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Ausgabe Nr. 6/2019 vom 05.02.2019, Foto: Thomas & Thomas
Peter August Rapp wurde am 14. Februar 1944 in Wien geboren. Mit zehn Jahren kam er zu den Wiener Sängerknaben. Nach der Matura arbeitete er als Journalist bei diversen Tageszeitungen. Im Jahr 1963 hatte Rapp seinen ersten Fernsehauftritt bei der Sendung „Teenagerparty“, worauf zahlreiche andere Sendungen folgten. Rapp war drei Mal verheiratet, unter anderem mit der Schauspielerin Sissy Löwinger († 2011). Er ist Vater von drei Kindern und lebt in Korneuburg (NÖ).
„Ich habe immer meinen Traum gelebt“
Mit dem Abschied von Peter Rapp, 74, im vergangenen Jahr ging im Österreichischen Rundfunk (ORF) eine Ära zu Ende. Seine im Dezember eingestellte „Brieflos Show“ lockte zuletzt rund 400.000 Zuschauer vor die Bildschirme. Der ORF widmet der Karriere von Peter Rapp am kommenden Samstag, ab 21.55 Uhr, in ORF 2, einen Fernseh-Abend.
Herr Rapp, Sie haben 28 Jahre lang das Millionenrad gedreht, zuletzt in der „Brieflos Show“. Haben Sie selber auch manchmal ein Brieflos gekauft?
Das wäre wohl nicht vernünftig gewesen (lacht). Kein Mensch hätte es geglaubt, wenn ich mich selber gezogen hätte. Also habe ich es gelassen.

Können Sie uns die Hintergründe der Absetzung der „Brieflos Show“ erklären?
Der ORF war äußerst glücklich mit der „Brieflos Show“, weil sie gute Quoten eingefahren hat. Es war jedoch der Wunsch der Casinos Austria, die Sendung einzustellen. Sie wollten die Millionen, die sie an den ORF bezahlt haben, gewinnorientierter einsetzen, was sowohl für die „Brieflos Show“ als auch für „Bingo“ das Ende bedeutet hat. Irgendwann kommt eben die Zeit für etwas Neues.

Als Kind waren Sie bei den Wiener Sängerknaben. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Da ich von Musik geradezu besessen bin und mir Chorsingen viel bedeutet hat, erinnere ich mich an diese Zeit mit den modernen Worten „extrem cool“ zurück. Ich habe diese Zeit geliebt.

Sie sind bekannt für Ihren Wiener Schmäh und Ihre
Gelassenheit. Was bringt Sie aus der Fassung?

Dummheit, Hass und sichtbares Elend kann mich aus der Fassung bringen. Da geht mir auch der Schmäh aus und ich habe ein böses Gefühl im Magen. Aber in Sendungen passiert so etwas so gut wie nie, außer in sogenannten „Talk Shows“, aber so eine habe ich ohnehin nie gemacht.

Sie schlitterten in den 1990er Jahren in den Konkurs, mussten Ihr Haus verkaufen und in einen Keller ohne Bad und Toilette umziehen. Was blieb aus dieser Zeit?
Das Haus gehörte nicht mir, sondern der Bank, die es dann auch versteigert hat. Geblieben aus der Zeit ist der Keller, den ich immer noch gemietet habe. Das Ganze klingt allerdings schlimmer, als es ist, denn die Räumlichkeiten sind feudal ausgestattet, etwa mit einem Großraumbüro, einem Heimkino, einem Schlafzimmer und so weiter. Substandard ist daran nur, dass Bad und Toilette einen Stock höher sind, aber das kommt auch in Luxusvillen vor.

Ein Problem damals war auch Ihre Spielsucht. Haben Sie diese Sucht heute im Griff?
Na, jedenfalls haben mich die Menschen in den vergangenen 25 Jahren, außer vielleicht bei einem Auftritt, nicht mehr in Casinos gesehen. Abgehen tun sie mir jedenfalls nicht.

Sie waren selber schon einmal in einer prekären Situation. Wie wichtig ist Ihnen der Sozialstaat? Sehen Sie ihn in Gefahr?
Auf Politik lasse ich mich nicht ein. Aber jeder, der eine E-Card besitzt oder jetzt noch eine Rente bezieht, wird sich glücklich schätzen, in unserem Land zu leben und hoffen, dass sich die Politiker darum kümmern, dass es auch so bleibt.

Ihre beiden Töchter haben Ihr Unterhalter-Gen geerbt. Ihre Tochter Roxanne, 25, ist Schauspielerin, und Rebecca, 28, Sängerin. Erfüllt Sie das mit Stolz?
Ja, ich bin stolz auf die beiden und auch auf meinen Sohn Christopher. Sie versuchen mit all ihrem Fleiß und ihrer Energie, ihre Träume zu erfüllen. Ich hatte auch einen. Obwohl mein Vater wollte, dass ich Beamter werde, weil das ein sicherer Beruf wäre, habe ich es riskiert, meinem Wunsch zu folgen und bin zum Fernsehen gegangen. Und wie wir alle wissen, hat es geklappt.

Sie haben zahlreiche Fernsehsendungen moderiert, darunter „Spotlight“, „Wurlitzer“, „Hoppala“, „Wer A sagt“ und die „Brieflos Show“. Welche Sendung ist Ihr Favorit?
Ich kann nur sagen, welche Sendungen besonders „nachhaltig“ waren, um es modern zu formulieren. Das waren natürlich „Spotlight“ und „Hoppala“, die bis zu 3,6 Millionen Zuschauer hatten. Auch „Wer A sagt“ blieb vielen Menschen in Erinnerung. Ich habe jedenfalls alle Sendungen lieb gehabt und gerne gemacht.

Sie sind vor rund vier Jahren Großvater mit Ihrer Enkelin „Lea“ geworden. Wie erleben Sie Ihr Dasein als Opa?
Ich lasse mir gerne die neuesten Geschichten über meine Enkelin erzählen, weil die Kleine, wie auch mein Sohn und Leas Mutter, äußerst originell sind. Da ich alleine mit meinem Hund „Fredo“ lebe und noch dazu viele Termine habe, eigne ich mich nicht dazu, den typischen Opa abzugeben.

Es gibt Gerüchte, dass Sie zu einem Privatsender wechseln. Können Sie diesbezüglich etwas verraten, beziehungsweise wie geht es jetzt weiter?
Mein zukünftiges Leben auf Bühnen und im Fernsehen richtet sich einfach nach Angebot und Nachfrage. Da sind jetzt schon interessante Anfragen dabei und auch schon viele Termine im Jahr 2019.

Wäre es mit 75 nicht Zeit, in Pension zu gehen? Oder müssen Sie arbeiten, um Ihr Leben zu finanzieren?
Den Begriff „in Pension gehen“ gibt es für Angestellte, Arbeiter und Beamte. Sie wollen in der Rente das machen, was sie sich immer schon gewünscht haben, wie Reisen, Blumen züchten oder was auch immer. Ich habe mein Leben lang meinen Traum gelebt und sehe keinen Grund, ihn abrupt zu beenden. So lange die Gesundheit und der Verstand mitspielen, bin ich glücklich, weitermachen zu können. Was ich mache, ist ein künstlerischer Beruf. Und wie es in Bühnenprogrammen immer wieder ersichtlich ist, gibt es für Künstler kein Ablaufdatum. Als „Arbeit“ habe ich das auch nie gesehen.

Sie werden am 14. Februar 75 Jahre alt. Werden Sie sich ordentlich feiern lassen und was wünschen Sie sich?
Ich lasse mich nicht feiern, ich feiere. Und das im großen Stil mit der Kultband „Monti Beton“ am 16. Februar in der Wiener Stadthalle. Unser Programm sind dabei die Musik aus der „Spotlight“-Zeit und meine Erinnerungen an 56 Jahre vor den ORF-Kameras und 75 Jahre „Leben“. Da dürfen die „Lacher“ nicht zu kurz kommen. Karten sind jedenfalls noch erhältlich.

Wird es danach noch weitere Konzerte geben?
In diesem Jahr gibt es schon einige Konzerttermine mit Musikgruppen in Wien und in Niederösterreich.
Meinem Hund zuliebe will ich aber nicht weiter von zu Hause wegfahren.
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