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Ausgabe Nr. 41/2018 vom 09.10.2018, Foto: dpa
Die Niederösterreicherin Ursula Strauss, geboren am 25. April 1974 in Melk, aufgewachsen in Pöchlarn, studierte Schauspiel am Wiener Volkstheater. Im Jahr 2008 erhielt sie für ihre Leistung in Götz Spielmanns Thriller-Drama „Revanche“ beim Film-Festival Diagonale den Spezialpreis der Jury. Strauss ist künstlerische Leiterin der kulturellen Veranstaltungsreihe „Wachau in Echtzeit“ (27. Oktober bis 1. Dezember) und Präsidentin der Akademie des Österreichischen Films. Seit 2009 verkörpert sie die leicht schrullige Serien-Kommissarin Angelika Schnell („Schnell ermittelt“ mit neuen Folgen der sechsten Staffel, montags, ORFeins, ab 20.15 Uhr).
„Ich habe vor Glück am Klo geweint“
Sie erzählt Lustiges, Merkwürdiges und fast Vergessenes. Im Buch „Warum ich nicht mehr fliegen kann und wie ich gegen Zwerge kämpfte“ erinnert sich die Schauspielerin Ursula Strauss, 44, an ihre Kindheit, erste Rollen und ihre größten Erfolge.
Der Titel Ihres neuen Buches „Warum ich nicht mehr fliegen kann und wie ich gegen Zwerge kämpfte“ verrät, dass Sie als Kind einen Kampf ausgefochten haben. Haben Sie gewonnen, Frau Strauss?
Das war ziemlich anstrengend, die imaginären Zwerge, die unter meinem Bett lauerten, wollten mich fressen. Aber ich habe gewonnen, sonst wäre ich jetzt nicht hier.

Dann folgte die nächste Auseinandersetzung mit einem „fetten Monster“, wie Sie Ihre Pubertät nennen. Waren Sie so dick?
Ja, ich war schon ziemlich feist. Die Fotos hätte ich gerne gezeigt. Nur war da gerade die Hausbauphase und die Bilder unter Kisten versteckt. Gefunden habe ich sie leider erst, als das Buch schon gedruckt war.

Wieder rank und schlank sind Sie auf Fotos in Tracht zu sehen. Wie viele Dirndl hängen in Ihrem Kasten?
Ein einziges, das ich gerne mag. Es ist ein Nussdorfer Dirndl von Gexi Tostmann, das sie bei einer Wohltätigkeits-Aktion für mich schneiderte. Den Stoff für das Dirndl durfte ich mir selber aussuchen.

Im Jahr 2004 mussten Sie als Netti in Nestroys „Kampl“ Otto Schenks Füße pediküren. Einmal erwischten Sie nicht den Nagel, sondern gleich die ganze Zehe, die zu bluten begann. Sie waren zu Tode erschrocken, wie reagierte Schenk?
Otto Schenk, ganz Profi, blieb gelassen. Ich habe mich tausend Mal bei ihm entschuldigt. Er hat mich kein einziges Mal dafür bluten lassen, dafür war ich dann auf der Zehen-Schaufel. Otto Schenk hat seine Späße mit mir getrieben und Schmähs darüber gemacht. Er hat mich ein bisserl auf den Arm genommen und mich zum Lachen gebracht.

Zum Weinen hingegen war Ihnen nach Ihrem ersten Bühnenauftritt als Lady Macbeth. Warum flüchteten Sie auf das Klo?
Weil das Klo der einzige Ort ist, an dem ich wirklich allein bin. Meine Gefühle haben mich übermannt, weil ich so glücklich darüber war, das gefunden zu haben, was mich erfüllt. Ich musste irgendwohin, um kurz durchzuatmen, meinen Tränen freien Lauf zu lassen, um dieses Glück ganz für mich alleine zu spüren. Dafür habe ich mir das Klo ausgesucht, weil‘s dort nicht so melodramatisch ist.

Sind Sie immer nah am Wasser gebaut?
Ja, absolut und immer schon gewesen.

Tränen, verbunden mit einem Schlüsselbeinbruch, gab es auch im Jahr 2006 bei Ihrem Sturz aus der Hängematte, und 2014 erlitten Sie einen Beinbruch bei einem Autounfall
Das gebrochene Schlüsselbein tat mir lang weh, aber jetzt eigentlich nicht mehr. Das Knie spüre ich auf jeden Fall noch immer, da muss gar nicht einmal das Wetter wechseln.

Haben die flachen Schuhe, die Sie als Angelika Schnell in den neuen Folgen von „Schnell ermittelt“ tragen, damit zu tun?
Zum Teil, ja. Wir begannen mit den Dreharbeiten kurz nach meinem Autounfall. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt nicht mit hohen Absätzen gehen. Das flache Schuhwerk war der Gesundheit geschuldet. Aber nicht ausschließlich. Denn Angelika Schnell hat so viel Unbequemes um sich herum, daher gestaltet sie ihre Hülle so angenehm wie möglich. Im Team stellten wir dann fest, dass der Stilwechsel gut passt, weil er aufzeigt, wie spielerisch Kommissarin Schnell mit dem Älterwerden umgeht.

Ihnen gelingt es scheinbar spielerisch, neben Dreh- und Bühnenarbeiten Bücher zu schreiben. Sie haben ja auch schon das Kochbuch „Mir schmeckt’s“ geschrieben …
In dem Kochbuch ist genau das drinnen, was wir in der Familie gegessen haben. Und natürlich alles, was im Lauf der Jahre dazugekommen ist, sowohl von Mamas als auch von Papas Seite, von Schwägerinnen und von unseren im Ausland lebenden Verwandten. Hauptsächlich geht es aber um traditionelle Speisen. Und auch um Kakao und Butterbrot, diesen Scherz habe ich mir erlaubt. Denn das ist so etwas Gutes, das wir so selten essen. Kakao und Butterbrot – herrlich, wir haben das als Kinder geliebt.

Als weitere „Nebenbeschäftigung“ stand bei Ihnen Hausbauen auf dem Programm. Was war dabei die größte Herausforderung?
Ich habe mein Elternhaus in Pöchlarn umgebaut und in die Gegenwart geholt. Ich hätte das Haus, das sich meine Eltern in fünf Jahren selbst erbauten, nie abreißen lassen können. Der Umbau machte wahnsinnig viel Spaß und war belastend zugleich. Ich habe mitgearbeitet, wo ich konnte, habe rausgerissen, gestemmt, geflext und sogar gemauert. Unter der Woche habe ich gedreht und am Wochenende im Haus gearbeitet. Beim Hausbauen geht es um so viele Entscheidungen, mit denen ich nie vorher zu tun hatte. Am schlimmsten war die Elektrik. Es bleibt mir ein Rätsel, wie jemand so weit vorausdenken kann. In der Küche ist die Steckdosen-Situation zwar nicht ganz optimal, aber okay. Gott sei dank hab‘ ich einen Mann, der alles kann.

Ist jetzt alles fix und fertig? Schön geworden, mit hellen Räumen und großem Salon?
Es ist alles da, was der Mensch zum Leben braucht. Meine Mama lebt auch dort und fühlt sich wohl. Es gibt aber noch einiges zu tun, nicht alle Räume sind schon komplett eingerichtet. Und nein, es gibt keinen großen Salon. Es ist ein Einfamilienhaus, keine Besonderheit. Ich brauche keine Villa, ich fühle mich wohl an dem Platz, an dem ich aufgewachsen bin. Das ist für mich Villa genug. Und es freut mich, einen Grund zu haben, auf dem ich etwas anbauen und ernten kann.

Erfolg ernten können Sie wohl schon Ende Oktober, wenn „Wachau in Echtzeit“ mit Ihnen als künstlerische Leiterin beginnt …
Die gute Mischung macht die Veranstaltungsreihe an unterschiedlichen Spielstätten so erfolgreich. Es ist etwas für Kinder dabei und den Erwachsenen bieten wir leichte wie auch schwere Abende mit gesellschaftspolitischen Inhalten an. Die Zuschauer sollen in verschiedene Richtungen naschen können. Ich selbst werde bei den „Nasenspielen“ mit überraschenden Texten über unser Geruchsorgan dabei sein. Ich freue mich darauf.
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