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Ausgabe Nr. 34/2019 vom 20.08.2019, Foto: action press
Dagmar Koller
wurde am 26. August 1939 in Klagenfurt (K) geboren. Nach der Ballettausbildung und dem Studium begann sie ihre Karriere an der Wiener Volksoper.

Bekannt wurde sie mit Musicals wie „My Fair Lady“ und „West Side Story“. Von 1978 bis 2008 war die Sängerin und Tänzerin mit dem Wiener Bürgermeister Helmut Zilk († 2008) verheiratet. Koller lebt in Wien und an der portugiesischen Algarve.

Am 1. September feiert die Wiener Volksoper den 80. Geburtstag von Dagmar Koller mit einer Hommage an die Künstlerin.
„Als Ballett- Tänzerin war ich ein kleines Luder“
Dagmar Koller wird 80. Was das für sie bedeutet, wie sie ihren Körper elastisch hält, warum sie sich vor Zahnschmerzen fürchtet und was sie sich zum Geburtstag wünscht, erzählt die Künstlerin im WOCHE-Gespräch.
Frau Koller, geht es Ihnen schon auf die Nerven, auf Ihren bevorstehenden „Runden“ angesprochen zu werden?
Achtzig ist kein gutes Alter. Ich höre diese Zahl seit einem halben Jahr fast täglich. Es wird einem bewusst, dass es langsam zu Ende gehen könnte. Das kann einen schon zum Grübeln bringen, ob einen überhaupt noch jemand mag. Deshalb ehrt es mich natürlich umso mehr, dass mich die Menschen nicht vergessen haben.

Wie gelingt es Ihnen, so gut in Schwung zu bleiben?
Ich dehne und strecke meinen Körper jeden Tag, damit ich elastisch bleibe. Wobei ich im Juli in meinem Haus in Portugal leider zu faul für meine Übungen war. Und als ich dann daheim in Wien meine Waden dehnte, dachte ich mir, „Jössas, die Sehnen in der Ferse werden immer kürzer.“ Obendrein hätte es mich beim Tanzen in meinem Wohnzimmer fast hingehaut. Jetzt mache ich wieder regelmäßig meine Gymnastik, um körperlich stabil zu bleiben.

Verraten Sie uns eine Ihrer Übungen?
Vor dem Aufstehen lege ich mich auf dem Rücken quer über das Bett, lasse den Oberkörper hinunterhängen und ziehe mich mit meinen Bauchmuskeln hinauf. Sich da ohne Hände aufzurappeln, ist nicht leicht. Aber ich habe noch die Kraft in den Muskeln. Aber bitte aufpassen, denn wer nicht die Kraft hat, kann leicht auf den Kopf fallen.

Jetzt ganz ehrlich, tut Ihnen manchmal auch etwas weh?
Jeden Tag kommt ein neues Zwickerlein dazu, aber das sind nur Kleinigkeiten. Die größte Angst habe ich vor Zahnweh, für mich die schlimmsten Schmerzen. Seit zehn Jahren habe ich eine Ruhe mit meinen Zähnen, damals ließ ich mir Implantate machen. Aber der Zahnarzt meinte, das würde nicht länger als zehn Jahre halten. Deshalb putze und spüle ich meine Zähne ununterbrochen, damit da ja nichts passiert.

Sie erfreuen sich demnach guter Gesundheit?
Durchaus, früher hatte ich oft schlimme Darmbeschwerden, weil ich so wenig und so unregelmäßig gegessen habe. Aber das ist Gott sei Dank vorbei. Ich halte keine Diäten und esse alles, allerdings mit Maß. Ich verzichte auf nichts, wobei ich wenig Fleisch esse. Ein gutes Faschiertes oder ein Wiener Schnitzel mag ich hin und wieder schon gerne.

Sind Sie von Ihren Pumps schon auf flaches, bequemes Schuhwerk umgestiegen?
Gerne würde ich diese bunten Sneakers, die jetzt so modern sind, tragen. Aber meine Beine vertragen nur Stöckelschuhe, weil sie offenbar darin geübt sind. Von flachen Schuhen bekomme ich Kreuzweh. Wobei ich meine schicken Pumps von Yves Saint Laurent meiner Nichte vermachen werde. Sie schaut eh schon immer ganz gierig auf das wunderschöne Paar mit den hohen Absätzen. Und ich bekomme langsam Angst, mit ihnen umzukippen.

Bereuen Sie es, kinderlos geblieben zu sein?
Meine Nichten und Neffen kümmern sich sehr um mich. Ich war schon immer die verehrte Tante. Aufgrund meines Berufes hatte ich selbst nie Zeit, Kinder zu haben. Ich hätte meinen Beruf auch nicht so schnell aufgeben wollen. Aber ich würde grundsätzlich schonsagen, es sollte nicht auf Kinder verzichtet werden.

Wer ist denn für Sie da, wenn es Ihnen einmal nicht so gut geht?
Meine Schwester, die ich sehr gerne habe, würde mir immer beistehen. Aber ich rechne gar nicht damit, dass das so schnell kommt. Ich habe noch keine einzige Sekunde darüber nachgedacht, wie es weitergehen könnte, würde ich krank werden.

Sie haben immer viel gearbeitet, hat Sie das jung gehalten?
Ich habe schon immer viel Verantwortung getragen, weil ich mich um so viele Menschen kümmere. Manchmal frage ich mich, warum ich das tue. Wahrscheinlich, weil ich ein guter Kerl bin. Jetzt komme ich drauf, dass ich mehr für mich selbst da sein muss, sonst wird‘s vielleicht sehr schnell gehen bei mir.

Dem spanischen Opernsänger Plácido Domingo, 78, werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Wie stehen Sie zu den von neun Frauen geäußerten Anschuldigungen?
Das ist die traurigste und furchtbarste Geschichte, die dem Plácido passieren konnte. Ihm sind doch alle Frauen nachgelaufen. Auch ich habe diesen großartigen Künstler verehrt und war von seiner Stimme begeistert. Es gibt keine Frau, die nicht in diesen großartigen Tenor verliebt war. Wer den Domingo so gut gekannt hat wie ich, weiß, dass er bei seinen Auftritten immer seine Ehefrau dabei hatte. Sie hat auf ihn aufgepasst, weil sie wusste, wie begehrt ihr Mann war.

Kam Ihnen ein Mann je ungewollt zu nah?
Nie, ich war schon als Balletttänzerin ein kleines Luder (lacht), das sich gut zu helfen wusste. Wenn mir ein Mann nicht gefiel, hatte er keine Chance bei mir. Gefiel mir einer, dann genoss ich es, von ihm verehrt zu werden. Noch heute freue ich mich, wenn mich ein Mann super findet. Mich hat in meinem ganzen Leben kein Mann enttäuscht. Bis auf einen einzigen, der mich nicht für eine Rolle engagiert hat. Dem war ich halt unsympathisch. Grundsätzlich kann ich den Männern nur das beste Zeugnis ausstellen.

Hätten Sie gerne einen Mann, mit dem Sie alles teilen?
Ja, natürlich wäre das schön, aber ich habe keinen gefunden und irgendjemanden nehme ich sicher nicht. Aber ich bin gut versorgt und wechsle halt meine Begleiter. Kürzlich wünschte ich mir einen Mann, als ich voll bepackt mit Kleidern aus der Reinigung und einer schweren Einkaufstasche nach Hause ging. Von den vielen Männern, die mir begegneten, hat sich kein einziger als Kavalier erwiesen.

Was darf Ihnen die WOCHE wünschen?
Dass ich so gesund bleibe wie ich bin, denn ich fühle mich gerade besonders gut. Und, dass ich meine Freunde nicht verliere, die ich in den vergangenen Wochen vernachlässigt habe, weil ich so viel Zeit in diesen verdammten Geburtstag investieren musste (lacht). Aber ich freue mich auf das Feiern. Sogar der Herr Bürgermeister (Anm.: Michael Ludwig) soll für mich etwas im Wiener Rathaus geplant haben. Ich liebe das Rathaus, es war ja Helmuts Arbeitsplatz, wo ich mich besser auskenne als in meiner eigenen Wohnung. Ich habe ja sogar dort geschlafen.
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