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Ausgabe Nr. 33/2019 vom 12.08.2019, Fotos: zVg, Ordensklinikum Linz GmbH/Stefan Zauner
Herzpatient Erich Lindlbauer kann endlich ohne Angst leben.
Prof. Dr. Helmut Pürerfellner, Kardiologe, Ordensklinikum Linz
„Ein Schnitt beendete meine Herzstürme“
Fast jeder ist im Laufe des Lebens von Herzrhythmus-Störungen betroffen. Im Normalfall sind es harmlose Extraschläge des Herzens. Das ist unangenehm, aber nicht behandlungsbedürftig. Wird eine Verlangsamung oder eine Erhöhung der Herzfrequenz lebensbedrohlich, rettet eine Nervendurchtrennung das Leben.
Als der junge Oberösterreicher Erich Lindlbauer vor knapp eineinhalb Jahren bei einer Routineuntersuchung erfuhr, sein Herz sei krank, war das „wie ein Faustschlag ins Gesicht“. Die Diagnose ließ den zweifachen Familienvater aus allen Wolken fallen. „Die Ärzte sagten, mein Herzmuskel wäre nicht gesund, die linke Herzseite stark vergrößert. Ich hatte keine Symptome, keine Ahnung, dass irgendetwas mit meinem Herzen nicht stimmte“, erinnert sich der 35jährige Angestellte an den Wendepunkt in seinem Leben.

Plötzlich schwer herzkrank

Wie krank sein Herz war, bekam Erich Lindlbauer in den folgenden Monaten deutlich zu spüren.

Einige Wochen nach der Diagnose traten erstmals schwere Herz-Rhythmus-Störungen auf, die ihn mitunter ohnmächtig werden ließen und auf die Intensivstation brachten. „Es ist, als ob ein Schraubstock das Herz zudrückt. Ein schreckliches Gefühl, das mir große Angst machte“, erinnert sich Erich Lindlbauer. Und die Herzrhythmus-Störungen häuften sich.

Reha-Aufenthalte, ein eingesetzter Defibrillator sowie eine folgende kleine erste Operation am Herzen sollten helfen, das Problem in den Griff zu bekommen. „Leider half das nicht. Ich war dadurch nicht nur körperlich, sondern auch psychisch stark gestresst. Einmal musste mein implantierter Defibrillator acht Mal aktiv werden. Das sind jedesmal heftige Stromstöße, um die Herzrhythmusstörungen zu beenden. Jeder Stromstoß fühlt sich an, als würde ich in einen Weidezaun greifen, nur stärker. Das war nicht mehr zu ertragen.“

Ein Nerv wird durchtrennt

Seinen (gefährlichen) Leidensweg beendete ein Eingriff, der zu diesem Zweck in unserem Land erst seit Kurzem durchgeführt wird, wie Univ.-Prof. Dr. Helmut Pürerfellner von der 2. Internen Abteilung-Kardiologie am Ordensklinikum Elisabethinen in Linz (OÖ) erläutert. „Wir sprechen von der Sympathektomie. Das heißt, wir durchtrennen den Sympathikusnerv. Bisher wurde dieser Eingriff als letztes Mittel zur Behandlung von starkem Schwitzen eingesetzt, denn für die Überreaktion der Schweißdrüsen ist dieser Nerv verantwortlich. Nun ist er eine große Hoffnung zur Heilung eines ‚elektrischen Sturmes im Herzen, einer besonders gefährlichen Form der Herzrhythmusstörung. Das ist möglich, denn der Nerv ist so verzweigt angelegt, dass nach seiner Durchtrennung Umgehungskreisläufe die übrigen Organe weiter versorgen.“

Zugang über die Rippen

Als zweite Klinik in unserem Land führt das Linzer Ordensspital dieses Verfahren in der Herztherapie durch, um Rhythmusstörungen, die mit konventionellen Methoden nicht behandelbar sind, zu beheben. „Der chirurgische Eingriff in das vegetative Nervensystem setzt große Erfahrung des Arztes voraus“, betont Prim. Univ.-Prof. Dr. Reinhold Függer, Abteilungsleiter der Chirurgie am Ordensklinikum Elisabethinen. „Der Sympathikus verläuft vom Hals entlang der Wirbelsäule bis in die Lenden. Die für das Herz zuständigen Nervenfasern sind im Brustraum angeordnet. Operiert wird an beiden Körperseiten. Dabei wird ein ein Zentimeter langer Hautschnitt nahe der Achsel gemacht, in dem zwischen der zweiten und vierten Rippe die Operationsinstrumente eingeführt werden. Mit Hilfe eines hakenförmigen Instruments wird der Nerv gefasst und mit Strom durchgeschmort. Da der Sympathikus drei Ableitungen zum Herzen hat, wird der Vorgang zwei Mal wiederholt“, erklärt Prof. Függer den etwa einstündigen Eingriff, der mittels Schlüssellochchirurgie in Vollnarkose erfolgt.

Radfahren statt Computer

Vier Monate ist es her, dass die Ärzte Erich Lindlbauer mit der neuen Therapie behandelten. „Ich habe seitdem keine Herzrhythmusstörung gehabt. Langsam beginne ich zu vertrauen, dass die Therapie diesmal tatsächlich hilft“, erzählt er.

Die traumatischen Erlebnisse der vergangenen Monate haben ihn verändert. „Früher habe ich am Computer gespielt. Heute liebe ich Radfahren und ich gehe viel zu Fuß“, erzählt er stolz und hofft, dass sein Herz in Zukunft in Ruhe seine Arbeit verrichten wird.
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