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Ausgabe Nr. 20/2019 vom 14.05.2019, Foto: Bergrecords
Andrea Berg wurde am 28. Jänner 1966 als Andrea Zellen in Krefeld (D) geboren. Sie ist gelernte Arzthelferin und wurde zu Beginn der 90er Jahre vom Produzenten Eugen Römer entdeckt. Mit seiner Hilfe gelang Berg der Durchbruch als Sängerin, erste Hits waren „Kilimandscharo“ und „Wenn du mich willst, dann küss mich doch“. Berg war von 2002 bis 2004 schon einmal verheiratet, seit 2007 ist sie mit Ulrich Ferber verheiratet. Die beiden leben in Kleinaspach (D), wo sie eine Hotelanlage betreiben.
„Ich erzähle alles dem
Tagebuch“
Sie ist das weibliche Aushängeschild des Deutschen Schlagers. Seit Anfang der 90er Jahre liefert Andrea Berg, 53, Hits ab und begeistert damit das Publikum. Mittlerweile hat sie ihr 17. Studioalbum veröffentlicht. Mit dem Titel „Mosaik“ beschreibt die Künstlerin das bunte und zuweilen unberechenbare Leben. Wobei sie in der Lage sei, sogar im Schlechten noch etwas Gutes
zu finden, wie sie dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth erzählt hat.
Frau Berg, von Schwarzmalerei halten Sie nicht viel, oder?
Nein, es gibt Menschen, die förmlich im Selbstmitleid ersticken. Vor einem Scherbenhaufen zu stehen, ist nicht das Problem, das passiert jedem von uns.

Singen Sie deshalb in Ihrem neuen Lied „Steh auf“ die Zeile „Hör doch auf, die Welt so schwarz zu sehen“?
Ja, weil wir den Mut aufbringen müssen, etwas an der schlechten Situation ändern zu wollen. Dieter Bohlen etwa hat im vergangenen Jahr zu mir gesagt, „Ich habe keinen Bock mehr, im Studio zu arbeiten, ich kann und will das nicht mehr.“ Wir haben nach einem stundenlangen Gespräch über den Sinn des Lebens zwei wunderbare Lieder geschrieben. Eines heißt „Davon geht mein Herz nicht unter“, das andere „Du musst erst fallen“. Ich finde es super, dass er jetzt wieder seine Band zusammenholt, auf Tour geht und darauf pfeift, was die Menschen darüber denken.

Haben Sie Tipps, wie wir eine positivere Haltung zum Leben bekommen?
Zum Beispiel, indem wir ein Tagebuch schreiben. Ich setze mich seit vielen Jahren abends hin und halte fest, welche schönen Erlebnisse ich an dem Tag hatte. Ich schreibe alles auf, egal, ob ich mit dem Uli (ihr Mann Ulrich Ferber) im Wald war oder ob ich mit René (Baumann, DJ Bobo, Co-Songschreiber und Produzent) drei Stunden in Key Largo (US-Staat Florida) mit dem Kanu durch die Mangroven unterwegs bin und plötzlich die erste Seekuh meines Lebens sehe.

Sie waren bei den Seekühen?
Ja, eine Seekuh kam zu uns an den Steg und hat Wasser getrunken. Ich will damit sagen, wir fokussieren uns viel zu sehr auf die Dramen und Katastrophen im Leben. Wir haben verlernt, dankbar zu sein für alles, für den Sonnenschein, für die Liebe, die wir geben und bekommen, und einfach dafür, dass wir in der Früh aufwachen. Dass das nicht selbstverständlich ist, nehmen wir oft erst wahr, wenn wir erfahren, dass jemand gestorben ist, der in unserem Alter war.

Im Text von „Es geht mir gut“ geht es der Protagonistin allerdings überhaupt nicht gut. Sie wird von ihrem Mann verlassen, und das auch noch für eine Frau, die halb so alt ist wie sie selbst.
Ja. Im Grunde ist das eine unglaublich bittere Situation. Aber auch da ist entscheidend, was daraus folgt. Klar, ich bin wütend, eifersüchtig, verliere mein Selbstwertgefühl und würde der Neuen am liebsten, ich entschuldige mich jetzt, eine aufs Maul hauen. Doch was ist ein halbes Jahr später? Ich habe den Mann meines Lebens gefunden, bin glücklich und verliebt wie nie. Ich bin überzeugt, schlechte Zeiten sind wichtig, aber sie gehen vorüber. Und alles hat seinen Sinn.

Tut es besonders weh, wenn die Neue deutlich jünger ist?
Sicherlich, ich kenne das aus dem Bekanntenkreis. Aber das ist halt gang und gäbe. Ich halte es jedoch für einen Trugschluss zu denken, „die Beziehung ist langweilig, ich hole mir eine Neue, die ist 30 Jahre jünger und hat vielleicht einen knackigeren Po, und mit der werde ich nun glücklich.“ Denn auch das Neue nutzt sich ab. Natürlich ist es viel mehr Arbeit, sich mit dem Partner auseinanderzusetzen. Aber unterm Strich ist das, was wir miteinander durchmachen und aushalten, wo wir uns auch finden und gegenseitig vertrauen, viel intensiver und schöner als sogenannte kurze Abenteuer.

Sie sind seit 2007 mit dem Hotelier und Spielerberater Uli Ferber verheiratet. Was tun Sie beide für Ihre Liebe?
Auch wir verlieren uns nach all den Jahren manchmal im Alltag. Dieses etwas sprachlose, selbstverständliche Aneinander-vorbei-leben kennt wahrscheinlich jeder, der in einer langjährigen Beziehung lebt. Das Schöne ist jedoch, wir können gegensteuern, Auszeiten nehmen und dafür sorgen, dass das gemeinsame Leben spannend und schön bleibt. Wir beide sind wirklich angekommen, wir lassen jetzt Dinge einfach los. Und seit die Kinder erwachsen sind, machen wir auch wieder öfter etwas als Mann und Frau, fahren einfach ein paar Tage auf Schiurlaub und nehmen uns Zeit. Sich miteinander zu beschäftigen, zu lachen und zu tanzen, das frischt die Liebe auf.

Sie sind beide erfolgreich und vielbeschäftigt. Können Sie Stress gut ausblenden?
Ja, das können wir. Natürlich wird auch nach Feierabend noch über das Geschäft diskutiert, wir arbeiten ja auch eng zusammen. Aber wir können auch gut einfach einmal nicht Andrea Berg und Uli Ferber sein, sondern den ganzen Sonntagnachmittag mit den Hunden im Wald spazieren. Gerade, wenn ich auf Tour bin, haben wir nicht so viel Zeit zusammen, doch die verbringen wir ganz bewusst miteinander. Und dazu gehört dann auch, dass ich mit ihm zu den Heimspielen der SG Sonnenhof Großaspach oder des VfB Stuttgart gehe und bei Gegentoren sein Händchen halte (lacht).

Und was macht Ihre mittlerweile 20jährige Tochter Lena?
Sie studiert Internationales Management. Sie hat ein halbes Jahr für ihr Studium in Dublin (Irland) gelebt, jetzt ist sie wieder da und hat eine eigene Wohnung in der Nähe von uns. Wir essen fast jeden Abend zusammen. Sie ist eng in den Betrieb involviert und könnte natürlich später bei uns im Hotel einen Posten übernehmen, aber sie muss nicht. Ich möchte, dass mein Kind seine eigenen Wege geht.

Gibt‘s auch hin und wieder einen Mutter-Tochter-Tag?
Nicht nur das, wir beide waren im Vorjahr neun Tage lang auf Safari in Afrika. Wir haben die Tiere beobachtet und sind einmal bei Sonnenuntergang im Ballon über die Serengeti geschwebt. Das war magisch.
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