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Ausgabe Nr. 29/2019 vom 16.07.2019, Fotos: VB Paznaun Ischgl/Bernard van Dierendonck, zVg
Berglauf-Ass Katharina Zipser startet als Titelverteidigerin beim Silvrettalauf
Katharina Zipsers, 35
„Selbst beim Laufen nehme ich mir Zeit zum Blumenpflücken“
Jenseits der Baumgrenze beim Laufen über Felsen und Schneefelder zündet die Berglauf-Team-Weltmeisterin Katharina Zipser, 35, ihren Turbo. Beim Silvrettalauf 3000 in Ischgl (T) ist die Tiroler Blumenliebhaberin als Titelverteidigerin und Streckenrekordhalterin unterwegs.
Ihre jüngsten Lauftrophäen sind weder aus Gold noch aus Silber. Stattdessen schmücken zu Sträußen gebündelte Glockenblumen oder Margariten Katharina Zipsers, 35, Wohnung in Innsbruck (T), die sie vom Berg mitbringt.

„Beim Laufen muss immer Zeit zum Blumenpflücken bleiben, zumindest beim Training“, lacht sie. „Laufen ist für mich viel mehr als Rennen gegen die Stoppuhr. Wenn ich an Walderdbeeren oder Nüssen vorbeilaufe, nehme ich die auch mit.“

Ob allerdings am Samstag in Ischgl (T) für die Tirolerin mit der Eisenlunge im direkten Duell mit der Konkurrenz Zeit zum Beerensammeln bleiben wird, ist zweifelhaft. Zwar gewann Zipser den Silvrettalauf bereits stolze fünf Mal und geht als Titelverteidigerin und Streckenrekordhalterin ins Rennen, hatte aber zuletzt mit einer Verletzung am Fersenbein zu kämpfen.

„Der Lauf führt von Ischgl über Wiesen, Almen und felsigen Untergrund“, beschreibt sie die abwechslungsreiche Strecke. „Manchmal ist der Boden sumpfig und oft laufen wir über Schneefelder talwärts, was mir am meisten Spaß macht.“ Über die Bodenalpe und das 2.976 Meter hohe Kronenjoch führend, bietet der Bewerb das vielleicht schönste Panorama aller
Bergläufe, mit 42,195 Kilometern ist dabei in etwas mehr als vier Stunden exakt die Marathondistanz bei einem Gesamtanstieg von 1.814 Höhenmetern zu überwinden.

„Ich laufe einfach gerne“, legt Zipser ihre Leidenschaft offen, die im Vorjahr im polnischen Karpacz ihre Karriere mit dem Weltmeistertitel im Team-Berglauf mit ihren Kolleginnen Sandra Koblmüller und Karin Freitag krönte. „Das war ein unglaublich schönes Erlebnis“, erinnert sie sich. Schon zuvor gehörte die Tirolerin seit vielen Jahren zu den Top-Ausdauersportlerinnen des Landes, startete mehrfach bei Welt- und Europameisterschaften im Berglauf und ist eine der besten heimischen Marathonläuferinnen.

Im Jahr 2017 war sie schnellste Österreicherin beim Wien-Marathon und 2018, als sie bei großer Hitze persönliche Bestzeit lief, wurde sie von Bundespräsident Alexander van der Bellen als Teil der Laufelite in der Wiener Hofburg empfangen. „Ich bin mit viel Sport aufgewachsen, kam allerdings spät zum Laufen und absolvierte erst 2011 meinen ersten Bewerb“, erzählt sie. „Bewegung in der Natur ist mir wichtig, mich faszinieren Berge, Täler, Gewässer und die spürbare Ruhe, die mir viel Kraft gibt.“

Für Zipser ist das Laufen über Stock und Stein auch ein willkommener Ausgleich zum Büroalltag, den sie an der Universität Innsbruck als Assistenzprofessorin für Sprachwissenschaft erlebt. Dort hält sie Lehrveranstaltungen zu Themen wie Spracherwerb oder zur Frage, wie und warum sich Sprache im Laufe der Zeit verändert. Mitunter spinnt sie ihre Forschungsgedanken sogar im Kopf weiter, wenn sie die Laufschuhe schnürt. „Ich bin gern alleine am Berg oder auf der Laufstrecke“, gibt sie zu. „Das ist für mich eine Zeit der Ruhe, des Sinnierens und um Gedanken zu Ende zu führen.
Ich hatte schon viele gute Ideen während des Laufens.“

Wenn sie auf der Nordkette oder dem Patscherkofel trainiert, hat Zipser selbstgebackene Energiespender dabei,
für sie die perfekte Möglichkeit, ihre Hobbys Laufen und
Kochen zu kombinieren. „Ich koche leidenschaftlich gerne, Topfenauflauf ist meine Spezialität“, schmunzelt sie, die viel Wert auf gesunde Ernährung legt und fast täglich Nüsse und Beeren isst. Fürs Training macht sie sich gerne Haselnuss-Dinkel- oder Ingwer-Kardamom-Riegel, die leicht zu transportieren sind und die Engergiespeicher auffüllen. „Ich liebe es, wenn die ganze Wohnung beim Backen nach Kuchen und Gewürzen duftet.“ Wolfgang Kreuziger
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