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Ausgabe Nr. 18/2019 vom 29.04.2019, Fotos: Getty Images, WMG
Josh. mit Album und Bekenntnis
Zehn Lieder hat Josh. in sein Album gepackt. Natürlich auch seinen Hit „Cordula Grün“.
„Ich war schon im Kinder-Garten stets verliebt“
Er macht beste Gute-Laune-Musik. Sein Lied „Cordula Grün“ war unzweifelhaft der Hit auf allen Oktoberfesten des vergangenen Jahres. Und es brachte dem 32jährigen Wiener Johannes Sumpich alias Josh. in der Vorwoche einen „Amadeus“. Er erhielt den Musikpreis unseres Landes in der Kategorie „Lied des Jahres“.
Mag „Cordula Grün“ auch zum Schenkelklopfer geworden sein, ein Lied, das sich bis in die letzten Ritzen der Spaßgesellschaft ausgebreitet hat. Befürchtungen, aus dem Wiener könne ein zweiter DJ Ötzi werden, sind wohl unbegründet. Das beweist Josh. mit seinem Debutalbum „Von Mädchen und Farben“, das am Freitag auf den Markt gekommen ist. Es besitzt jene heiter-melancholische Note, die bereits seinem Hit innewohnt und die ihm zu unerwartetem Ruhm verholfen hat. „Wir haben ein grünes Mons-
ter geschaffen“, sagt Josh., mehr im Scherz freilich als im Ernst. „Ich habe wer weiß wie viele Fotos von irgendwelchen Faschingsumzügen gesehen, auf denen sich Hunderte von Menschen grün verkleidet hatten. Das ist natürlich schon super und für mich positiv“, meint der 32jährige.

Denn zum ersten Mal kann Josh., der seine Nebentätigkeit in der Computerbranche vor Kurzem aufgegeben hat, von seiner Musik leben – und das nicht einmal schlecht. Die Zeile aus „Ich spiel“, „Während andere schon Häuser bauen, baue ich nur weiter Scheiße“, ist also nicht mehr aktuell. „Ich muss mir keine Gedanken mehr machen, wie ich die Miete bezahlen kann, und ich fahre zu Terminen jetzt auch hin und wieder mit dem Taxi“, sagt der Ex-Student, der das Studium der Gesangspädagogik abgebrochen hat und sich vor dem „Cordula“-Paukenschlag jahrelang eher durchwurschteln musste. „Aber um ordentlich Geld auszugeben, hatte ich noch gar keine Zeit.“ Seine einzige Anschaffung sei ein teurer Koffer gewesen, meint der Wiener. „Das gute Stück muss gerade ziemlich viel aushalten, schlägt sich allerdings prächtig.“ Denn wenn sich etwas verändert hat im Leben des Musikers, dann die Häufigkeit, mit der er sich daheim aufhält. „Sie geht in den vergangenen Monaten gegen Null“.

Zu seinem Glück waren die meisten Lieder des „Von Mädchen und Farben“-Albums schon fertig, als die „Cordula“-Mania ausbrach. „Deshalb war der Druck nicht so groß, wie er hätte sein können.“

Auf seinem ersten Album, der Titel deutet es an, steht die Romantik klar im Mittelpunkt. Dass es mit den Mädchen einmal mehr, einmal weniger gut läuft (auch mit Cordula fängt der Protagonist was an, findet jedoch heraus, dass sie verheiratet ist), ist das Josh.-Prinzip. „Ich bin ein bisschen der charmante Prinz, der es nicht ganz hinbekommt“, beschreibt sich der Musiker selbst. Daher reitet er auch nicht auf dem Schimmel durchs Video seiner neuen Single „Vielleicht“, sondern zieht den duldsamen Lipizzaner neben sich her. „Schon in der Schule, das gebe ich ehrlich zu, war ich nie das Mauerblümchen. Ich bin oft genug gelandet.“ Josh. galt bereits in der Jugend als Herzensbrecher, erst recht, als er in der Schulband Gitarre spielte und sang.

„Aber ich war kein wahlloser Aufreißer. Ich habe keine zehn Frauen angequatscht, und eine ging mit, sondern es gab die eine, und ich tat alles dafür, dass ich sie bekomme.“

Seine Bemühungen, beim anderen Geschlecht landen zu können, habe er früh begonnen, erinnert sich der Musiker. „Schon im Kindergarten war ich ständig verliebt“. So ist etwa „Dorothea von früher“ eine halbautobiographische Geschichte vom Kreta-Urlaub („Wir waren 14, ich wollte eigentlich deine Schwester“) und „Viertel drei“ ein Lied über die Liebe zu dritt. „Habe ich selbst noch nicht erlebt, aber emotional kann ich es nachvollziehen.“

Dass der Albumtitel wie eine Verbeugung vor der deutschen Band „Element Of Crime“ wirkt, ist übrigens volle Absicht. Schließlich erinnert ja auch manch ein Song von Josh. an die Berliner, allerdings ist das Tempo beim Wiener höher, richtig balladenartig wird er nur einmal, im traurig liebesbekümmerten „Melodie verlorn“. „Ich liebe ‚Element Of Crime‘“, sagt er. Diese starke Zuneigung sei familiär bedingt, sein Vater habe alle Platten von Sven Regener und den Kollegen daheim. „Als Kind dachte ich, ‚Was für ein Blödsinn.‘ Doch ungefähr mit 16, 17 Jahren habe ich fast nichts anderes mehr gehört. Die Art und Weise, wie wunderbar romantisch, aber nie kitschig Sven Regener schreibt, gehört definitiv zu den Punkten, die mich in der deutschsprachigen Musik am stärksten beeinflusst haben.“

Ohne Zweifel: Auf Dauer sind Sumpichs Kompositionen und Text-Kreationen zu klug, zu komplex und zu wortgewitzt für das ganz große Besäufnis. Seine besondere Stärke ist die Ehrlichkeit mit sich selbst, und damit auch stellvertretend mit der männlichen Gattung als solcher. Wer immer schon wissen wollte, wie Männer denken und fühlen, der ist nach dieser Platte um einiges klüger. Steffen Rüth
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