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Ausgabe Nr. 35/2018 vom 28.08.2018, Foto: duty
12.700 Tonnen Lebensmittel werden verteilt
Fixe Standorte der „soogut“-Sozialmärkte gibt es in den niederösterreichischen Gemeinden Amstetten, Klosterneuburg, Mödling, St. Pölten, Stockerau, Ternitz
und Tulln. Dazu drei Lieferwagen für das Most- und Waldviertel. Insgesamt tätigen 20.000 Personen jährlich 190.500 Einkäufe. 12.700 Tonnen fast abgelaufene Lebensmittel oder Fehlproduktionen werden jährlich von Handelsketten überlassen. Die Einkommensgrenzen für einen Einkaufspass betragen für eine Person 1.200 Euro netto, für Paare 1.550 Euro, für jede weitere Person werden 195 Euro angerechnet. Eingekauft werden darf mehrmals pro Woche in Haushaltsmengen.
Der mobilen Sozialhilfe droht das Aus
Rund 5.000 Hilfsbedürftige werden von den Lieferwagen der „soogut“-Sozialmarktkette im Most- und Waldviertel (NÖ) mit günstigen Lebensmitteln versorgt. Zudem bieten die mobilen Märkte rund 100 älteren Arbeitssuchenden pro Jahr eine befristete Anstellung, um sie dann wieder in den regulären Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Arbeitsmarktservice will dafür aber das Fördergeld streichen. Damit droht das Aus für die Wagen.
Die mobilen Sozialmärkte der „soogut“-Kette bieten doppelt Hilfe. Einerseits versorgen die drei Lieferwagen an 44 Stationen im Most- und Waldviertel (NÖ) rund 5.000 armutsgefährdete Menschen, davon 40 Prozent Kinder,
mit Brot, Obst, Gemüse und andere Lebensmittel.

Andererseits dienen sie als Sprungbrett für ältere Arbeitssuchende in den Arbeitsmarkt. Sie sollen durch eine sechsmonatige Anstellung als Fahrer und Verkäufer und parallel laufende Schulungen ins reguläre Berufsleben zurückfinden. Die Kosten für das Projekt übernimmt zu
einem Drittel das Land Niederösterreich, den Großteil stemmt das Arbeitsmarktservice (AMS), das die Förder-
mittel allerdings mit Ende des Jahres streicht. Dann kann
die mobile Sozialhilfe nicht mehr finanziert werden.

Die Waldviertler Pensionistin Elfriede Maier (Name von der Redaktion geändert) aus Zissersdorf bei Geras
trifft das hart. Sie lebt von 860 Euro netto im Monat.
Mit ihrem Mopedauto fährt die 60jährige, alleinstehende Frau ein Mal pro Woche nach Horn, wo der „soo-
gut“-Wagen Halt macht. Sie spart bis zu 100 Euro im Monat, denn die Lebensmittel kosten hier nur ein Drittel
des Preises eines Supermarktes. „So kann ich mir auch einmal einen Kaffee oder ein Eis leisten“, erklärt Maier. Ein anderer Sozialmarkt wäre für sie „viel zu weit weg“.

Mit dem Ende der mobilen Märkte blickt auch Elisabeth Prager, 50, in eine ungewisse Zukunft. Sie verlor vor geraumer Zeit ihre Anstellung als Gärtnerin. Nun arbeitet sie sechs Monate lang für ein marktübliches Gehalt für die „soogut“-Kette. In dieser Zeit muss sie sich am regulären Arbeitsmarkt wieder um eine Anstellung bemühen. Der neunfache Familienvater Martin Schrunk, 42, kam ebenfalls über das Arbeitsmarktservice zur fahrenden Sozialhilfe. Heute ist er dort sogar fix angestellt. „Wenn wir nicht mehr ausliefern können, muss ich wieder stempeln gehen“, befürchtet Schrunk.

Michaela Vorlaufer, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Niederösterreich weiß um die Misere. „Das Projekt kostet jährlich zwei Millionen Euro. Zudem sollten 28 Prozent der beim Sozialmarkt befristet Beschäftigten wieder eine reguläre Beschäftigung finden.“ Diese Quote lag zuletzt „nur“ bei 25 Prozent. Das Projekt gibt es seit dem Jahr 2004. Heuer geriet das AMS durch die türkis-blaue Regierung stark unter Spardruck, denn das Budget von 1,9 Milliarden Euro wurde um 600 Millionen Euro gekürzt.

Unter Spardruck stehen auch die arbeitssuchende Anita Aschenbrenner und ihre beiden Kinder Marion und Nico. Sie leben von 1.200 Euro netto im Monat. „Die ‚soogut‘-Wagen sind uns eine große Hilfe. Weil wir kein Auto haben, erreichen wir keinen anderen Sozialmarkt“, sagt Aschenbrenner.

Den „Soogut“-Geschäftsführer Wolfgang Brillmann stört, dass „bei den Ärmsten gespart wird“. Den Sozialmärkten bleibt zwar eine Million Euro an Zuschüssen vom Land Niederösterreich, das Geld reicht aber laut Brillmann kaum aus, um die eigentlichen sieben Sozialmarkt-Standorte mit rund 40 Fix-Angestellten zu erhalten. Für die mobile Sozialhilfe sieht er wenig Chancen. Er probiert nun, über die umliegenden Gemeinden Unterstützung zu bekommen. „Auch über ehrenamtliche Mitarbeiter und Spenden freuen wir uns“, sagt Brillmann (SPK NÖ Mitte West, IBAN:AT472025600000923003). rb
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