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Ausgabe Nr. 31/2019 vom 30.07.2019, Foto: IV, Mathias Rücker
Micheal Löwy, Alexandra Strickner
Ist das Mercosur-Abkommen ein Fortschritt?
Es soll die größte Freihandelszone der Welt werden. 20 Jahre haben die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) verhandelt, jetzt wurde ein Abkommen vereinbart. Zölle sollen abgebaut und Handelshemmnisse beseitigt werden. Doch der Widerstand gegen den Handelspakt ist groß. Frankreich will zusätzliche Garantien für den Regenwald-Schutz und französische Rinderzüchter. Und auch unsere Bauern wehren sich gegen das Abkommen.
JA: Michael Löwy,
Industriellenvereinigung (IV)

„Produkte heimischer Unternehmen und ihrer Beschäftigten sind auf der ganzen Welt gefragt. Die Exportwirtschaft schafft für 1,7 Millionen Menschen Arbeitsplätze in Österreich. Sie sichern Wohlstand und damit die Errungenschaften des Sozialstaates. Damit diese Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden kann, benötigen heimische Betriebe den bestmöglichen Zugang zu internationalen Märkten und faire Wettbewerbsbedingungen. Argentinien, Brasilien, Paraguay sowie Uruguay bilden die Mercosur-Region und sind ein interessanter Zukunftsmarkt – auch für Österreich. 1.400 heimische Betriebe sind dort aktiv, die Warenexporte beliefen sich 2018 auf knapp eine Milliarde Euro. Die EU wäre weltweit der erste Handelspartner, der mit dieser wichtigen Region ein modernes Abkommen schließt. Das könnte Wachstum und Arbeitsplätze in Europa und Südamerika schaffen. Die konkrete Ausformulierung des noch nicht im Detail ausverhandelten Abkommens muss jedenfalls fair gestaltet werden. Klar ist: Nur internationale Zusammenarbeit kann weltweite Herausforderungen, wie den Klimaschutz, lösen. Handelsverträge stärken diese Kooperation und schaffen faire Regeln.“

NEIN:
Alexandra Strickner,
Attac-Handelsexpertin

„Das EU-Mercosur-Abkommen ist ein Frontalangriff auf Klimaschutz, Artenvielfalt und Menschenrechte. Mehr Rindfleisch- und Sojaimporte in die EU bedeuten mehr Abholzung des Regenwaldes. Die Folge davon ist mehr CO2-Ausstoß, weniger Artenvielfalt und mehr Vertreibungen der indigenen Bevölkerung. Die Gewinner des Abkommens sind europäische Autokonzerne und die südamerikanische Agrarindustrie. Sie würden ihre Exporte steigern können. In der Europäischen Union wiederum würden die kleinbäuerliche Landwirtschaft und hohe Standards bei Lebensmitteln und Tierschutz noch stärker unter die Räder kommen. Auch für Konsumenten ist das Abkommen eine Gefahr. 150 Pestizide, die in Europa verboten sind, sind in Brasilien zugelassen. Chemiekonzerne wie Monsanto oder Bayer exportieren sie nach Südamerika. Ein Teil kommt dann in Form von Lebens- oder Futtermitteln, die auf Gentechnik basieren, wieder zurück nach Europa. Doch noch können wir das Abkommen verhindern.
Alle EU-Regierungen, das europäische und alle nationalen Parlamente müssen noch zustimmen.“
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