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Ausgabe Nr. 6/2019 vom 05.02.2019, Foto: Schneider-Press/Erwin Schneider
Schauspielerin Proschat Madani
„Meine Tochter ist die Lehrmeisterin meines Lebens“
Ein strenges Regiment führt sie als Chefin einer Wetterredaktion in der Fernsehserie „Walking on Sunshine“ (montags, 20.15 Uhr, ORFeins). „Nach dem Regen kommt die Sonne“, lässt der Wetterbericht oft hoffen. Das berühmte „Hoch“ nach dem „Tief“ erlebte die Schauspielerin Proschat Madani, 51, auch im wahren Leben, in der Beziehung zu ihrer Tochter Sonja, 25.
Als dominante Chefin einer Fernseh-Wetterredaktion hält sie derzeit ihre Mitarbeiter auf Trab. Proschat Madani, 51, führt in der Fernsehserie „Walking on Sunshine“ (montags, 20.15 Uhr, ORFeins) als Abteilungsleiterin Tilia Konstantin ein strenges Regiment. Auch in einer anderen Rolle ist mit ihr nicht gut Kirschen essen. In der Serie „Vorstadtweiber“ mimt Madani die intrigante, wenn nötig, über Leichen gehende Anwältin Tina. Beide Charaktere beschreibt die Schauspielerin als „komplett gegensätzlich“ zu ihrem eigenen. „Mein Glück ist davon abhängig, dass es allen anderen, die ich liebe, gut geht. Aber wahrscheinlich macht es mir gerade deshalb Spaß, diese Rollen zu spielen.“

Geboren wurde Proschat Madani am 11. September 1967 in Täbris, der Hauptstadt von Ost-Aserbaidschan im Iran. So steht es zumindest in ihrem österreichischen Pass. „Aber der lügt“, stellt Madani klar. Denn ihr tatsächliches Geburtsdatum sei der 11. Oktober 1967. „Der Übersetzer meiner Geburtsurkunde vom Persischen ins Deutsche hat sich um einen Monat verrechnet – von der islamischen in die christliche Zeitrechnung.“

Und weil der Übersetzer auch noch das „s“ in ihrem Vornamen unterschlagen hat, steht im Pass „Prochat Madani“. Um eine Richtigstellung hat sie sich nie bemüht. „So sind wir, wir Perser, wir haben es nicht so mit Zahlen und Fakten.“

Als Proschat Madani, das jüngste der vier Kinder von Elmira Madani, zwei Jahre alt war, verließ ihre Mutter mit den Kindern den Iran. Ihr Vater, ein Arzt, wollte seiner Familie ins Exil folgen, was aber nie passierte. Die Madanis landeten in der Alpenrepublik, weil sie hier eine Aufenthaltsgenehmigung bekamen. Vor der iranischen Revolution, die 1979 zur Absetzung von Schah Mohammad Reza Pahlavi führte und unter Ajatollah Chomeini in der Errichtung eines islamischen Gottesstaates gipfelte, bekam Madanis Mutter noch Geld vom im Iran gebliebenen Vater. Nach 1979 war damit Schluss. Elmira Madani musste neu anfangen. Sie schaffte es, einen Kredit zu bekommen und finanzierte damit eine Pension mit sechs Zimmern, die die mittlerweile 80jährige bis vor Kurzem noch selbst führte.

Als die kleine Proschat in Wien in die Schule kam, konnte sie kein Wort Deutsch. Sie sprach nur Farsi (Persisch). „Am Ende der Volksschule sprach ich fließend Deutsch, konnte aber kein Farsi mehr. Da ich so werden wollte wie die anderen Kinder, dachte ich mir, ich müsse das Persische verlernen. Dafür habe ich den Wiener Schmäh schnell erlernt“, erzählt die Künstlerin.

Nach der Schauspielschule führten sie ihre ersten Engagements an das Tiroler Landestheater, das Grazer Schauspielhaus sowie das Volkstheater und das Theater in der Josefstadt in Wien.

Gegen Ende der 1990er Jahre begann mit dem Kultfilm „Indien“ Madanis Film- und Fernsehkarriere. Sie spielte in „Salami Aleikum“ mit Michael Niavarani. Im Jahr 2013 war sie in „Bad Fucking“ und 2014 in der Verwechslungskomödie „Die Mamba“ im Kino zu sehen.

Im Sommer 1993 musste Proschat Madani ihre Rolle in einem Theaterstück absagen, weil sie hochschwanger war. Sonja, ihre inzwischen 25jährige Tochter, erinnert sich in dem Buch „Die Mutter, die ich sein wollte, die Tochter, die ich bin“ von Birgit Fenderl und Anneliese Rohrer an die komplizierte Liebesgeschichte ihrer Eltern: „Die Mami hat anfangs meinem Vater nicht gesagt, dass er mein Vater ist. Irgendwann hat sie gefunden, sie könne nicht für mich und meinen Vater entscheiden, ob wir Kontakt miteinander haben. Als Kleinkind habe ich ihn regelmäßig gesehen.“

Und die Frau ihres Vaters nahm die kleine Sonja, das Kind der Liebesgeschichte ihres Mannes, in ihrer eigenen Familie auf. Das Kind könne ja nichts dafür, soll sie gesagt und eine von Sonja und ihrer Mutter Proschat bewunderte Rolle übernommen haben. Über die Jahre wurden die Ehefrau und die ehemalige Geliebte, die ein Kind bekommen hat, sogar so etwas wie Freundinnen.

Proschat Madani konnte ihrer Sonja nicht die „klassische Familie“ bieten. Großmutter Elmira nahm ihrer Tochter Proschat viel ab, damit sie ihre Karriere nicht aufgeben musste. Eine Zeit, die für Madani alles andere als leicht war. Und dann noch der Familienentschluss, die 13jährige Tochter, die in der Schule immer schlechter wurde, auf ein Internat in Schottland zu schicken.

Im Nachhinein wissen sowohl Mutter als auch Tochter, dass es das Beste für alle Beteiligten war. Obwohl es widersprüchlich klingt, brachte die räumliche Entfernung Mutter und Tochter näher. Heute sagt Proschat Madani: „Sonja ist die größte Lehrmeisterin meines Lebens. Ich liebe sie nicht nur, weil sie mein Kind ist, ich mag sie einfach als Mensch.“

Auf ihrer Internetseite lässt die Schauspielerin wissen, „Ich liebe meine Familie und habe die besten Freunde, die es gibt. Wenn es mir einmal schlecht geht, denke ich daran und weiß, irgendetwas muss ich richtig gemacht haben im Leben.“ Und: „Ich war nie verheiratet und habe nicht vor, etwas daran zu ändern.“

Seit vier Jahren ist die 51jährige, dem Fernsehpublikum auch als Psychologin Tanja Haffner in der erfolgreichen SAT1-Krimiserie „Der letzte Bulle“ bekannt, mit dem heimischen Regisseur Harald Sicheritz, 60, liiert. Dass sie gerne und viel isst, wie sie sagt, ist angesichts ihrer schlanken Erscheinung kaum zu glauben. „Oh doch, am liebsten Topfenstrudel und Kaiserschmarren“, lässt die Wienerin in ihr grüßen.
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