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Ausgabe Nr. 37/2018 vom 11.09.2018, Foto: Daniel Novotny, Parlamentsdirektion Simonis
Julia Herr, Michael Raml
Zu strenge Strafen für Schulschwänzer?
Auf Schulschwänzer kommen schwerere Zeiten zu. Die Regierung hat die Strafen deutlich verschärft. Wenn Kinder während der neunjährigen Schulpflicht „an mehr als drei aufeinander- oder nicht aufeinanderfolgenden Schultagen“ ungerechtfertigt fehlen, wird das teuer. Eltern drohen 110 bis 440 Euro Geldstrafe, bei Uneinbringlichkeit bis zu zwei Wochen Haft. Auch in der Oberstufe geht es strenger zu. Nach fünf einzelnen „Schwänztagen“ im Jahr können Jugendliche von der Schule fliegen.
JA: Julia Herr,
Sozialistische Jugend

„Mit erhöhten Geldstrafen für Schulschwänzer will die Regierung bei Schülerinnen und Schülern abkassieren. Was als ,hartes Durchgreifen‘ dargestellt wird, ist dabei reine Symbolpolitik. Denn die Ursachen dafür, warum sie der Schule fern bleiben, werden nicht behoben. Gründe kann es viele geben: Leistungsdruck, Mobbing, Probleme mit Lehrpersonen oder schlechter Unterricht. Nichts davon lässt sich mit Geldstrafen lösen. Die Regierung meint es hier mit Schülerinnen und Schülern nicht ernst. Dabei gäbe es tatsächlichen Handlungsbedarf. Einladende Aufenthaltsräume, moderne Geräte, kleinere Klassen und ein abwechslungsreicher Unterricht könnten dazu beitragen, dass sie gerne in die Schule gehen. Der Vorstoß der Regierung geht meilenweit an einer Politik vorbei, die die Bedürfnisse von Schülern in den Mittelpunkt stellt. Ihnen ist dann geholfen, wenn das Bildungssystem ausfinanziert und die beste Qualität der Schulbildung gesichert wird. Dass für schulpflichtige Kinder nun
hohe Geldstrafen drohen und Schülerinnen und Schüler der Oberstufe von der Schule fliegen, wenn sie fünf Tage fehlen, damit ist niemandem gedient.“

Nein: Michael Raml,
Bundesrat/Freiheitliche Jugend

„Die Ausbildung junger Menschen kostet den Steuerzahler jährlich zig Millionen Euro. Steuergeld, das bestimmt gut investiert ist, sichert eine fundierte Ausbildung doch den Wohlstand unserer Gesellschaft. Mit Steuergeld muss jedenfalls genauso sorgsam umgegangen werden wie mit der Bildung junger Generationen. Das kann wohl jeder unterschreiben. In diesem Sinne ist es daher völlig nachvollziehbar, dass die Bundesregierung nicht dabei zusehen kann, dass manche (nicht alle) Schüler ihre steuergeldfinanzierte Ausbildung nach Lust und Laune gestalten möchten. Zur Erziehung von jungen Menschen gehört auch, dass sie lernen, Regeln einzuhalten. Dabei darf man nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Davon kann bei Sanktionen gegen notorische Schulschwänzer aber keine Rede sein. Schüler werden nicht pauschal zu
Kriminellen gemacht, sondern die Bundesregierung stellt lediglich sicher, dass dem chronischen Schulschwänzen ein Riegel vorgeschoben wird. Es zu legitimieren wäre widersinnig, widerspricht es doch diametral dem staatlichen Bildungsauftrag und Effizienzprinzip.“
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