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Ausgabe Nr. 6/2019 vom 05.02.2019, Foto: OSZM
Die Behandlung wird gezielt mit Computertomographie oder Ultraschall und mit Hilfe eines Nervenstimulators durch-geführt.
Botox legt Rücken-Schmerzen lahm
Bandscheibenvorfälle, Verengungen im Wirbelkanal und Schmerzen im Kreuz-Darmbein-Gelenk plagen Tausende Menschen im Land. Es gibt viele Therapien, bis hin zu Operationen, um Schmerzen zu lindern. Eine neue kommt hinzu. Die Injektion mit Botox.
Zwanzig Jahre Schmerzen, zahlreiche Arztbesuche und Behandlungen liegen hinter dem pensionierten Wiener Werner Kleinrath. Am Ende war nur noch der Weg vom Frühstückstisch zum Fernsehsessel möglich, so stark schmerzte der Rücken. „Meine Wirbelsäule hat über die Jahre stark gelitten. Die Wirbelkörper sind abgenützt, die Bandscheiben so dünn geworden, dass ich heute sieben Zentimeter kleiner bin als früher“, sagt der 73jährige ehemalige Direktor eines Wiener Pensionistenheimes. Zahlreiche Spritzen und Infusionen, sogar eine Operation, bei der drei Wirbel verschraubt wurden, konnten ihm nicht dauerhaft helfen. „Das ging drei Monate gut, dann traten die Schmerzen wieder auf“, erzählt er und erinnert sich, dass allein der Gang durch den Supermarkt ohne Abstützen auf dem Einkaufswagen nicht mehr möglich war.

In der vorigen Woche unternahm Kleinrath nach langer Zeit seinen ersten Spaziergang, eine kleine Runde um den Häuserblock. Der zweite führte bereits durch die Wohnsiedlung im 23. Wiener Gemeindebezirk. „Das verdanke ich der Botox-Therapie, die ich vor drei Monaten erhielt“, verrät der verheiratete Pensionist und klingt erleichtert. „Mir geht es viel besser. Sogar meine Schmerzmedikamente konnte ich verringern.“

Tatsächlich ist das von Schönheitsbehandlungen bekannte Nervengift Botulinumtoxin A, kurz Botox, das Mittel, das helfen kann. Seit vier Jahren setzen Dr. Steven Moayad und Dr. Andreas Birner vom Orthopädie und Schmerztherapie Zentrum Wien Meidling (www.oszm.at) in Kooperation mit dem Radiologen Doz. Dr. Klaus Preidler vom Diagnosezentrum Wien-Meidling bei Patienten mit Bandscheibenproblemen Botox ein.

„Ein Bandscheibenvorfall ist ein degenerativer oder druckbelastungsbedingter Schaden an der Wirbelsäule. Drückt die Bandscheibe oder ein Teil davon auf den Wirbelkanal oder eine Nervenwurzel, kommt es zum Auftreten hexenschussartiger Schmerzen, die nach der Sofort-Behandlung mit entzündungshemmendem Kortison und Infusionen bestehen bleiben können. Das heißt, die Schmerzen werden chronisch. Für diese Patienten kann Botulinumtoxin A helfen, eine Operation zu verhindern. Eine Operation ist ein viel größerer Eingriff und kann, so lange keine Lähmungen in den Beinen auftreten, meist auch nicht langfristig helfen“, erklärt Dr. Moayad.

Botox wirke, so der Experte, bei chronischen Schmerzen durch einen Bandscheibenvorfall, eine Wirbelkanalverengung und bei Schmerzen im Kreuz-Darmbein-Gelenk aufgrund seiner entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkung. „Es kommt nach ein bis zwei Wochen zu einer Ausheilung des Reizzustandes an der betroffenen Stelle. Die Wirkung hält sechs bis acht Monate an, manchmal ein Jahr.“ Es ist eine schmerzarme ambulante Behandlung, für die der Patient auf dem Bauch liegend eine Injektion direkt in den betroffenen Nerv erhält. „Es wird jener Nerv blockiert, der den Schmerz an das Hirn sendet. Nerven, die für die Bewegung des Körpers zuständig sind, werden nicht behandelt. Zusätzlich hemmt das Botox Schwellungen an den Muskelansätzen. Durch die schmerzstillende Wirkung entspannen verkrampfte Muskeln, der Patient kann sich wieder frei bewegen. Es besteht kein Risiko, funktionierende Muskeln bleibend zu schädigen.“

Die Kosten für die Behandlung liegen, je nachdem, welches Gelenk oder wie viele Wirbelsäulenetagen behandelt werden, zwischen € 220,– und € 1.500,– und werden von Gebietskrankenkassen nicht erstattet. Für Werner Kleinrath hat sich die Injektion gelohnt. Nun hat er sein beim Stiegensteigen schmerzendes künstliches Knie behandeln lassen. „Ich hoffe, das Botox wirkt wieder so gut.“
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