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Ausgabe Nr. 24/2019 vom 11.06.2019, Fotos: Christoph Hütter
Vier Brüder aus der Steiermark dominieren die neue Trendsportart
Der Ball wird kopfüber übers Netz geschmettert. Der Fuß erreicht dabei einen Luft-stand von 2,80 Metern.
Volleyball mit Kopf und Fuß
Wenn auf sandigen Volleyballplätzen gegaberlt und geköpfelt wird, ist das „Footvolley“, eine neue Sportart, die Beachvolleyball und Fußball kombiniert. Kurios, unter den besten fünf Spielern unseres Landes stehen die vier Brüder Hofmann-Wellenhof.
So manchem wurde eine Sportart sprichwörtlich in die Wiege gelegt, bei der Grazer Großfamilie Hofmann-Wellenhof ist das erwiesenermaßen der Fall. „Wir sind als acht Geschwister in Graz Eggenberg in einem Haus mit eigenem Fußballplatz aufgewachsen. Fünf Brüder mit drei Schwestern und alle haben Fußball und Footvolley gespielt“, schmunzelt Benedikt Hofmann-Wellenhof, 34, das älteste Kind.

Er selbst spielt nicht nur aktiv Footvolley, sondern verdient seine Brötchen auch beruflich damit, Turniere dieser Sportart wie jenes vor einer Woche in der Grazer Innenstadt auszurichten und zu vermarkten. Außerdem ist er Obmann des heimischen Footvolley-Verbandes. „Wir haben die Disziplin vor zehn Jahren für uns Brüder entdeckt und seither ist es von einer Juxgeschichte im Freibad zu einer ernstzunehmenden Sparte mit eigenen Vereinen und einem EM-Turnier geworden“, schildert sein Bruder Klemens, 28, der mit Bruder Jakob, 23, nahezu täglich trainiert. Im Februar absolvierte er sogar einen Trainingsaufenthalt an brasilianischen Stränden. Dank ihres von der Copacabana stammenden hochkarätigen Trainers, der „Professor Co-
chinha“ genannt wird, liegt das Duo in der neuen europäischen EM-Serie derzeit mit Platz drei voll auf Medaillenkurs. „In wenigen Tagen gastiert die europäische Liga am Wochenende in Schwäbisch-Gmünd in Deutschland, danach in Portugal“, verrät Student Klemens, der wie Bruder Benedikt Jurist werden möchte. Nikolaus ist Tennistrainer und Jakob visiert den Beruf des Volksschullehrers an.

Ihren Lieblingssport praktizieren die „gaberlnden Sandler“ auf Beachvolleyballplätzen, bei denen das Netz um rund 20 Zentimeter auf 2,20 Meter herabgesetzt wurde. Die Regeln sind ebenfalls ähnlich, der Ball darf von jeder Zweiermannschaft ohne Bodenberührung mit jedem Körperteil außer den Händen drei Mal gespielt werden, bevor er wieder übers Netz befördert wird. Wer den Punkt gewinnt, hat danach Aufschlag, in der Regel wird auf zwei Gewinnsätze zu 18 Punkten gespielt. „In Europa sind Frankreich, Spanien und Portugal an der Spitze, weltweit gesehen gibt es aber an den Brasilianern kein Vorbeikommen“, schmunzelt Klemens Hofmann-Wellenhof. „Die haben Hunderte Spitzenspieler, von denen alle besser sind als jeder Europäer.“ Von den akrobatischsten Könnern der Szene wird der Ball kopfüber in der Luft liegend über das Netz geschmettert, wobei der Fuß oft einen Luftstand von bis zu 2,80 Metern erreicht. „Solche Einlagen, verbunden mit der Partystimmung und dem brasilianischen Lebensgefühl machen Footvolley noch spektakulärer als Beachvolleyball“, glaubt Benedikt.

Alle vier Brüder spielen vereinsmäßig Fußball, das Training findet auch daheim statt. Sie wohnen immer noch im Elternhaus, Trainingspartner sind dort immer verfügbar. Mutter Astrid wollte immer schon viele Kinder und erinnert sich an die Kindheit der Söhne zurück. „Die drei ältesten Söhne waren wie die Katzen und immer zusammen“, erzählt sie. „Die Kinder wollten meist auch keine eigenen Zimmer, sondern schliefen am liebsten zu zweit oder dritt gemeinsam im Bett.“ Die Eltern, von denen Vater Gottfried Mittelschullehrer in Graz ist, haben sogar ein Buch über ihre große Familie geschrieben. Es trägt den Titel „1+1=11“, denn neben den acht Kindern wurde auch ein afrikanischer Flüchtling in die Familie integriert. „Mit dem Werk wollten wir vermitteln, dass eine große Familie Freude bringt“, sagt die Mutter.

Ihre Söhne arbeiten unterdessen emsig daran, sportliche Spuren in der Welt zu hinterlassen. In eineinhalb Wochen macht die neue Sportart in Wien Station, beim Turnier im „Vienna City Beach Club“ an der alten Donau am 22. Juni kann sich jeder für die Qualifikation anmelden. „Wir haben viel Zeit, Energie und Geld hineingesteckt, den Sport zu fördern“, versichert Klemens. „Wenn das, was wir tun, am Ende Bestand hat und Footvolley eines Tages als eigenständiger Sport wahrgenommen wird, haben wir unser Ziel erreicht.“ Kreuziger
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