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Ausgabe Nr. 14/2019 vom 02.04.2019, Foto: Somnoscreen/zvg
Heimgeräte helfen, Schlafstörungen in gewohnter Umgebung aufzuspüren
Das Schlaflabor auf der Brust
Schnarchen kann nur lästig sein oder Symptom einer Schlaferkrankung, mit schweren Gesundheitsrisiken wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Mit Hilfe eines mobilen Schlaflabors für Zuhause ist es möglich, einer Schlafstörung auf die Spur zu kommen und Betroffenen wieder zu einem erholsamen Schlaf zu verhelfen.
Es wird belächelt, mit den kuriosesten Hilfsmittelchen bekämpft, aber selten als ernste Gefahr für die Gesundheit gesehen. Schnarchen ist so etwas wie das „Kavaliersdelikt“ unter den Schlafstörungen.

Tatsächlich „sägt“ sich jeder zweite Mann und jede dritte Frau ab 50 Jahren durch die Nacht, ergab eine Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung. Damit ist das Schnarchen die häufigste Schlafstörung und kann dazu gefährlich sein, wie Dr. Oliver Ortner, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in St. Pölten (NÖ, www.hnogruppenpraxis.at, Tel.: 02742/354322-0) betont. Denn die sogenannte Schlaf-Apnoe, also Schnarchen mit Atemaussetzern, führt unbehandelt zu hohem Blutdruck, Herz-Rhythmus-Störungen und zwangsläufig zu einer Müdigkeit, die das (tödliche) Unfallrisiko drastisch in die Höhe schnellen lässt. Josef Hoza, Obmann der Selbsthilfegruppe Schlaf-Apnoe Österreich, kennt die Zahlen der Betroffenen. „Nach neuesten Studien sind von der leichten, mittleren und schweren Schlaf-Apnoe 59 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen zwischen 20 und 81 Jahren betroffen.“

Ohne guten Schlaf werden wir krank

Wer längere Zeit nicht gut schläft, leidet trotz ausreichender Schlafdauer bald an Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen und einer schlechten Konzentration. „Solche Symptome sollten, wenn sie länger als zwei Monate anhalten, zum HNO-Arzt führen. Dahinter kann eine gefährliche Schlafkrankheit stecken, die wir als obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom bezeichnen. Werden Betroffene nicht behandelt, drohen Depressionen, Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall“, warnt der HNO-Arzt. Um Schlafstörungen und Schlaferkrankungen auf den Grund zu gehen, werden Betroffene gerne in ein Schlaflabor gebeten. Für viele Patienten ist das jedoch unangenehm. Der Zeitaufwand und der Umstand, nicht zu Hause schlafen zu können, schreckt sie ab und sie nehmen den schlechten Schlaf und dessen Auswirkungen lieber in Kauf, als sich untersuchen zu lassen.

Ein Handteller-großes Gerät deckt auf

Dank der modernen Medizintechnik stehen Ärzten und Patienten nun auch mobile Schlaflabore zur Verfügung. „Der Vorteil ist, die Patienten schlafen in ihrer gewohnten Umgebung und sie tragen das kleine Gerät nur eine Nacht“, erklärt Dr. Ortner. Klein ist es in der Tat, das mobile Schlaflabor. In zirka 14 mal acht Zentimeter großen und 200 Gramm leichten Kästchen steckt jede Menge Elektronik, die wichtige Daten sammelt, während der Mensch schläft. „Das Gerät zeichnet neben den Atemgeräuschen wie Schnarchen die Atemfrequenz auf, misst über einen Fingersensor schmerzfrei den Sauerstoff im Blut und merkt sich, wann sich der Schlafende in welcher Lage befindet. Es misst die Nasenatmung und überwacht die Brust- und Bauchatmung. Nur die Videometrie, also die Überwachung mittels Videokamera wie im stationären Labor fehlt. Alle Daten werden im Gerät gespeichert und am nächsten Tag vom HNO-Arzt in zehn Minuten ausgewertet.“

Auch für unruhige Schläfer geeignet

Trotz raffinierter Technik ist die Handhabe des mobilen Schlaflabors für den Patienten einfach. „Das Gerät wird bereits in der Ordination programmiert. Daten wie Körpergröße und Körpergewicht werden eingegeben, ebenso die Schlafzeit. Breite, hautfreundliche, elastische und mit einem Klipp-Verschluss versehene Bänder halten es auf der Höhe des Brustkorbes fest. Die Einschulung in der Ordination dazu dauert keine Minute“, erzählt Dr. Ortner und versichert, dass nur Bauchschläfer das Gerät ein wenig als störend empfinden könnten. „Für die meisten ist es aber kein Problem. Und im Schlaf geht das Gerät nicht ‚verloren‘, auch nicht bei unruhigen Schläfern.“

Das nach einer Nacht erstellte individuelle Schlafprofil aus dem mobilen Schlaflabor hält für den Arzt zahlreiche Informationen bereit. Er erfährt, ob es sich nur um eine Schlafstörung im Sinne des reinen Schnarchens handelt oder bereits eine leichte, mittel- oder hochgradige Schlaferkrankung besteht. Zusammen mit weiteren Befunden des HNO-Arztes und eventuell des Lungenarztes kann, falls notwendig, eine Therapie erstellt werden. Darüber hinaus ist es möglich, dass das mobile Schlaflabor indirekt Hinweise liefert für andere Schlafstörungen wie zum Beispiel das Restless-Legs-Syndrom oder psychische Probleme.

Therapien, die wieder schlafen lassen

Ausschlussgründe für das Anwenden eines mobilen Schlaflabors gibt es nicht. Auch ein implantierter Herzschrittmacher steht dieser Form von Untersuchung nicht im Weg.

„Sollte die Auswertung der Daten ergeben, dass Atem-
aussetzer während des Schlafes die erholsame Nachtruhe stören, kann dem Betroffenen geholfen werden. In schweren Fällen ist das eine Maske, die der Patient nachts trägt. Sie wird individuell bei einem zweiten Termin in einem Schlaflabor angepasst. Der Patient erhält über diese Nasen- oder Mundmaske Luft mit geringem Überdruck. Dank dieses Luftstromes bleiben die Atemwege offen und die Betroffenen können während des Schlafens wieder frei atmen. Leichtere Formen der Schlaf-Apnoe können durch andere Maßnahmen, wie eine medikamentöse Therapie, ein Lagerungstraining zur Vermeidung der Rückenlage, Gewichtsabnahme, Sicherung einer freien Nasenatmung durch Klammern, Operation und Schnarchschienen behandelt werden. In jedem Fall gibt es gute Chancen, dass das Schlafen für den Betroffenen und, nicht zu vergessen, die Partnerin oder den Partner, wieder erholsam wird.“
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