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Ausgabe Nr. 38/2019 vom 17.09.2019, Foto: Sony Music
Rocklegende „The Boss“ Bruce Springsteen wird 70
„Ich lebe noch immer meinen Jugendtraum“
Mit seinem Opa hat er alte Radios repariert, mit seinem Vater dagegen kaum gesprochen. Er war Alkoholiker und ließ die Familie verarmen. Doch Bruce Springsteen kämpfte sich nach oben. Die Musik brachte ihm nicht nur höchste Auszeichnungen, sondern auch viele Millionen aufs Bankkonto. Vor allem deshalb, weil er in einer Fernseh-Show einen Mann namens Elvis Presley hüftschwingend singen sah.
Alte Männer, die jammern, finde ich unerträglich“, sagt der amerikanische Rockmusiker Bruce Springsteen.
Schließlich ist er der „Boss“, und ein solcher jammert nicht, auch nicht, wenn er 70 Jahre alt wird. Stattdessen zauberte Springsteen in diesem Jahr sein Solo-Album „Western Stars“ aus dem Hut, das mit Cowboy-Romantik bezirzt.

Damit nicht genug, hat er angekündigt, auch mit seiner „E Street Band“ jetzt im Herbst wieder ein neues Rock-Album aufnehmen und im nächsten Jahr wieder auf Tournee gehen zu wollen.

In seiner Kindheit wies allerdings noch nichts auf eine Karriere als gefeierter Musiker hin. Der Barde erblickte das Licht der Welt als Bruce Frederick Joseph Springsteen am 23. September 1949 in der Kleinstadt Freehold im Bundesstaat New Jersey (USA). Zusammen mit seinen beiden jüngeren Schwestern, Virginia und Pamela, wuchs er in einfachen Verhältnissen auf. „Meine ganze Familie lebte im Haus der Großeltern“, sagt Springsteen, der zu seinem Opa eine besondere Beziehung hatte. „Wir haben gemeinsam alte Radios vom Sperrmüll eingesammelt, sie repariert und verkauft. Ich war der Enkel des ‚Radiomannes‘, wie mein Großvater genannt wurde.“

Weniger gut war dagegen das Verhältnis zu seinem irischstämmigen Vater. „Er war ein Choleriker, der meist arbeitslos und betrunken war“, sagt er. „Zudem fiel es ihm schwer, emotionalen Kontakt zu uns Kindern herzustellen.“ Da war seine aus Italien stammende Mutter anders. „Sie war eine warmherzige, aktive Frau, die sich um uns kümmerte und uns religiöse Werte vermittelte.“ Nebenbei arbeitete sie als Sekretärin, um die triste Geldsituation der Familie zu verbessern, was aber nicht reichte. Mitte der 1950er Jahre musste die Familie in ein Armenviertel übersiedeln. „Es war eine bedrückende Zeit“, sagt Springsteen, der sich zudem in seiner streng katholischen Schule als Außenseiter fühlte und in ständigem Konflikt mit den Lehrern stand.

Eine Zäsur in seinem Leben fand im Jahr 1956 statt, als er den legendären Fernsehauftritt von Elvis Presley († 1977) in der „Ed Sullivan Show“ mitverfolgte. „An jenem Abend bekamen siebzig Millionen Amerikaner ein hüftwackelndes mensch-liches Erdbeben zu Gesicht. Ich war im Rausch der Gefühle, als ich ihn das erste Mal sah“, erzählt Springsteen, der ebenfalls Musik machen wollte.

Weil seine Eltern aber kein Geld für eine Gitarre hatten, mähte er Rasen und strich das Haus seiner Tante, um sich für rund 16 Euro eine gebrauchte Gitarre zu kaufen. „Die ersten Griffe brachte ich mir selbst bei, mein erstes Rock-‘n‘-Roll-Lied war ,Twist and Shout‘ von den ,Beatles‘“, erinnert sich Springsteen, der schon bald wieder gespart hat, um 60 Euro für seine erste elektrische Gitarre zusammenzukratzen.

Dann gründete er mit Freunden seine erste Musikgruppe „The Merchants“. „Wir hauten den Blues nur so raus, waren aber hundsmiserabel. Keiner besaß ein Mikrophon und keiner eine Stimme.“

Mitte der 60er Jahre zogen seine Eltern nach Kalifornien, wo sein Vater eine Stelle als Busfahrer antrat. Der Sohn blieb jedoch in seinem Elternhaus in Freehold zurück und bezog später ein Zimmer in der Stadt Asbury Park. „Ich ging keiner geregelten Arbeit nach und verbrachte meine Zeit mit Musik, Surfen, Mädchen und Autofahren“, erinnert er sich an diese turbulenten Zeiten.

Ein angefangenes Studium am Ocean County College in New Jersey brach er nach einem Jahr ab, genau wie eine kurze Beschäftigung als Gärtner, die seine einzige Anstellung bleiben sollte. „Stattdessen spielte ich mit verschiedenen Musikgruppen in verrauchten Lokalen“, sagt Springsteen. Zu seinem Spitznamen „der Boss“ kam er deswegen, weil er seinen Musikerkollegen nach gemeinsamen Auftritten die Gage immer in bar ausbezahlte. „Wie ein echter Chef eben“, lacht er.

Anfang der 70er Jahre unterschrieb er seinen langersehnten ersten Plattenvertrag und nahm zwei Alben auf. Doch erst mit „Born to Run“ (1975) schaffte der damals 26jährige den Durchbruch, bevor er rund zehn Jahre später mit „Born in the USA“ (1984) und der gleichnamigen Antikriegs-Hymne zur Musikgröße aufstieg. Zehn Jahre später heimste er für das Lied „Streets of Philadelphia“ einen „Oscar“ für die beste Filmmusik in dem Drama „Philadelphia“ (1993) ein.

Dafür scheiterte seine erste Ehe mit dem Modell Julianne Phillips, 59. Die Ehe hielt nur vier Jahre, denn Springsteen betrog sie mit seiner Hintergrundsängerin Patti Scalfia, 66. „Sie ist meine große Liebe“, sagt er.

Scalfia schenkte ihm zwei Söhne und eine Tochter. Evan James, 29, ist heute ebenfalls Musiker, Jessica Rae, 27, ist Springreiterin und Sam Ryan, 25, arbeitet seit Kurzem als Feuerwehrmann. Seine Depressionen, die auf das gestörte Verhältnis zu seinem Vater zurückzuführen sind, hat Springsteen mit Medikamenten im Griff. Und mit der Musik. „Wenn ich mir meine Gitarren ansehe, weiß ich, dass ich noch immer meinen Jugendtraum lebe.“ rb
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