Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 42/2018 vom 16.10.2018, Foto: picturedesk
Klaus Eberhartinger wurde am 12. Juni 1950 in Gmunden in Oberösterreich geboren und wuchs in Braunau am Inn auf, wo er 1968 maturierte. Sein Medizinstudium brach er ab und stieg 1981 als Sänger bei der im Jahr 1977 gegründeten „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“ („EAV“) ein. Zu ihren größten Hits gehören „Ba Ba Banküberfall“, „Küss die Hand schöne Frau“ und „Märchenprinz“. Eberhartinger ist nicht verheiratet und hat einen Sohn im Erwachsenenalter. Er pendelt heute zwischen der Steiermark, Deutschland und Kenia.
„Ich schaue nie zurück“
In den vergangenen vier Jahrzehnten schrieb die „Erste Allgemeine Verunsicherung“ heimische Musikgeschichte. Nun verabschiedet sich die Gruppe rund um den Sänger Klaus Eberhartinger, 68, mit ihrem letzten Album „Alles ist erlaubt“ inklusive Konzerten in den „unverdienten Unruhestand“. Im Interview mit der WOCHE plaudert der steirische Künstler über das aktuelle Weltgeschehen und was er abseits der „EAV“ noch vorhat.
Herr Eberhartinger, „Alles ist erlaubt“ ist das letzte Album der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“ inklusive
Abschiedstournee im kommenden Jahr. Ist es tatsächlich das Ende?

Vielleicht entschließen wir uns in fünf Jahren noch einmal zu einer Welttournee, aber ich glaube eher nicht (lacht). Nein, jetzt im Ernst, bis zur Urne wollen wir nicht mit unseren Hits gehen, darum haben wir beschlossen, das Projekt „EAV“ in Würde zu beenden.

Wenn Sie auf 40 Jahre „EAV“ zurückschauen, werden Sie nicht sentimental oder nostalgisch?
Ich schaue nie zurück. Am liebsten lebe ich in der Gegenwart, mit einem Blick in die nahe Zukunft. Es war eine herrliche, spannende und aufregende Zeit, die ich nicht missen möchte. Wir hatten das große Glück, Erfolg zu haben, mit dem was wir machen. Ich bin der „EAV“ dankbar, dass ich diesen Weg einschlagen konnte.

Haben Sie ein persönliches Lieblingslied auf Ihrem neuen Album?
In „Am rechten Ort“ geht es darum, dass wir vergessen haben, wie gut es uns, verglichen mit den Ländern der Dritten Welt, eigentlich geht. Dass wir 70 Jahre Frieden haben, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Errungenschaft.

In „Rechts zwo drei“ prangern Sie den Rechtsruck in Europa an. Beängstigt Sie diese Entwicklung?
Natürlich, das sollte jeden beängstigen. Es ist leider in der Geschichte schon öfter vorgekommen, dass mit dem Finger auf eine Minderheit gezeigt und gesagt wurde, „die sind an allem schuld“. Heute sind es eben die Migranten, die ja eigentlich ein Geschenk für alle rechtspopulistischen Parteien sind. Denn durch sie kann von der eigentlichen Problematik, der gerechten Umverteilung, gut abgelenkt werden.

Sie beschreiben den Titel des Albums „Alles ist erlaubt“ als „Zustandsbeschreibung der weltpolitischen Situation“. Ist heute wirklich alles erlaubt, oder wird einfach nur mehr
geduldet als früher?

Wenn wir uns anschauen, dass in Chemnitz (D) Neonazis durch die Straßen ziehen und rufen, „Wir sind Adolf Hitler“, dann müssen wir uns schon fragen, was eigentlich los ist. Und auch ein US-Präsident Donald Trump wäre vor zehn Jahren nicht möglich gewesen, den ich übrigens für einen skrupellosen Egomanen und für brandgefährlich halte.

Das Lied „Trick der Politik“ handelt von Politikern, die ihre Wahlversprechen nicht einhalten. Dieses Thema ist aktueller denn je. Denken Sie an jemanden Bestimmten?
Da sind fast alle beteiligt. Die Politik hängt meist an den Fäden der Lobbyisten. Es geht darum, dass vor jeder Wahl alles versprochen wird, das geht bis zur eigenen Gelddruckmaschine, die jeder bekommen soll. Nach der Wahl schaut alles ganz anders aus.

Sehen Sie den Sozialstaat in Gefahr?
Sagen wir es so, das soziale Netz ist viel grobmaschiger geworden. Die soziale Umverteilung stimmt schon lange nicht mehr. Das soziale Gleichgewicht ist aber für stabile Verhältnisse in einer Gesellschaft wichtig.

Haben Sie jemals daran gedacht, selbst in die Politik zu gehen?
Nein, ich beneide die Politiker nicht. Auch wenn es leider viele Menschen gibt, die aus Karrieregründen in die Politik gehen.

Durch Ihr Lied „Lederhosen Zombies“ fühlte sich der „Volks-Rock‘n‘Roller“ Andreas Gabalier auf den Schlips getreten. Zudem entfachte er eine Diskussion über Nationalstolz, wie denken Sie darüber?
Das Lied war nicht gegen Andreas Gabalier gerichtet, das wurde von den Medien aufgebauscht. Mit Nationalstolz im Sinne von Patriotismus habe ich kein Problem. Nationalismus erachte ich aber sehr wohl als problematisch.

Mit Ihren Texten haben Sie oft angeeckt. Wieviel Mut ist nötig für kritische Liedtexte, und stellen Sie sich der Kritik?
Wir haben einige Male angeeckt und wurden auch von Neonazis bedroht. Es ist wichtig, Stellung zu beziehen. Entweder du bist Komplize oder Rebell.

Was haben Sie in Ihrem „Ruhestand“ noch vor, wenn das überhaupt so bezeichnet werden kann?
Wir ziehen uns in den „unverdienten Unruhestand“ zurück. Aber es gibt ein Leben nach der „EAV“. Vielleicht wird es ein Theater- oder Kabarettstück geben, vielleicht auch eine andere Formation, aber da wird nicht viel verraten. Ideen habe ich jedenfalls viele. Langweilig wird mir sicher nicht. Ich werde einige Zeit in Kenia verbringen, das ist eines der schönsten Länder überhaupt. Zudem werde ich im März wieder „Dancing Stars“ moderieren, die Sendung hat mir immer viel Spaß gemacht.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung