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Ausgabe Nr. 29/2018 vom 17.07.2018, Foto: picturedesk
In ihren Werken lebt die Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger weiter.
Christine Nöstlinger ist 81jährig verstorben
Wie soll ich denn wissen, was Kinder bewegt, wenn sie einen halben Tag lang über dem Smartphone sitzen?“ Mit diesen Worten verkündete Christine Nöstlinger vor einigen Wochen, dass sie aufhört zu schreiben. Wenige Tage, nachdem die 81jährige das Ende ihrer Schriftsteller-Laufbahn bekanntgab, hörte sie auch auf zu atmen.
Die Mutter legendärer Figuren wie der „Feuerroten Friederike“ oder „Gretchen Sackmeier“ starb am 28. Juni mit 81 Jahren in Wien. Die Angehörigen hielten ihren Tod bis zum Begräbnis, das am vergangenen Freitag in ihrem Geburtsbezirk Hernals (Wien) stattfand, geheim.

„Früher waren Kinderbücher faktisch Pädagogikpillen, eingewickelt in Unterhaltungspapier“, sagte Nöstlinger vor zwei Jahren. Dagegen begann die Tochter eines Uhrmachers und einer Kindergärtnerin früh zuschreiben. Im Alter von 34 Jahren setzte sich die ausgebildete Grafikerin hin und zeichnete ein Kinderbuch mit wenig Text. Als tatsächlich ein Verlag ihren Erstling „Die feuerrote Friederike“ herausbringen wollte, staunte sie. Das Kinderbuch schlug im Jahr 1970 ein wie eine mit Wunderkerzen gespickte Eistorte bei einem Kindergeburtstag. Fast 150 weitere Werke sollten folgen.

Für ihr literarisches Schaffen räumte die Autorin alle wichtigen Preise ab. Im Jahr 2003 war sie die Erste, die den Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis entgegennahm. Den Hans-Christian-Andersen-Preis erhielt Nöstlinger bereits im Jahr 1984.

Als die Schriftstellerin am Freitag, kurz nach 14.00 Uhr, in die Erde gelassen wurde, schickte der Himmel für ein paar Sekunden Regentröpfchen auf die etwa 60 Trauergäste. Anlässlich ihres 80. Geburtstages sagte Nöstlinger: „Was könnte ich Jungen sagen? Vielleicht das: Nix ungschauter glauben, lieber immer bezweifeln, was einem gesagt wird. Und dann natürlich noch meinen Lieblingsspruch: ‚Keiner hat das Recht zu gehorchen.‘“

Vielleicht weinte der Himmel, weil es nun niemanden mehr gibt, der Kindern solch wichtige Sätze mit auf den Weg gibt.
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