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Ausgabe Nr. 39/2018 vom 25.09.2018, Foto: Fotolia
Am 1. Oktober beginnt das
Rauchverbots-Volksbegehren
Rauchstopp am Kellner-Arbeitsplatz
Tausende Kellnerinnen und Kellner arbeiten in verrauchten Lokalen. Für Lehrlinge gilt seit Kurzem eine Ein-Stunden-Grenze für den blauen Dunst. Ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie würde auch ihre Arbeitsplätze endgültig rauchfrei machen.
Andreas Schwabl arbeitet seit 1983 in einem Wiener Ringstraßen-Café. „Früher“, erinnert sich der heutige Oberkellner, „war ich oft verkühlt. Alles an mir hat nach Rauch gestunken.“ Seit zehn Jahren ist das Kaffeehaus komplett rauchfrei. „Von der Arbeitsqualität ist das 100 zu eins.“

Hätte nicht die FPÖ ein Wahlversprechen einlösen müssen, wären heute alle Lokale rauchfrei. Doch die schwarz-blaue Koalition hat das Rauchverbot gekippt. „Es geht um Wahlfreiheit statt staatlicher Bevormundung“, erklärte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Andreas Schwabl kann das nicht verstehen. „Arbeitnehmerschutz in punkto Rauchen gibt es überall. Am Arbeitsplatz wird nicht geraucht. Es gibt nur eine Ausnahme und das ist die Gastronomie. Die Menschen, die dort arbeiten, sind acht Stunden dem Rauch ausgesetzt.“

Am 1. Oktober beginnt das Volksbegehren „Don‘t smoke“ für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie. Mehr als 590.000 Menschen haben schon Anfang des Jahres Unterstützungserklärungen abgegeben, die bereits als Volksbegehrens-Unterschriften zählen. Die Chancen stehen gut, dass es eines der erfolgreichsten Begehren aller Zeiten wird. Auch wenn sich Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres, einer der Initiatoren, nicht auf eine Zahl festlegen lassen will.„Je mehr Menschen unterschreiben,
desto klarer ist das Signal.“

Andreas Schwabl hat schon im Februar seine Unterstützungserklärung abgegeben. „Ich war einer der ersten.“ Das Rauchverbot in „seinem“ Kaffeehaus habe sich positiv auf das Geschäft ausgewirkt. „Auch jeder unserer Raucher möchte nie mehr in einem Raucherbetrieb arbeiten.“ Denn für Kellner und Gäste gelte gleichermaßen: „Wenn jemand raucht, soll er die Möglichkeit dazu haben, aber so, dass er die anderen nicht beeinträchtigt.“ Also etwa im Freien oder unter Umständen auch in eigenen Raucherboxen.

Bis zum 8. Oktober können die Bürger das Nichtraucher-Volksbegehren unterzeichnen. In den Gemeinden oder per „Handy-Signatur“ oder Bürgerkarte. Nach dem großen Andrang im Februar richten Wien und Salzburg sogar zusätzliche Eintragungsstellen ein.

Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer, wird sicher nicht unterzeichnen. „Gesundheitspolitik gehört nicht in ein Gasthaus“, sagt der Gastronomen-Vertreter, auch wenn sein eigener Tourismus-Betrieb seit Jahren rauchfrei ist. „Wir sind dazu da, dass man bei uns etwas Gutes isst und trinkt, entspannt, den Tag ausklingen lässt. Für manche gehört dazu die Zigarette. Wir wollen diese Menschen nicht verdrängen.“

Für Wirtsleute und Restaurantbetreiber sei es „ein Eingriff in die Privatsphäre“, wenn der Gesetzgeber das Rauchverbot vorschreibt. Zumal „Stammtisch-Besucher unseren Wirten ganz klar gesagt haben: ,Wenn ich bei dir nimmer rauchen kann, gehe ich ins Vereinshaus.‘ Weil das Vereinshaus nicht der Gewerbebehörde unterliegt und es dort keine Kontrollen gibt.“

Kellnerinnen und Kellner, die nicht im Raucherbereich arbeiten wollen, müssten das zudem nicht. „Es gibt mehr als genug offene Stellen bei uns in der Branche. Wenn sie nicht wollen, dann müssen sie dort nicht arbeiten. Dann arbeiten sie halt in einem anderen Betrieb.“

Das sei allerdings nur eine scheinbare Freiwilligkeit, bemängeln Gewerkschafter. Und sie kritisieren die neue Regelung für Lehrlinge. Seit 1. September gilt für Lehranfänger, dass sie höchstens eine Stunde im Raucherbereich sein dürfen. Bisher mussten sie die „überwiegende Zeit“ im Nichtraucherbereich arbeiten. „Sofern zwingende räumliche oder organisatorische Gründe der Umsetzung entgegenstehen“, ist in alten Lehrverhältnissen die Ein-Stunden-Regel aber nach wie vor nicht gültig, heißt es in einer Verordnung von FPÖ-Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein.

Berend Tusch von der Gewerkschaft „vida“ hätte sich gewünscht, dass in Raucherbetrieben gar keine Lehrlinge mehr ausgebildet werden dürfen. „Denn sie bieten beim Arbeitnehmerschutz nicht das Beste an.“ Für ihn steht fest, auch in der Gastronomie „müssen die Menschen vor den schädlichen Folgen des Rauchens geschützt werden.“F
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