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Ausgabe Nr. 46/2018 vom 13.11.2018, Foto: picturedesk
Adi Hirschal wurde am 17. November 1948 in Innsbruck geboren und wuchs in Linz auf. Mit neun Jahren kam er zu den Wiener Sängerknaben. Später absolvierte er eine Schauspielausbildung. Hirschal spielte unter anderem am Burgtheater und am Akademietheater. 2004 gründete er das Wiener Lustspielhaus. Seit 2012 leitet er den Laxenburger Kultursommer. Hirschal wohnt in Wien-Josefstadt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
„Ich mag keine Regeln“
Der beliebte Erzähler, Sänger, Schauspieler und Intendant Adi Hirschal feiert am 17. November seinen 70. Geburtstag. An einen Ruhestand denkt der „Ur-Wiener“, der eigentlich in Innsbruck (T) geboren wurde, aber keinesfalls. Im Interview mit der WOCHE erzählt er über Strizzi-Lieder, sein früheres, wildes Leben und warum er von der Politik angewidert ist.
Herr Hirschal, Sie singen „Strizzi-Lieder“. Sind Sie selbst ein Strizzi? Wie definiert sich ein solcher für Sie?
Wir müssen hier natürlich den Kunstbegriff und den Berufsbegriff unterscheiden. Heute steht Strizzi für lustige, aufgeweckte Lausbuben. Der Berufsbegriff, also jener der Zuhälterei, ist natürlich ein ganz furchtbarer. Der Titel ist entstanden, weil eine Dame aus dem Publikum mir einmal zurief, „Sie sollten Strizzi-Lieder singen.“

Sie sind in Innsbruck geboren. Woher kommt Ihr Wien-Bezug?
Ich kam in Innsbruck zur Welt, weil mein Vater dort studierte. Später zogen wir nach Linz, wo er als Zahnarzt eine Praxis eröffnete. Dort wurde ich als Chorsänger entdeckt. Mit neun Jahren kam ich zu den Wiener Sängerknaben, daher auch mein Wien-Bezug.

Wie war Ihre Zeit bei den Wiener Sängerknaben?
Es war eine äußerst bunte, wilde Zeit, die aufgefüllt war mit viel musikalischer Arbeit sowie großen Tourneen und Reisen. Einmal waren wir zum Beispiel in Neuseeland. Das war für ein Kind schon spannend.

Was haben Sie empfunden, als die Sängerknaben aufgrund von Missbrauchsvorwürfen in die Schlagzeilen kamen?
Ich war entrüstet. Solche Missbrauchsvorwürfe gibt es leider in vielen Bereichen. Ich wurde mit so etwas glücklicherweise nie konfrontiert. Ich hatte einmal bessere und einmal schlechtere Erzieher, sympathische und auch weniger sympathische.

Ihren Grundwehrdienst haben Sie bei den Gebirgsjägern in Salzburg absolviert, unter anderem mit dem früheren Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider. Haben Sie noch Erinnerungen an diese Zeit?
Das Bundesheer war kein Honiglecken. Ich war zwar sportlich, aber kein zackiger Soldat. Unsere Kaserne in Glasenbach genoss einen üblen Ruf, unser Kompaniekommandant hieß „Führer“. Der Geist des Dritten Reiches war noch zu spüren. Jörg Haider war als Soldat das Gegenteil von mir, er war äußerst zackig und konnte es nicht ertragen, wenn andere nicht auch so waren.

Sie sind als junger Mensch viel mit einem Wohnmobil herumgereist. Wie kam es dazu und wo waren Sie?
Ja, ich habe mich drei Jahre lang auf den Straßen Europas herumgetrieben. Vorwiegend in Italien, der Schweiz, in Frankreich, Deutschland, Belgien und Kroatien. Es waren für mich sozusagen Lehr- und Wanderjahre. Ich wollte weg vom Burgtheater. In einer Art Kunstkommune haben wir uns meist in Italien aufgehalten. Wir haben philosophiert, Texte geschrieben und Punk-Musik gemacht, eine aufregende und aufwühlende Zeit.

War dann irgendwann die Reise- und Abenteuerlust gestillt?
Bei einem Heimbesuch in Linz habe ich meine Frau kennengelernt. Sie hat das ihre dazu beigetragen, dass ich wieder ans Theater ging. Meine Frau hat mich wieder in meinen alten Beruf geschickt.

Dabei wollten Sie ursprünglich Diplomat werden und haben ein paar Semester Jus studiert. Sind Sie diplomatisch?
Ja, diplomatisch bin ich, das wäre gar kein schlechter Beruf für mich gewesen. Aber ich bin froh, dass ich eine Künstlerlaufbahn eingeschlagen habe, denn dieser Beruf gab mir die Möglichkeit, Dinge selbst zu entscheiden.

Welche Berufe haben Sie noch ausgeübt?
Ich war unter anderem Mietwagen-Chauffeur, habe Geschäftskunden bis nach Rumänien geführt. Ich fahre wahnsinnig gerne mit dem Auto, konnte alle guten Marken ausprobieren. Ich war aber auch LKW-Fahrer und habe Holz und Hendln ausgeliefert.

Ihre Tochter Maddalena, 35, hat sich ebenfalls für die Schauspielerei entschieden. Wollten Sie das auch?
Ich bin äußerst stolz auf sie. Meine Tochter ist so ähnlich gepolt wie ich. Sie hilft mir viel, denn sie ist auch eine hervorragende Kostümbildnerin. Sie berät mich auch, wir machen vieles gemeinsam.

Im Wiener Lustspielhaus, das Sie im Jahr 2004 gegründet haben, waren Sie heuer als „Der eingebildete Kranke“ zu sehen. Die heimische Politik hilft wohl nicht, sich besser zu fühlen?
Sie kann einem schon wahnsinnig auf die Nerven gehen, aber ich habe zu gute Nerven, als dass ich davon krank werden könnte. Wie Politik derzeit betrieben wird, halte ich für verzichtbar. Es tut mir im Herzen weh, wenn es der Wirtschaft gut geht, und die Menschen trotzdem ärmer werden. Erbschaften, die nicht für die Gesellschaft eingesetzt werden, gehören auf jeden Fall besteuert. Mit dem Zwölf-Stunden-Tag wird eine ganze Bevölkerungsschicht über den Tisch gezogen. Die geplante Abschaffung der Notstandshilfe ist eine Katastrophe. In dem Moment, wo Arbeiterkammer und Gewerkschaften an die Wand gefahren werden, wird ein Schaden angerichtet, der länger dauern wird, als wir glauben.

Sie sind seit 2012 Intendant des Kultursommers in Laxenburg. Im vorigen Jahr führten Sie eine „Saunarette“ auf, heuer fand „Stille Nacht“ im Sommer statt. Worauf dürfen wir uns im kommenden Jahr freuen?
Das nächste Stück wird „Traumschiff – Alles geht schief“ heißen. Es wird musikalisch, lustig und beruhigend sein. Sechs bis sieben Menschen auf einer Insel können schon einiges erzählen.

Was tun Sie, um sich fit zu halten? Stimmt es, dass Sie Yoga betreiben?
Für mein Alter halte ich Yoga für empfehlenswert. Regelmäßig mache ich es nicht, weil ich ja keine Regeln mag. Ein Yoga-Lehrer hat mir viel beigebracht, jetzt mache ich es zuhause, mehr oder weniger konsequent.

Sie haben vor längerer Zeit mit dem Rauchen aufgehört. Wie geht es Ihnen seitdem, und wie haben Sie es geschafft?
Schlecht. Das Rauchen ist eines der großen Probleme in meinem Leben. Ich werde leider immer wieder rückfällig. Ich bin kein Nichtraucher, der ab und zu raucht, ich bin ein Raucher, der oft nicht raucht.

Wie werden Sie Ihren 70. Geburtstag feiern und was wünschen Sie sich?
Ich gebe am 16. November um 20 Uhr ein Jubiläumskonzert im Wiener Metropol (17. Bezirk) mit meinen Musiker-Kollegen Marianne Mendt, 73, und Wolfgang Böck, 65. Hierfür gibt es noch Restkarten. Mein Wunsch ist, dass ich gesund bleibe und mir die Eingebungen auch in Zukunft nicht ausgehen.
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