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Ausgabe Nr. 28/2018 vom 10.07.2018, Foto: bmvit, diegrünen
Norbert Hofer, Maria Vassilakou
Brauchen wir den Lobautunnel?
Der Lobautunnel ist das rund acht Kilometer lange Herzstück der umstrittenen Wiener Nordostumfahrung (S1). Er soll in bis zu 60 Metern Tiefe unter dem Nationalpark Donau-Auen im Osten Wiens und der Donau durchführen. Der Baubeginn ist für nächstes Jahr geplant. 1,5 Milliarden Euro sind für den Tunnelabschnitt veranschlagt. Im Mai hat das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht für das umstrittene Projekt gegeben. Die Gegner wollen es jetzt beim Verfassungsgerichtshof bekämpfen.
JA: Norbert Hofer, FPÖ-Verkehrsminister
„Der Lobautunnel ist ein Meilenstein für ein wirkungsvolles Verkehrssystem für die Ostregion. Der Bau entlastet nicht nur die Ostautobahn A4 und die Wiener Südost-Tangente A23, sondern bedeutet auch eine wesentliche Verbesserung für den 22. Wiener Gemeindebezirk und bringt damit unterm Strich eine Entlastung für Wien sowie mehr Verkehrssicherheit. Der starke Lkw-Verkehr wird aus den Ortsdurchfahrten verdrängt und am hochrangigen Streckennetz gebündelt. Die vom Verkehr stark belasteten Menschen in Raasdorf, Deutsch-Wagram, Strasshof, Gänserndorf oder der Wiener Donaustadt werden dank des Lobautunnels aufatmen. Auch der Wirtschaftsstandort Wien wird vom Projekt profitieren, weil sich im Umfeld der S1 neue Betriebe ansiedeln werden. Ich freue mich, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung vor wenigen Wochen endgültig positiv abgeschlossen wurde. Für die Zukunft wünsche ich mir bei so wichtigen Infrastrukturprojekten schnellere Verfahren. Am Beginn des Projektes gehören alle Argumente dafür und dagegen auf den Tisch, dann wird eingehend geprüft und entschieden, ja oder nein. Wenn die Entscheidung für ein Projekt ausgeht, dann muss zügig mit dem Bau begonnen werden.“

NEIN: Maria Vassilakou,
Grüne Vize-Bürgermeisterin (Wien)

„Die Lobau-Autobahn ist ein massiver Eingriff in das Wiener Naturjuwel Lobau und ein teures Prestige-Projekt. Der Bau der Lobau-Autobahn samt Tunnel wird wahrscheinlich drei Milliarden Euro verschlingen. Diese Summe kann in Anbetracht neuer Verkehrskonzepte weitaus sinnvoller und zukunftsorientierter investiert werden. Die Donauauen sind die größte, ökologisch intakte Aulandschaft in Mitteleuropa und bieten Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Die Lobau-Autobahn bringt den Nationalpark in Gefahr und gefährdet auch das Wiener Trinkwasser. Denn es stammt nicht nur aus der Hochquellenleitung, es muss auch Grundwasser aus der Lobau zugemischt werden. Die Trinkwasser-Sicherheit Wiens ist somit in Gefahr. Auch verkehrstechnisch bringt die Lobau-Autobahn nichts. Sie ist keine Umfahrungsstraße und wird die Donaustadt nicht entlasten, im Gegenteil. Es ist davon auszugehen, dass Pendlerinnen und Pendler aus dem Marchfeld vermehrt von den ,Öffis‘ ins eigene Auto umsteigen und es dadurch zu einer massiven Verkehrszunahme in Wien kommt. Denselben Effekt hatte der Bau der Nordautobahn.“bm
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