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Ausgabe Nr. 2/2019 vom 08.01.2019, Foto: duty
Beim Wachsgießen entstehen kaum deutbare Figuren. Jene aus Zinn sind formschöner.
„Wahrsagen“ mit Wachs statt mit Blei ist kein Spaß
Ein EU-Gesetz, das den Bleigehalt in Waren reguliert, hat das Aus für den beliebten Silvester-Brauch des Bleigießens zur Folge. Für den vergangenen Jahreswechsel musste zum ersten Mal auf Wachs- beziehungsweise Zinnprodukte zurückgegriffen werden.
Es war eine Tradition, die sich stets großer Beliebtheit erfreute. Über einer Flamme wurde ein Stück Blei auf einem Löffel geschmolzen und dann in kaltes Wasser gekippt. Die dadurch entstandenen Figuren galt es, möglichst positiv zu deuten.

Doch wer sich vor dem Jahreswechsel in Geschäften nach Sets zum Bleigießen erkundigte, wurde enttäuscht. Aufgrund einer EU-Verordnung ist der Silvester-Brauch nun verboten. Somit musste für den Jahreswechsel erstmals auf das Bleigießen verzichtet werden.

Konkret reguliert ein EU-Gesetz seit Anfang 2018 den Bleigehalt in unseren Produkten. So dürfen Waren innerhalb der EU nicht mehr als 0,3 Prozent reines Blei enthalten. Bleigieß-Sets wiesen jedoch mehr als 70 Prozent auf.

Mediziner warnen seit Jahren vor den gesundheitlichen Gefahren von Blei vor allem für Kinder. Denn es gilt als Umweltschadstoff, die beim Schmelzen entstehenden Blei-
oxid-Dämpfe sind für den menschlichen Körper schwer schädlich.

Auch das Anfassen der Figuren birgt ein Gesundheitsrisiko, weil Kinder danach die Hände zum Mund führen. Bereits geringe Mengen des giftigen Schwermetalles können Heranwachsende hinsichtlich der Entwicklung der Intelligenz beeinträchtigen.

Die Industrie hat sich aufgrund der Blei-Grenzwerte zeitgerecht Alternativen überlegt. So gilt etwa Wachsgießen als sicherer und nicht gesundheitsschädlich.

Doch das Wachs entpuppte sich zum Jahreswechsel als unwürdiger Ersatz fürs Blei. Zu nichtssagend seien die Figuren, die entstehen, wenn heißes Wachs in Wasser gegossen wird. Mit viel Phantasie ließe sich auch daraus etwas deuten, aber an das Original aus Blei käme es nicht heran, ist die Meinung zahlreicher traditionsbewusster Menschen.

Ebenfalls eine Alternative ist das Zinngießen, auf das der frühere Produzent von Bleigussartikeln, Peter Lorber, aus Brigittenau in Wien umgesattelt hat. „Die Nachfrage ist auf jeden Fall gegeben“, sagt Lorber.

Das Gesetz der EU, das die Grenzwerte von Blei in den Produkten regelt, hält er für notwendig. „Blei ist ein hochgiftiges Metall, darum ist das Verbot richtig.“

Mit Wachs hat er ebenfalls schon experimentiert. „Allerdings werden die Figuren nicht so schön, denn bei Wachs dauert es einige Sekunden, bis es abkühlt. Bei Zinn sind sie jedoch ähnlich formschön wie bei Blei“, erklärt der Fabrikant. Und die gegossenen Formen ließen sich ähnlich gut interpretieren. rb
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