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Ausgabe Nr. 14/2019 vom 02.04.2019, Fotos: Rupert Gansterer
Am 7. April öffnet das Eisenbahnmuseum in Strasshof seine Pforten
Museumskurator Rupert Gansterer auf einer der 80 historischen Loks.
Volldampf voraus
„Andampfen“ lautet am 7. April das Motto der Saisoneröffnung des Eisenbahnmuseums in Strasshof (NÖ). Dort warten nicht nur etwa 350 historische Schienenfahrzeuge darauf, bewundert zu werden. Besucher können mit dem legendären „Blauen Blitz“ zum Museum fahren.
Es kann viele Gründe geben, auf dem etwa 16 Hektar großen Areal der ehemaligen Zugförderungsstelle der ÖBB in Strasshof (NÖ) feuchte Augen zu bekommen. Altmetallhändler etwa, wegen der Tausenden von Tonnen Eisen und Stahl, die hier lagern und einen Wert an sich darstellen. Doch die meisten Besucher kommen, weil sich hier das Eisen in der für sie wohl schönsten Form präsentiert – in Gestalt von historischen Lokomotiven und Waggons.

Dieser historische Wert liegt jenseits dessen, was für das Kilo Alteisen gezahlt wird. Den zu beziffern, ist kaum möglich, Rupert Gansterer findet aber passende Worte, ohne eine Zahl zu nennen. „Nach England haben wir hier wohl eine der weltweit wertvollsten Sammlungen zur Eisenbahngeschichte“, sagt der Kurator des Eisenbahnmuseums Strasshof stolz. Etwa 350 Fahrzeuge, davon 80 Loks, dazu noch eine Sammlung mit 5.000 Fahrkarten, ein Fotoarchiv, Signale, Stellwerke und eine Garteneisenbahn gibt es in Strasshof zu bewundern. Wer hier auf Entdeckungsreise geht, wird an einem Tag gar nicht fertig.

Die älteste Schnellzugdampflok unseres Landes mit der schlichten Modellbezeichnung 372 ist nicht nur anzusehen, sondern auch zu befahren. „Die mehr als 40 Tonnen schwere Lok erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h“, sagt der Museumskurator und zeigt das riesige schwarze Metallmonster, das sich im ehemaligen Heizhaus auf dem Gelände befindet und das nicht nur bei Kindern große Kulleraugen hervorruft, wenn sich die 372er am 7. April zum „Andampfen“, wie die Saisoneröffnung des Eisenbahnmuseums genannt wird, fauchend und zischend in Bewegung setzt. „Natürlich darf auch am Führerstand mitgefahren werden.“

Wer will, kann zum Andampfen nach Strasshof schon passend anreisen. Dazu wird der sonst auch im Eisenbahnmuseum zu besichtigende „Blaue Blitz“ aus dem Jahr 1954 reaktiviert. Eingesetzt wurde die von Simmering-
Graz-Pauker als 5145 gebaute Schnellzug-Dieseltriebwagen-Garnitur in erster Linie zwischen Wien und Venedig sowie auf der Strecke Wien–Prag–Berlin. „Wegen seiner Farbe und der für damalige Verhältnisse beachtlichen Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h wurde er im Volksmund als ‚Blauer Blitz‘ bezeichnet“, weiß Gansterer. Auf den knapp 15 Kilometern von der Wiener Stadtgrenze bis Strasshof wird zwar nicht die Höchstgeschwindigkeit erreicht, aber das ist bei einer Fahrt in einem nostalgischen Zug auch nicht notwendig. „Der Weg ist das Ziel“, schmunzelt Gansterer. Der Weg beginnt dabei um 9.15 Uhr am Praterstern und führt über Zusteigemöglichkeiten in Floridsdorf und Leopoldau um 9.50 Uhr nach Strasshof. Für Eisenbahnfreunde, die am Sonntag lieber etwas länger schlafen, fährt der „Blaue Blitz“ noch ein zweites Mal diese Strecke ab 14.15 Uhr. Der Fahrpreis beträgt 25 Euro (Kinder zahlen die Hälfte) und beinhaltet auch den Eintritt in das Eisenbahnmuseum.

Dort wird großen und kleinen Bahnenthusiasten Eisenbahngeschichte zum Anfassen präsentiert, wie etwa der Salonwagen von Bundespräsident Franz Jonas aus dem Jahr 1966. „Der Waggon wurde im Jahr 1995 unter Präsident Thomas Klestil eingemottet und danach von den ÖBB für Erlebniszüge benutzt“, weiß Gansterer. „Er wurde damals neu lackiert, aber der Lack ist großflächig abgeplatzt. Das waren insgesamt 17 Schichten, die sich untereinander nicht vertragen haben“, erzählt der Kurator. Das Team des Eisenbahnmuseums hat das unter Denkmalschutz stehende Fahrzeug händisch komplett entrostet und wieder im Originalgrün lackiert, samt authentischer Beschriftung.

„Ohne unsere Mitglieder würde das Museum auch gar nicht funktionieren. Wir bekommen keine Subventionen vom Bund oder den ÖBB. Lediglich das Land Niederösterreich unterstützt uns“, sagt Gansterer. So bezahlen die etwa 500 Mitglieder einen Jahresbeitrag von 50 Euro. „Mehr als 100 Personen arbeiten auch aktiv in verschiedenen Arbeitsgruppen an der Restaurierung der Züge mit.“ Sie haben nicht nur die Genugtuung, ein Stück der Eisenbahngeschichte unseres Landes zu erhalten, das Museum bietet auch etwas. „Wer will, kann bei uns die Ausbildung zum Kesselwärter machen. Mit den dafür notwendigen Verwendungszeiten, damit die Prüfung am Wifi abgelegt werden kann“, sagt der 53jährige. Was auch für das Museum wieder einen Nutzen hat, denn das Wissen um die Funktion und Sicherheit von Dampfkesselanlagen ist bei der Reparatur von Dampflokomotiven kein Schaden. Und vielleicht macht es ja der eine oder andere Besucher wie Gansterer. „Ich bin im Jahr 1985 als junger Besucher gekommen. Und war dann so fasziniert, dass ich als Mitglied gegangen bin“, lacht der 53jährige.
Armin Walter
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