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Ausgabe Nr. 13/2019 vom 26.03.2019, Fotos: Imago, Getty Imgages
Stefanie Heinzmann
Heinzmann geht Ende des Jahres auf Tournee. Am 26. November tritt sie im WUK in Wien auf
„Laut bin ich nur auf der Bühne“
Das Gesamtpaket „Stefanie Heinzmann“ erstrahlt elf Jahre nach dem Durchbruch beim Talentewettbewerb der damals gerade volljährigen Schweizerin in ausgesprochen hellem Licht. Die dominierenden Farben auf ihrem fünften Album „All we need is love“ sind Gelb und Orange, das Haar trägt sie neuerdings fast weiß. Passend dazu setzt Heinzmann wie immer auf kraftvoll gesungene und zuversichtliche Lieder, in denen es um Aufbrüche, Neuanfänge, Tapferkeit und um die Liebe geht. Musikalisch wagt sich die 30jährige noch weiter in Richtung moderner Popmusik, auch international braucht sie sich mit diesen, zuweilen an Katy Perry erinnernden, Liedern nicht verstecken. Über ihre Musik und wo sie zwischendurch ihre Ruhe findet, erzählte die Sängerin dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth.
Frau Heinzmann, Sie wurden am 10. März 30 Jahre alt – haben Sie ausgiebig gefeiert?
Nein, ich bin generell keine Partymaus. Meine Geburtstage habe ich noch nie groß gefeiert, seit ich dem Kindesalter entwachsen bin. Ich hatte frei, war daheim im Wallis (ein Kanton in der Schweiz) und habe mich einfach mit lieben Menschen auf den Berg gesetzt.

Sie tragen die Haare neuerdings in einem Grauton. Zur Vorbereitung?
(lacht) Die Farbe habe ich seit zwei Jahren. Es ist schon lustig, wie heftig die Menschen auf die Haare reagieren. Ich weiß selbst nicht: Sind sie weiß, sind sie blond? Sind sie gräulich? Einer meiner besten Freunde ist Friseur, er wollte das unbedingt an mir ausprobieren. Ich fand das erst blöd, aber inzwischen mag ich die Farbe wirklich gern.

Auf Ihrem neuen Album „All we need ist love“ spielt das Thema Heimat eine große Rolle, warum?
Das Zuhause und meine Familie waren mir immer schon wichtig. Ich lebe immer noch im Wallis, wo ich geboren wurde, ich will hier auch nicht weg. Ich wohne im Haus meiner Oma, die schon lange tot ist, und genieße es, hier meine Ruhe zu haben.

Was machen Sie, wenn Sie Ihre Ruhe haben?
Gerne gar nichts. Oder ich denke nach.

Worüber?
Zum Beispiel über mein Leben. Seit ich mit 18 Jahren diese Talente-Show mit Stefan Raab gewonnen hatte, war ich rastlos unterwegs. Mit Anfang 20 kannst du ewig durchhalten. Aber mit 27, 28 Jahren merkte ich, wie wahnsinnig müde ich plötzlich war. Ich habe vieles hinterfragt und begriffen, dass ich mir zu wenig Zeit für mein Privatleben genommen hatte. Ich habe meine Freunde so oft vernachlässigt und versetzt, und ich kam oft nur zum Schlafen und Kofferpacken nach Hause.

Woran haben Sie gemerkt, dass es so nicht weiterging?
Ich wurde ohne Grund grantig, richtig dünnhäutig. Ich habe mich selbst fast nicht mehr wiedererkannt. Also habe ich mir eine lange Auszeit genommen und mir Gedanken darüber gemacht, was wäre, wenn ich aufhöre zu singen.

Was hätten Sie gemacht?
Ich wäre Tischlerin oder Hebamme. Ich liebe Holz und arbeite gern mit den Händen. Und Hebamme finde ich einfach einen unheimlich vielseitigen, verantwortungsvollen und wunderschönen Beruf.

Steckten Sie in den vergangenen zwei, drei Jahren in einer Sinnkrise?
Ich glaube schon, dass das eine Sinnkrise war. Mit 18 bin ich in diesen Beruf praktisch hineingefallen. Ich habe nie hinterfragt, ob ich eigentlich in der Öffentlichkeit stehen will. Ich bin gar nicht so gestrickt, dass ich viel Aufmerksamkeit brauche.

Aber wenn Sie auf der Bühne stehen, gehen Sie schon aus sich heraus?
Ja, das ist wirklich lustig. Und ein großes Missverständnis. Mir macht es viel Spaß, auf der Bühne laut zu sein, zu schreien und zu tanzen, aber meine eigentlichen Hobbys sind Wandern und Lesen. Ich bin ein ruhiger Mensch, das glaubt mir nur keiner (lacht).

Ihr neues Album steckt voller Lebensmut und Optimismus. Ist die gute Laune, die ja schon im Titel „All we need is love“ steckt, eine bewusste Botschaft?
Der rote Faden ist, dass ich mich neu ins Leben verliebe. Ich sage, „Macht die Augen auf und nehmt bewusst wahr, wie wunderschön die Welt um euch herum ist.“ Wir leben in einer Gesellschaft voller Unsicherheiten und voller Ängste. Ich habe mir vorgenommen, ganz viel Liebe auf diese Welt zu bringen und jedem Menschen zu sagen, dass er großartig ist, so wie er ist.

Das Lied „Shadows“ soll nach einem Meditationskurs entstanden sein. Was haben Sie da genau gemacht?
Meine Freundin macht chinesische Medizin und Akupunktur. Ich habe bei ihr an einem achtwöchigen Kurs teilgenommen, das war äußerst spannend und lehrreich. Ich versuche ja schon seit vielen Jahren, regelmäßig zu meditieren. Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, um einfach nur zu atmen. „Shadows“ ist ein Lied über die unnötigen Dramen im Leben.

Haben Sie beim Meditieren Rituale?
Wenn ich in einem Raum mit vielen Menschen bin und spüre, dass mir unwohl wird, packe ich mich in meinen Gedanken in ein riesiges goldenes Ei. Dann kann mir niemand etwas anhaben.
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