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Ausgabe Nr. 44/2018 vom 29.10.2018, Fotos: Diözesane Pressestelle Gurk, zVg
Johannes Staudacher, Eytan Reif
Glauben Sie an das Jenseits?
Das Jenseits ist die „religiös begründete Vorstellung von einem Lebensbereich, der die sichtbare Welt ergänzt, übersteigt oder ihr als unvergleichbare Gegenwelt gegenübersteht“, heißt es im Lexikon. Im katholischen Glauben reicht das Jenseits über das Vorstellbare hinaus. Erzählt wird davon in Bildern von Freude und Gemeinschaft, dazu gehört das „Wiedersehen“ in der Ewigkeit. Dort gibt es kein Leid und keine Klagen mehr. Hierzulande glaubt laut Umfragen jeder zweite an eine unsterbliche Seele.
JA: Johannes Staudacher,
katholischer Trauer-Seelsorger:

„Als Kind war ich oft am Grab der Großeltern. Dort stand: ,Hoffnung auf ein Wiederseh‘n ist der Kinder Trost am Grabe der geliebten Eltern.‘ Bei allem Wandel der Gesellschaft, das ist gleich geblieben. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Auch kirchenferne Menschen wählen oft als Abschiedslied ,Amoi seg‘ ma uns wieder …‘ Der Glaube an das Jenseits lebt von der Liebe der Zurückbleibenden, denn Liebe ist ein Gespräch, das niemals enden will. Ich mag den Satz vom Heiligen Augustinus: ,Liebe sagt: Ich will, dass es dich gibt.‘ Auch Zweifelnden geht es so. Beim Abschied kann ihr Herz nicht einfach akzeptieren, dass ,alles aus ist‘. Da taucht Hoffnung auf. ,Vielleicht doch!‘ Für viele sind die Nahtoderfahrungen eine Hilfe, an das Jenseits zu glauben. Bei mir ist es einfach der Glaube an Jesus Christus. Und damit an die Auferstehung. Wenn Gott ,die Liebe ist‘, dann sagt Gott selbst: ,Ich will, dass es dich gibt!‘ Deshalb hoffe ich für die anderen und für mich auf ewiges Leben. Die Vorstellungen vom ,Jenseits‘ kommen erst danach. ,Wie es drüben ist?‘ Ich sage zu Schülern gern: ,Unvorstellbar schön.‘ Und vertraue auf Gott.“

NEIN: Eytan Reif,
Sprecher „Religion ist Privatsache“

„Als bald 50jähriger Vater zweier Kinder schmerzt mich täglich die Gewissheit, dass ich nicht erleben werde, wie sie – und die von ihnen womöglich gegründeten Familien – sich jenseits der Jahrhundertmitte entwickelt haben. Und überhaupt, ich würde gerne wissen, was der Menschheit in einem Jahrhundert, und erst recht in einem Jahrtausend, blühen wird. Und mit meinem vor bald 25 Jahren verstorbenen Vater würde ich wiederum auch liebend gerne das eine oder andere Wort wechseln, es hat sich einiges angesammelt zu besprechen. Und selbst meinen vor drei Jahren verstorbenen Hund vermisse ich nach wie vor. Und wann soll ich all das machen, was ich noch vorhabe und das sich zu Lebzeiten aber sicher nicht ausgehen wird? Gäbe es ein Jenseits, würden mich diese
Sehnsüchte, Verluste und vorab enttäuschten Hoffnungen kaum schmerzen. Ich wünschte mir, es gäbe ein Jenseits, das mir auf immer und ewig eine Verschnaufpause gewähren und das Wort ,Tod‘ abschaffen würde. Ein Teil des Erwachsenwerdens ist aber zu erkennen, dass Wünsche und Realität oft nicht deckungsgleich sind. Schade eigentlich.“
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