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Ausgabe Nr. 29/2018 vom 17.07.2018, Foto: Shutterstock
Jane Fonda wurde am 21.12.1937 in New York als Tochter der psychisch kranken Frances (Selbstmord mit 42 Jahren) und des berühmten Schauspielers Henry Fonda geboren. Sie drehte im Jahr 1959 ihren ersten Film „Je länger – je lieber“. Fünf Mal wurde die Schauspielerin für den „Oscar“ nominiert, zwei Mal erhielt sie die höchste Auszeichnung der Filmbranche. In den 80er Jahren löste sie mit ihren Fitness-Videos und -Büchern einen Aerobic-Boom aus. Fonda hat zwei Kinder, mehrere Enkerl sowie eine Adoptivtochter.
Ich möchte, dass mich meine Familie liebt“
Vor 13 Jahren hat sie ihre Autobiografie „My Life So Far“ veröffentlicht. Doch es blieb vieles ungesagt. In ihrem Werk beschrieb Jane Fonda, 80, ihr Leben als eine Serie in drei Akten. Inzwischen sind fünf Akte daraus geworden. So jedenfalls sieht es die Dokumentarfilmerin Susan Lacy, die einen Film darüber gemacht hat. „Jane Fonda in fünf Akten“ heißt er und gibt tiefe Einblicke in das Leben der Schauspielerin.
Frau Fonda, die Veröffentlichung Ihrer Autobiografie ist 13 Jahre her. Hat sich in Ihrem Leben so viel getan, dass aus drei Akten fünf werden konnten?
Ich hatte eher so viel in meinem Buch ausgelassen, dass ich mir schon damals sagte: „Du könntest eigentlich noch ein Buch mit dem füllen, was du weggelassen hast.“ Die fünf Akte haben es in sich.

Für den Dokumentarfilm „Jane Fonda in fünf Akten“ sind Sie in die Vergangenheit gereist. Haben Sie das freudig oder mit Bangen getan?
Viele Stationen weckten freudige Erinnerungen. Manche waren traurig, einige sogar schmerzlich.

Welches war das schmerzlichste Erlebnis?
Der Besuch des Grabes meiner Mutter in Ogdensburg, im Bundesstaat New York. Es war das erste Mal, dass ich an ihrer letzten Ruhestätte stand. Ich hatte Probleme mit meiner Mutter (Frances Ford Seymour) und kein herzliches Verhältnis zu ihr. Es hat Jahrzehnte gedauert, darüber hinwegzukommen und mich mit den Erinnerungen an sie auszusöhnen. Sie beging Selbstmord, als ich zwölf Jahre alt war. Es ist traurig, dass sie so jung starb, ohne dass ich sie richtig kennenlernen konnte. Deshalb bin ich dankbar, dass ich durch den Film zu ihrem Grab kam, wo ich sie lieben und ihr verzeihen konnte.

Mit Ihrem Vater, dem berühmten Schauspieler Henry Ford, ging es Ihnen auch nicht besser …
Er war ein kühler, reservierter Mensch. Dennoch vermisse ich meinen Vater sehr (er starb 1982). Ich glaube, ich könnte heute mit ihm reden, was zu seinen Lebzeiten schwierig war. Ich war zu eingeschüchtert von ihm. Es gibt so viel, was ich ihm gern gesagt hätte. Erst spät in meinem Leben habe ich erkannt, wie wichtig es ist, so viel wie nur möglich über die eigenen Eltern zu lernen. Warum sie so waren, wie sie waren. Danach begriff ich erst, dass die Art, wie sie mich behandelt haben, nichts mit mir zu tun hatte. Wenn sie ein Problem damit hatten, mich zu lieben, dann deshalb, weil sie nicht wussten, wie.

Was haben Sie noch gelernt?
Dass es ein Fehler war, zu vielen Dingen neben der Schauspielerei nachzugehen. Dass es besser gewesen wäre, mich auf weniger zu konzentrieren und damit in weniger Aufgaben des Lebens erfolgreicher zu sein.

In der Ehe zum Beispiel?
Sie haben es drei Mal versucht …
Ich wünschte in der Tat, das Schicksal wäre diesbezüglich besser mit mir umgegangen. Aber ich hatte nun einmal immer die Angst, ohne Mann zu sein. Jedes Mal, wenn ich ohne Partner war, überkam mich ein Anflug von Panik. Am Ende wurde mir aber klar, dass es ein großer Fehler ist, die Beziehung mit sich selber aufzugeben, um in der Beziehung mit einem Mann zu sein. Es hat nichts mit den Männern zu tun. Meine Ehemänner waren alle drei wunderbare Männer. Ich selber war schuld.

Wie können Sie das sagen, Ihr erster Mann, (der französische Regisseur) Roger Vadim, hat fremde Frauen zum flotten Dreier ins Ehebett gebracht, Ihr zweiter Mann, Tom Hayden, hat Sie mit seinem Aktivismus in den finanziellen Ruin getrieben …
Keiner hat mich gezwungen. Ich habe freiwillig bei Roger mitgemacht, weil es damals „in“ war. Es waren die 60er Jahre. Gefallen hatte ich nicht daran. Ich machte auch mit, weil ich das Gefühl hatte, dass er mich verlassen würde, hätte ich Nein gesagt. Ich konnte mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Und bei Tom war ich von seinem Aktivismus überzeugt und unterstützte begeistert seine politische Karriere.

Bleibt Mann Nummer drei. Der Medienmogul Ted Turner hat Ihr Leben am drastischsten verändert. Hat er nicht darauf bestanden, dass Sie für ihn Ihre Schauspielkarriere beenden?
Das hat er, und ich habe es freudigen Herzens getan. Eine Frau kann sich sehr schnell daran gewöhnen, von einem Milliardär verwöhnt und ausgeführt zu werden. Ich musste mich um nichts mehr sorgen. Und Ted habe ich wirklich geliebt.

Was bereuen Sie in Ihren Ehen am meisten?
Wie meine eigene Mutter nicht verstanden zu haben, eine gute Mutter sein zu können. Aber ich habe vieles bereits verbessert. Es ist lernbar. Es ist nie zu spät dafür. Ich gebe mir große Mühe, wettzumachen, was ich früher nicht wusste.

Warum ist Ihnen das mit 80 Jahren noch so wichtig?
Weil ich meine Familie um mich haben möchte, wenn ich sterbe. Ich möchte, dass sie mich lieben. Das aber muss ich mir verdienen. Daran arbeite ich. Ich kann sagen, dass ich die Intimität zu meinen Kindern und Enkerln, nach der ich mich immer sehnte, gefunden habe.

Sie denken ans Sterben?
Ist das verwunderlich in meinem Alter? Im Dezember habe ich die Null hinter den Achter gesetzt.

Sie sind noch immer äußerst aktiv. Ihre
Fernsehserie „Grace und Frankie“ (auf Netflix) mit Ihrer guten Freundin Lily Tomlin ist in die vierte Saison gegangen. Nichts deutet darauf hin, dass Sie mit 80 Jahren kürzertreten wollen. Was treibt Jane Fonda an?

Ich bin ein langsamer Lerner und ein später Starter. Und mein eiserner Wille durchzuhalten, solange es geht, ist mir nicht verlorengegangen. Wer die Langstrecke des Lebens durchstehen will, muss auf sich aufpassen. Ich ernähre mich gesund, meditiere jeden Tag, schlafe stets meine acht Stunden und trainiere meinen Körper, so gut es in meinem Alter geht.

Sie sind gesundheitlich also in guter Verfassung?
Die Wahrheit (lacht)? Ich habe meine Probleme wie jeder alte Mensch. Ich fühle mich manchmal wie ein klappriges altes Auto. Ich verliere Kotflügel und Radkappen. Ich bin eine Oma, die Arthritis hat und deswegen operiert werden musste.

Sie haben in Ihren Büchern und in Ihren Videos vielen Menschen gute Ratschläge gegeben.
Welcher ist der beste Ratschlag, den Sie selber bekommen haben?

Dass es besser ist, interessiert als interessant zu sein. Und dass Nein ein vollständiger Satz ist. Ich wünschte, ich hätte das viel früher gewusst.

Konnten Sie denn früher nie Nein sagen?
Ich habe Jahrzehnte gebraucht, um das zu lernen und für mich selbst einzutreten. Heute ist das anders. Heute sage ich ungeschminkt: „Das ist ein Scheißdreck. Und die Art, wie Sie mich behandeln, mag ich nicht.“
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