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Ausgabe Nr. 32/2018 vom 07.08.2018, Foto: Gold & Goose/Jaime De Diego/Red Bull Content Pool
Der sechsfache Weltmeister Marc Márquez ist am Sonntag im steirischen Spielberg zu sehen.
„Ich höre auf Opas Ratschläge“
Auf seinem 245-PS-starken Feuerstuhl rast der sechsfache Weltmeister und MotoGP-WM-Führende Marc Márquez, 25, am Sonntag seinem ersten Sieg in Spielberg (Stmk.) entgegen. Doch das „Wunderkind“ hat zuletzt viel von seiner Leichtigkeit verloren. Neben dem Hausbau plagt sich Márquez mit stressbedingtem Haarausfall herum und kämpft mit Großvater Ramon gegen Alzheimer.
Er lächelt immer noch gerne und oft. Aber das Motorsportleben ist für das frühere Wunderkind aus Spanien Marc Márquez, 25, nicht mehr das lockere „Kaffeekränzchen“ von einst, die Leichtigkeit ist weg. Dies trotz seiner bisher sechs WM-Titel und heuer bereits fünf Rennsiege, oder vielleicht auch gerade deswegen.

„Ich muss jetzt in den Rennen viel härter kämpfen als früher“, räumt der Spanier ein, der dennoch in der WM klar voranliegt und etwa vor ein paar Wochen am Sachsenring (D) seinen sechsten Sieg in Serie auf dieser Strecke einfuhr und nun am Sonntag seinem ersten Sieg in Spielberg (Stmk.) entgegenrast. „Vor ein paar Monaten war ich zum ersten Mal an einem Punkt angelangt, an dem mir das Rennfahren keinen Spaß mehr machte“, gibt er mit sorgenvollem Gesicht zu. Um diese Zeit hatte die ehemalige Frohnatur plötzlich Haarausfall zu beklagen. „Sie sind mir büschelweise ausgegangen, was mich gewundert hat, denn bei uns liegen dichte Haare in der Familie. Dann wurde mir gesagt, es sei stressbedingt und ich müsse zu einer lockereren Einstellung zurückfinden.“

Als von Akne geplagter Teenager war der Jungheld 2010 in der 125cm3-Klasse 17jährig mit einem Weltmeistertitel in die Motorsportszene geplatzt und hatte mit 20 Jahren als jüngster Pilot der Geschichte die MotoGP-WM gewonnen. Mit seinem Dauerlächeln und lustigen Ansagen wie „Im Training trage ich blaue Unterhosen und im Rennen rote“ war der Katalane rasch zum Liebling aufgestiegen, auch weil er völlig angstbefreit keinen Sturz scheute, um schnell zu sein. Selbst im Kiesbett und mit ausgerenkter Schulter verlor Márquez nie die gute Laune und malte, ohne viel nachzudenken, seine Autogramme auf Frauenbrüste oder sogar Babys, die ihm hingehalten wurden. „Ich habe schon als Kind viel gelacht, doch mittlerweile weiß ich, dass es Momente gibt, in denen ich ernst sein sollte“, relativiert er heute.

Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass der ehemals unbeschwerte Jüngling in mehreren Bereichen plötzlich Verantwortung übernehmen muss. So baut der 25jährige derzeit im spanischen Heimatort der Familie Cervera sein eigenes Einfamilienhaus und muss sich mit Finanzplänen und Baubewilligungen auseinandersetzen. Nur bei den Details des Wohnraumes setzt er rasch wieder ein schelmisches Lächeln auf. „Wichtig ist mir vor allem eine riesige Garage für meine Motorräder, das habe ich dem Architekten als Erstes gesagt“, lacht er. „Dann brauche ich ein gutes Sofa zum Filmeschauen am Sonntagnachmittag. Alles andere ist unwichtig.“ Die Loslösung vom elterlichen Haus, in dem der PS-Held bis zuletzt vor dem Mittagessen den Tisch decken musste, soll vielleicht sogar noch heuer über die Bühne gehen.

Vor zwei Jahren eröffnete in Cervera das Márquez-Museum, in dem Bilder, Motorräder oder Trophäen des Junghelden der katalanischen Gemeinde ausgestellt sind, was seine Bekanntheit weiter steigerte, nicht immer ein Zuckerschlecken für ihn. „Bei den Frauen, die sich für mich interessieren, weiß ich heute kaum, ob sie den berühmten Sporthelden oder den Mann dahinter mögen“, seufzt der bekennende Single.

Dem Ernst des Lebens begegnet Márquez zuletzt auch im Umgang mit seinem Großvater Ramon. „Wir haben eine äußerst enge Beziehung, mein Opa steht selbst mitten in der Nacht auf, um meine Rennen zu sehen“, erzählt das Enkerl.

„Ich will aber nicht, dass er alt wird und aufhört, sich an interessante Kriegsgeschichten oder gemeinsame Erlebnisse zu erinnern, etwa wie er mich einmal beim Spazierengehen in einem Kornfeld verloren hat.“ Deswegen engagieren sich Opa und Enkerl seit Jahren im medizinischen Kampf gegen die Krankheit Alzheimer, die große Erinnerungslücken auslöst. Beide drehten darüber sogar einen kleinen Werbefilm und spendeten eine erhebliche Summe an die Forschung.

„Ich tue das nicht nur für die Erkrankten“, betont Márquez. Denn wer sollte ihn selbst aufrichten, wenn er vor Frust wieder einmal Haare verliert, wenn nicht der Großvater. „Deswegen tue ich es auch für mich“, weiß Márquez. „Und für Opas Weisheiten, die er stets auf Lager hat, um mich nach Rückschlägen wieder auf den Boden zu holen.“ Wolfgang Kreuziger
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