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Ausgabe Nr. 48/2018 vom 27.11.2018, Foto: dpa
Neue OP-Methode gegen Reflux
Stromimpulse beenden Sodbrennen
Jedem Vierten im Land stößt es, im wahrsten Sinne des Wortes, regelmäßig sauer auf. Sodbrennen ist verbreitet und eine auf Dauer gefährliche Schwäche des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen. Zwei kleine Elektroden können helfen, den Rückfluss der aggressiven Magensäure zu stoppen. Viele benötigen danach keine Medikamete mehr.
Das Essen macht keinen Spaß mehr. Nach jeder Mahlzeit zwingt das Völlegefühl zum Aufstoßen, manchmal begleitet von einem säuerlichen Beigeschmack, es brennt hinter dem Brustbein und es folgen mitunter stundenlanges Husten oder Halskratzen. Die Symptome von Sodbrennen lernt fast jeder zweite im Land einmal in seinem Leben kennen, jeder Siebente hat täglich Beschwerden. „Sodbrennen ist die häufigste Magen-Darm-Erkrankung. Ausgelöst wird sie durch eine Fehlfunktion des Schließmuskels zwischen dem Ende der Speiseröhre und dem Mageneingang. Dadurch kann die aggressive Magensäure in die Speiseröhre zurückfließen, was neben Sodbrennen zu den typischen Symptomen wie Hustenreiz, Asthma-Anfällen, Heiserkeit oder Hals- und Brustschmerzen führt. Das Dramatische daran, unbehandelt kann dieser Reflux, wie wir sagen, zu Speiseröhrenkrebs führen“, erklärt Prof. Sebastian Schoppmann, Leiter der Reflux-Ambulanz am Allgemeinen Krankenhaus in Wien.

Helfen keine Medikamente, wird operiert
Häufig helfen den Patienten Magensäureblocker, die überschießende Magensäure im Zaum zu halten. Doch ein Drittel verträgt sie nicht, ist mit ihrer Wirkung nicht zufrieden oder fürchtet Langzeitfolgen wie Knochenschwund, Herz- oder Lungenprobleme. Ihnen helfen Operationen, bei denen mit verschiedenen Methoden die Barriere zwischen Magen und Speiseröhre wieder hergestellt wird. Das Problem, nach Eingriffen können Schluckbeschwerden auftreten oder über Jahre die Funktion der mechanischen Barrieren beeinträchtigt sein.

Ein starker Schließmuskel dank Strom
Seit Kurzem gibt es eine neue Behandlung, die diese Probleme beseitigen soll. Ein elektronisches Stimulationssystem, das mit unmerklichen Stromimpulsen den Schließmuskel am Ende der Speiseröhre stärken und dem Sodbrennen ein Ende bereiten soll. „Bei dieser Methode mit dem Namen EndoStim werden in einer ‚Schlüsselloch‘-Operation zwei winzige Elektroden implantiert, die über Kabel mit einem kleinen batteriebetriebenen Generator verbunden sind. Über vier kleine Hautschnitte setzt der Chirurg die Elektroden an den Schließmuskel und implantiert den Generator unter die Haut. Im Betrieb sendet der Generator zwölf bis achtzehn Stromimpulse am Tag und regt so den geschwächten Schließmuskel an. Die Impulse spürt der Patient nicht, doch nach drei Monaten bessert sich sein Sodbrennen. Die elektrischen Impulse haben den Schließmuskel gestärkt. Der Rückfluss der Magensäure wird verhindert“, erklärt der Reflux-Experte. „Bei einigen Patienten hat das Sodbrennen die Muskelkraft der Speiseröhre geschwächt. Das Schlucken fällt ihnen schwer. Ohne Sodbrennen beginnen diese Muskeln in der Speiseröhre wieder zu arbeiten und das Schlucken fällt leichter.“
Der Eingriff in Vollnarkose dauert eine halbe bis eine Stunde, danach verbringt der Patient die Nacht im Spital. „Für die ersten Tage empfehle ich etwas Schonkost. Mehr ist für den Patienten nicht zu beachten. Nach einem und nach drei Jahren wird mit Hilfe einer Magenspiegelung kontrolliert, ob der Schließmuskel dicht hält. Der Erfolg der Methode verhilft neun von zehn Patienten dazu, ihre Medikamente gegen Sodbrennen abzusetzen. Und wir beobachten keine postoperativen Schluckbeschwerden.“ Wartungsarbeiten am Impulsgeber gibt es kaum. Die Batterie hält sieben Jahre und Änderungen am Takt der Impulse kann der Arzt mit wenigen Handgriffen über ein externes Gerät einstellen. „Viele Patienten fragen, ob das Implantat einer MRT-Untersuchung im Wege steht. Ja, aber der EndoStim kann dafür abgeschaltet werden.“ Es gibt nur wenige Gründe, die gegen diese OP-Methode sprechen, etwa ein Zwerchfellbruch, der größer als fünf Zentimeter ist. Welche Behandlung bei Sodbrennen individuell geeignet ist, so der Experte, könnten am besten Ärzte in einem Reflux-Zentrum herausfinden. „Es bedarf Spezialisten, um die richtige Reflux-Behandlung zu finden.“
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