißes Eisen“
Haare können widerspenstig sein. Vor allem in der Früh, wenn die Strähnen in alle Wind-Richtungen zeigen, helfen oft nur noch technische Hilfsmittel wie Glätteisen oder Lockenstab. Wie nützlich diese Geräte wirklich sind und vor allem, wie sicher sie in der Handhabung sind, verraten die Experten vom Verein für Konsumenteninformation.
Den Kopf gespickt mit Lockenwicklern geduldig unter der Trockenhaube zu sitzen oder mit ihnen eine ungemütliche Nacht auf dem Polster zu verbringen, das mag sich heute kaum noch eine Frau antun.

Das ist auch gar nicht notwendig, meinen Hersteller diverser Geräte, die in wenigen Minuten glattes Haar in Locken legen sollen. Doch der Gedanke, mit hohen Temperaturen von bis zu 190 Grad die Haarpracht in Form zu biegen, verunsichert Anwenderinnen. Die Frage, „Was, wenn das Haar verbrennt?“, stellt sich jede Frau nicht nur einmal.

Ein Drittel der Geräte fällt durch

Ob Lockenstab, Lockendreher und Glätteisen dem Haar schaden, sich die erhofften Locken formen lassen und wie hoch die Gefahr eines Hitze-Unfalles ist, wollten die Experten des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) wissen. „Unsere Kollegen von der Stiftung Warentest haben häufig gekaufte ‚Hairstylinggeräte‘ dazu genauer unter die Lupe genommen, und sie kamen zu dem Schluss, gut jedes dritte Modell ist praktisch unbrauchbar“, sagt Karin Baumgarten vom VKI, die den Test jetzt hierzulande vorgestellt hat.

Glätteisen unter der Lupe

„Das Haar besteht hauptsächlich aus Keratin, einem Eiweiß. Welche Form es annimmt (kraus, gewellt oder glatt), entscheiden Wasserstoffbrücken und Ionenbindungen, welche die Keratinfasern fixieren. Diese Struktur lässt sich vorübergehend verändern, etwa durch Hitze. Im Haarglätter werden einzelne Strähnen zwischen heiße Keramikplatten geklemmt und das Gerät wird zügig vom Ansatz bis zu den Spitzen bewegt. Das verleiht dem Haar zusätzlich Glanz und macht es leichter kämmbar.

So richtig glänzt das Haar allerdings erst nach einer Behandlung mit Temperaturen von mehr als 120 Grad. Je höher die Temperatur, desto auffälliger ist der Glanz“, erklärt Baumgarten die Wirkungsweise dieser Geräte. Die Gefahr, ist das Eisen zu heiß, schmilzt die oberste Haarschicht. „Das Haar wird strohig und lässt sich kaum kämmen.“

Feines Haar weniger robust

Welche Temperatur das eigene Haar verträgt, hängt vor allem von seinem Zustand ab. „Feinem, gebleichtem oder geschädigtem Haar sollten höchstens 170 Grad zugemutet werden. Gesundes, kräftiges Haar verträgt bis zu 200 Grad. Je häufiger das Haar geglättet wird, desto größer ist die Belastung für das Haar.“ Auch beim Lockendrehen sollte die Temperatur des Gerätes etwa 170 Grad betragen. Höhere Temperaturen können vor allem feines Haar schädigen.

Hitze und noch andere Gefahren

Beim Test warnten die Prüfer nicht nur vor zu hohen Temperaturen für die Haare. „Beim Gerät von Severin heizte sich das Gehäuse stark auf. An manchen Stellen wurden mehr als 90 Grad gemessen. Das reicht, um sich Kopfhaut, Ohren oder Finger ordentlich zu verbrennen.“ Tatsächlich gibt es Geräte, die ununterbrochen weiterheizen, das stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Die Mehrheit der Glätteisen schaltet sich nach spätestens sechzig Minuten aus.

Verfilzte Knäuel statt Locken

Kritikpunkte gibt es von den Testern aber auch bei Lockenstäben und Curlern (= Haare werden per Knopfdruck automatisch aufgerollt und gelockt).

„Es gab ziemlich schmerzhafte Erfahrungen bei den Testpersonen. Manche Geräte zogen die Haare ein, drehten sie teilweise zu einem Knäuel und gaben sie dann nicht mehr frei. Die Tester konnten ihre Haare nur mit Ziehen und unter Schmerzen wieder befreien. Für diese Geräte setzte es ein ‚Nicht zufriedenstellend‘“, verrät Baumgarten. Ebenso schlechte Noten erhielten Lockenstäbe, die keinen Clip zum Fixieren der Haare auf dem heißen Eisen hatten. „Die Testerinnen mussten die Haare festhalten. Mehrere gerieten mit dem heißen Kolben an Hals, Ohren oder Finger und verbrannten sich. Der mitgelieferte Hitzeschutzhandschuh erwies sich als eher unpraktisch, es ließen sich damit feine Haarsträhnen kaum fassen.“

Das Ergebnis dieses Geräte-Tests ist daher „durchwachsen“. Die Bestnote „sehr gut“ konnten die Tester an keines der Geräte vergeben. Die Test-Sieger erhielten als Bestnote ein „gut“. Auffallend ist, von den fünfzehn Testgeräten fiel sogar fast die Hälfte, und zwar sechs Produkte, mit einem „nicht zufriedenstellend“ durch.

Die Trends in der Haarmode („Strandlocken“, „Afro-Stil“, „Korkenzieherlocken“, „Kreppwellen“) sind die wichtigsten Wachstumselemente für den Markt der „Haarstyling“-Geräte. Dutzende verschiedene Modelle stehen zur Auswahl. Die Qualitätsunterschiede sind groß, wie der jüngste Test zeigt.

Alles Testkriterien, Detail-Ergebnisse und weitere Infos zu den Produkten finden Abonnenten auf

www.konsument.at/hairstyling 052019.

Die KONSUMENT-Ausgabe kann unter der Telefonnummer 01/588774 bestellt werden.
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