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Ausgabe Nr. 4/2019 vom 22.01.2019, Fotos: Klaus Maislinger, ÖAV
Anton Mattle, Andreas Ermacora
Strafen für Fahrlässigkeit in den Bergen?
Die Risikofreude mancher Wintersportler ist grenzenlos. Immer wieder fahren sie trotz hoher Lawinengefahr in gesperrte Hänge ein. Damit bringen sie auch die Bergretter in Gefahr. Der Tiroler ÖVP-Politiker und Bürgermeister von Galtür, Anton Mattle, fordert deshalb Strafen für grob fahrlässiges Verhalten in den Bergen. Für Alpenvereins-Präsident Andreas Ermacora reichen die bisherigen Gesetzes-Paragraphen. Strafen bis zu drei Monaten drohen bei „Gefährdung der körperlichen Sicherheit“.
JA: Anton Mattle,
Tiroler Landtagsvizepräsident (ÖVP):

„Wenn jemand bei hoher Lawinen-Gefahrenstufe vier, trotz Warnschildern, trotz persönlicher Warnung und trotz blinkender Lichter bei den Bergbahnen in den ungesicherten Schiraum hinausfährt, geht das meiner Meinung nach in Richtung grober Fahrlässigkeit. Wenn jemand Unglückssituationen durch Fehlverhalten heraufbeschwört, muss das auch Konsequenzen haben. Bergretter versuchen immer zu helfen. Aber stellen Sie sich vor, wie es den Bergrettern geht, wenn sie in einen Hang hineinfahren müssen und selber nicht wissen, ob das Risiko, das sie eingehen, eventuell zu groß ist, ob Gefahr für Leib und Leben besteht. Ich erlebe das seit meinem 16. Lebensjahr und jetzt bin ich 55 Jahre alt. Immer wieder stellt sich die Frage, können wir in das freie Gelände hinausgehen, wenn hohe Lawinengefahr ist. Wenn wir wissen, es sind Menschen gefährdet, wollen wir helfen. Es ist dann schwierig, auch nein zu sagen. Wenn diese Gratwanderung einige Male verhindert wird, weil es eine Strafe gibt, dann hat die Gesellschaft Gutes getan. Und ich als Bergretter denke schon, dass Strafen den einen oder anderen davon abhalten können, sich grob fahrlässig zu verhalten.“

NEIN: Andreas Ermacora,
Alpenvereins-Präsident:

„Ich bin gegen eine Anlassgesetzgebung angesichts der jüngsten Ereignisse. Die Erfahrung zeigt, dass Strafen nicht dazu geeignet sind, die Menschen zu bekehren. Es ist eher angebracht, wie es auch der Alpenverein macht, auf Bewusstseinsbildung zu setzen und die Menschen auszubilden, damit sie Gefahren erkennen können. Ich glaube, die derzeitige Gesetzeslage ist ausreichend. Wenn jemand in einen Hang einfährt, der zum Beispiel oberhalb einer Piste liegt und die Menschen auf der Piste gefährdet, dann bietet das Gesetz ohnedies schon die Möglichkeit der Bestrafung durch die Delikte ,Gefährdung der körperlichen Sicherheit‘ oder ,Gemeingefährdung‘. Das passiert auch immer wieder. Da braucht man kein neues Gesetz. Das wäre auch wenig praktikabel. Der freie Schiraum liegt abseits der Pisten, wo soll die Grenze gezogen werden, wo jemand fahren darf oder nicht? Wer soll das kontrollieren? Die ganzen Alpen mit Bändern abzusperren, das funktioniert nicht. Zu sagen, wer bei hoher Lawinengefahr abseits der Pisten fährt, ist generell zu bestrafen, bedeutet die Aufgabe des freien Schiraumes. Und das kann nicht sein. Alles mit Maß und Ziel, würde ich sagen.“
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