Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 44/2018 vom 29.10.2018, Fotos: Rankin, Bmg Rights Management
Die Band-Mitglieder von li. n. re.:
Mikey Craig, 58, Boy George, 57, Roy Hay, 57, und Jon Moss, 61.
Das neue Album „Life“ ist seit Freitag im Handel.
„In unserer Band gibt es viel Ego“
Es gab immer wieder Verzögerungen. Nun ist es da. Das neue Album der britischen Pop-Band „Culture Club“. Es heißt „Life“ und stellt das erste kreative Lebenszeichen der Kult-Band nach 19 Jahren dar. Sie präsentiert sich sogar in der Original-Besetzung, die in den 80er Jahren mit Liedern wie „Do You Really Want To Hurt Me?“ und „Karma Chameleon“ Welthits landete. Allerdings sorgten Boy George, Roy Hay, Mikey Craig und Jon Moss auch für wilde Streitereien. Nun, sie haben sich nicht gegenseitig umgebracht, sondern ein durchaus erfreuliches Werk erschaffen. Obwohl es nicht an die großen Erfolge wird anschließen können. Wie gewohnt bietet „Life“ eine Mischung aus Pop, Soul und Reggae. Über die Musik und sein zuweilen ungewöhnliches Leben berichtet der mittlerweile 57jährige George O‘Dowd alias Boy George dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth während der aktuellen Amerika-Tour.
Hallo, wie geht es Ihnen derzeit in den USA?
Wir sind gerade in Los Angeles (Kalifornien). Ich habe mir einen Haarschnitt gegönnt, ansonsten faulenze ich herum. Heute ist ein freier Tag während der Tournee. Und nichts tun, das ist etwas, was ich gerne tue. Heute Nachmittag zum Beispiel gehe ich zur Kryotherapie, das ist eine Kälte-Behandlung. Ich habe das schon ein paar Mal gemacht, und ich mag das.

Ist das nicht ziemlich kalt?
Mir macht das nichts. Ich dusche auch jeden Tag in der Früh kalt. Das hält die Haut frisch. Kalte Duschen sind mein Schönheitstipp Nummer eins. Außerdem macht mich eine kalte Dusche unverzüglich wach.

Haben Sie viel Spaß auf der Tournee?
Wir bekommen jeden Abend viel Liebe vom Publikum. Die Menschen sind nicht feindselig, sondern liebevoll, sie nehmen uns mit ihrer Anwesenheit in den Arm. Das tut uns gut. Ich persönlich genieße die Konzerte heute viel mehr als früher.

Warum?
Wenn ich ehrlich bin, genieße ich heute alles mehr als früher. Alles in meinem Leben ist besser geworden, mir geht es gut, das wirkt sich auf mein ganzes Leben aus.

Wer oder was ist wichtig in Ihrem Leben?
Zuallererst die Familie. Überhaupt: Menschen. Ich lege keinen Wert auf Besitz. Die erste, die mir in den Sinn kommt, ist meine Mutter.

Im hymnischen Stück „Life“, dem letzten auf dem neuen Album, singen Sie davon, dass Ihnen Hoffnung und das Leben gegeben wird. An wen richtet sich das Lied?
An unser Publikum. Ohne die Menschen, die zu unseren Konzerten kommen, wäre ich nichts. Und dann ist der Song auch eine Liebeserklärung an die Musik als solche. Und drittens geht es um Optimismus, um zweite Chancen, dritte Chancen, ums Herausklettern aus tiefen Löchern. Damit kenne ich mich aus, aber es soll nicht nur um mich gehen. Wenn es um üblen Mist im Leben, Tiefschläge und Dummheiten geht, dürfte wohl jeder Mensch auf dieser Welt mitreden können.

Wer hat Sie aus Ihren Löchern wieder herausgeholt?
In erster Linie war ich das selbst. Denn letzten Endes bist du ganz allein, wenn es dir dreckig geht. Unterstützung hilft dir nur, wenn du bereit bist, dich unterstützen zu lassen und die Stärke zu finden, die dich dein Leben weiterführen lässt.

Warum hat es mit einem neuen Album von „Culture Club“ so lange gedauert?
Wir mussten Geduld haben, bis wir wieder eine Verbindung spürten und untereinander gut auskamen und gute Musik schreiben konnten. Anfang dieses Jahres waren wir dann endlich so weit.

Sie haben also den Streit innerhalb der Band beendet. Ist jetzt alles gut?
(lacht) Nein. In einer Band zu sein, ist kompliziert. Wir sind eine reisende Familie, bei uns gibt es viele Meinungen, viel Persönlichkeit, viel Ego – am besten klappt es, wenn wir alle so sein dürfen, wie wir sind. Du musst die Menschen akzeptieren, dann ist es am einfachsten.

Sie wären an Ihrer Heroinsucht beinahe gestorben. Haben Sie mit den Drogen abgeschlossen?
Ja und ich vermisse nichts. Ich habe eine Phase der Selbstzerstörung hinter mir. Das ist Vergangenheit, darüber denke ich nicht mehr nach.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung