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Ausgabe Nr. 15/2019 vom 09.04.2019, Foto: picturedesk.com
Peter Klien wurde 1970 in Hollabrunn (NÖ) geboren und wuchs in Wien auf. Nach seinem Studium (Philosophie, Altgriechisch) war er Lektor an der Universität Wien. Er arbeitete 25 Jahre lang im Bibliothekswesen. 2016 nahm er seine Tätigkeit als Satire-Außenreporter für die Fernseh-Sendung „Willkommen Österreich“ mit Christoph Grissemann und Dirk Stermann auf. Im Herbst 2019 erhält er auf ORF eins eine eigene „Late-Night“-Show mit dem Titel „Gute Nacht Österreich“. Kabarett-Termine unter www.peterklien.at.
„Ich behandle alle gleich schlecht“
Das Publikum lacht über seinen Witz und seinen Charme. Die Politiker fürchten ihn. Peter Klien streut als Satire-Reporter mit seinen ungeschminkten und unangenehmen Fragen genüsslich Salz in offene Wunden. Vor seinem Mikrofon bleiben sogar die geübtesten Vielredner „schmähstad“. Im Herbst bekommt er eine eigene „Late-Night“-Show
Herr Klien, sagen Sie endlich die Wahrheit, Sie heißen gar nicht Peter Klien, sondern Peter Klein. Ist Klien Ihr Künstlername?
Stimmt leider nicht. Mein Großvater stammt aus Vorarlberg, wo der Name „Klien“ nicht so ungewöhnlich ist. Im alemannischen Dialekt heißt „klien“ aber tatsächlich „klein“.

Einen Namen haben Sie sich jedenfalls als „goscherter“ Fernsehreporter gemacht. Worin sehen Sie Ihren Auftrag?
Ich treibe den Reporter als Satire-Figur durch die Politik und setze mich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander, die gerade in den Schlagzeilen sind. Das mache ich unbedingt frech, ohne mir ein Blatt vor den Mund zu nehmen und frei von der Leber weg.

Haben Sie schon viele Abfuhren von unseren Politikern erhalten?
Nein, gar nicht. Einzig bei unserem Bundeskanzler Kurz hat es etwas länger gedauert, ihn vor das Mikrofon zu bekommen. Aus dem einfachen Grund, weil die Medienarbeit seiner Partei ganz darauf ausgerichtet ist, Sebastian Kurz stets im besten Licht erscheinen zu lassen. Beim diesjährigen Opernball hat es letztendlich doch mit einem Kanzler-Interview geklappt. Ich fragte ihn, ob er nur deshalb bei Donald Trump war, weil er sich unbedingt mit einem Behinderten fotografieren lassen wollte.

Wie hat er reagiert?
Er meinte, ich sei ganz schön „goschert“, aber Gott sei Dank würden in den Vereinigten Staaten nicht so viele Menschen die ORF-Programme schauen.

Fühlte sich durch Ihre Fragen schon jemand tief gekränkt oder beleidigt?
Eva Glawischnig, die frühere Grünen-Chefin, ist richtig böse geworden, als ich sie fragte, ob denn nicht alles anders gekommen wäre, wenn sie ihren ehemaligen Schulkollegen Herbert Kickl, unseren jetzigen Innenminister, geküsst hätte. Erwin Pröll, den ehemaligen niederösterreichischen Landeshauptmann, habe ich ziemlich aus der Fassung gebracht, weil ich von ihm wissen wollte, ob für ihn die Bürgernähe oder die Bürgerinnennähe wichtiger war. Der Abgeordnete Robert Lugar war angefressen, weil ich ihm mit dem Mikrofon bis zum Klo hinterlief.

Darf sich die Satire alles erlauben?
Inhaltlich ganz sicher, da Satire mit Meinungsfreiheit gleichzusetzen ist. Eine Grenze ist für mich das Strafrecht. Nur weil ich es lustig finde, kann ich nicht mit dem Messer auf jemanden losgehen und zustechen. Mit meinen Fragen möchte ich die Politiker ja nicht ärgern, sondern nur den Finger in eine Wunde legen.

Sollen Ihre Gesprächspartner bestenfalls doch noch lachen können?
Gute Frage, aber das hängt ganz davon ab, ob und wie viel Humor sie haben. Die meisten Menschen, mit denen ich nicht zimperlich bin, gehen locker mit meinen harten Fragen um. Mir ist es wichtig, alle politischen Parteien gleich zu behandeln, und zwar gleich schlecht.

Was tun Sie mit den Politikern, die auf alle Antworten die immer gleichen Phrasen parat haben?
Die sind allerdings nur schwer zu knacken. Da sage ich halt, ob er etwas anderes als Floskeln weiß und frage ihn, welche Socken er anhat. Passt ein Politiker einmal kurz nicht auf, was er sagt, steht er für Jahre nackert da. Und davor hat jeder Politiker Angst.

Haben Sie Vorbilder?
Aus dem deutschsprachigen Raum sicher Harald Schmidt. Er ist für mich ein Gott, ich bewundere ihn. Ich hatte vor Kurzem die Gelegenheit, mit ihm zu frühstücken. Es waren zwei großartige Stunden, in denen ich wie ein kleiner Student vieles von dem niederschrieb, was er sagte.

Reizt es Sie, einen unserer Fußballer vor Ihr Mikrofon zu bekommen?
Oh ja, ich liebe Fußball, spiele selbst, allerdings nicht mehr so gut wie früher. Ich wollte schon einmal als Reporter zu einem Ländermatch. Aber der ÖFB ist da ziemlich humorlos und voller Angst, die Fußballer könnten bloßgestellt werden. Marko Arnautovic wäre sicher interessant. Wenn er sagt, seine Anhänger beim englischen Klub West Ham wären nur deshalb so böse zu ihm, weil sie ihn im Herzen lieben, klingt das doch hochphilosophisch? Marko denkt sicher viel nach (lacht).

Was erlebten Sie bei Ihrem großen Reporter-Einsatz beim EU-Gipfel?
Ich versuchte, mit den Staats- und Regierungschefs auf ein Foto zu kommen. Das war ein spontaner Einfall und aufregend, da ist mir das Adrenalin durch die Schädeldecke geschossen. Die Sicherheitsbeamten hätten mich niederschlagen können, überall standen die Scharfschützen. Dann fand ich dieses Abzeichen auf dem roten Teppich, das offensichtlich jemand verloren hatte. Damit schaffte ich es immerhin durch die Sicherheitszone. Erst dann wurde ich abgeführt.

Es scheint Trend zu sein, dass Komiker in die Politik gehen, wie derzeit in der Ukraine. Klien als Bundespräsident, wär’ das was?
Ich hätte gute Chancen, bei der Wahl fünf Prozent der Stimmen zu schaffen. Aber als Reporter kriege ich mit, wie Politik im Nahkampf funktioniert und wie mühsam es ist, dort etwas weiterzubringen, wie es auf gut Wienerisch heißt. Der Kampf fängt ja schon mit den Gegnern in der eigenen Partei an. Diese Machtspielchen interessieren mich gar nicht.

Sie bleiben also lieber der „goscherte“ Reporter, der ab und zu dichtet. Fällt Ihnen spontan ein Gedicht ein?
(überlegt etwa eine Minute) Vorbei der März, jetzt gibt es Scherz, denn im April lachen wir viel.
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