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Ausgabe Nr. 27/2019 vom 02.07.2019, Fotos: Global2000/Stephan Wyckoff, LKÖ/APA/Ludwig Schedl
Helmut Burtscher-Schaden, Josef Moosbrugger
Ist ein Glyphosat-Verbot sinnvoll?
Glyphosat ist das weltweit am meisten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel. Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch verändert wurde, um das Pestizid zu „überleben“. Hierzulande werden damit Äcker vor dem Sprießen der Saat vom Unkraut befreit. Trotzdem ist der Widerstand gegen das Pestizid groß. Die EU hat Glyphosat zuletzt bis 2022 zugelassen. In Amerika ist der deutsche Konzern Bayer in mehreren Glyphosat-Prozessen mit hohen Schadenersatz-Urteilen konfrontiert.
JA: Helmut Burtscher-Schaden,
GLOBAL 2000-Umweltchemiker:

„Ein Glyphosat-Verbot hätte in der EU aufgrund der Eigenschaften des Pestizid-Wirkstoffes erfolgen müssen. Denn eine objektive wissenschaftliche Beurteilung zeigt, der Stoff ist krebserregend in den Tierversuchen. Das hat die Weltgesundheitsbehörde (WHO) festgestellt. Das Argument mit der Bodenerosion kommt immer wieder, ich halte es für vorgeschoben. Die Bio-Landwirtschaft wird auch damit fertig. Trotzdem muss sowohl in der konventionellen als auch in der Bio-Landwirtschaft zum Thema Bodenerosion vieles noch erforscht werden. Ein Glyphosat-Verbot darf aber nicht dazu dienen, dass man mit anderen chemischen Mitteln das gleiche Unheil anrichtet. Ein nationales Glyphosat-Verbot ist meines Erachtens nach durchaus möglich. Frankreich hat erst im Oktober zwei EU-weit zugelassene Wirkstoffe in einem nationalen Alleingang verboten. Und zwar die beiden Neonicotinoide Thiacloprid und Acetamiprid. Sie verfügen seither über keine Zulassung mehr in Frankreich, sind aber in den übrigen 27 EU-Staaten weiter zugelassen. Das Gesetz wurde bereits notifiziert und die Kommission hat keinen Einspruch erhoben.“

NEIN: Josef Moosbrugger,
Landwirtschaftskammer-Präsident:

„Der Wirkstoff Glyphosat ist ein Werkzeug. Richtig eingesetzt, kann ein Werkzeug Nutzen stiften, falsch eingesetzt, kann es schaden. In unserem Land wird dieses Werkzeug ausschließlich dazu verwendet, das Feld für die Saat vorzubereiten, wenn der Winter nicht kalt genug war und die Unkräuter nicht erfroren sind. In Österreich kommt Glyphosat niemals mit dem Erntegut in Berührung, international ist das jedoch Standard. Wer also den Boden schonen will und aufs Pflügen verzichtet, damit ein starker Regen nicht die Erde davonschwemmt und das Bodenleben nicht gestört wird, der braucht diesen Wirkstoff. Denn andere Mittel sind weniger wirksam und müssen mehr und öfter ausgebracht werden. Das ist keine gute Alternative. Wenn Österreich im gemeinsamen Markt einseitig Glyphosat in der Landwirtschaft verbietet, haben die Bauern einen Nachteil gegenüber ihren Konkurrenten in anderen Ländern, die Konsumenten jedoch keinen Vorteil. Denn in den Regalen wird es weiterhin Lebensmittel aus Ländern geben, in denen Glyphosat nicht verboten ist. Ein einseitiges Totalverbot widerspricht dem EU-Recht.“
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