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Ausgabe Nr. 28/2018 vom 10.07.2018, Foto: picturedesk
„Die Touristen hinterlassen in der Kirche Jausenpapier, Bierflaschen, Dosen oder Zigarettenstummel im Weihwasser.“
„Bitte zahlen“ für den Salzburger Dom
Wer in den Salzburger Dom will, muss ab nächstem Sommer Geld dafür locker machen. Denn der Barockbau leidet unter den Touristenmassen und ihren Hinterlassenschaften. Zwei Millionen Menschen besuchen den Dom jährlich.
Nur manchmal klingeln Münzen in der Spendenbox beim Eingang des Salzburger Domes. „An der Tür sitzt immer ein sogenannter Sammler, da werden Spenden erbeten“, sagt Prälat Johann Reißmeier. „Allerdings schmeißen die meisten Touristen, die mit Gruppen kommen, nichts hinein.“ Denn der Eintritt ist frei. Noch. Ab kommendem Juli, so lauten derzeit die Pläne, werden Besucher der Barockkirche Eintritt bezahlen müssen.

Johann Reißmeier ist im „Hauptberuf“ Vorsteher des Salzburger Kirchengerichtes. Daneben ist er Domkustos der Bischofskirche. „Kustos heißt übersetzt Wächter. Ich kümmere mich um das Personal des Domes und die Finanzen.“

Um sie ist es nicht gut bestellt. Der laufende Betrieb wird durch Geld aus dem Kirchenbeitrag und Spenden gedeckt. Aber für die notwendigen Renovierungen fehlen die Mittel. „Wir haben ein wunderschönes historisches Gestühl aus der Barockzeit, die Sanierung kostet etwa 600.000 Euro. Bei der Säuberung der großen Orgel geht es um rund 150.000 Euro. Der Paramentenbestand, eine Sammlung von jahrhundertealten Messkleidern ist von Motten befallen. Die Begasung kostet ungefähr 30.000 Euro. Wir müssen auch einen Raum adaptieren für die Lagerung, dafür brauchen wir etwa 120.000 Euro“, zählt Prälat Reißmeier auf. Und dann steht irgendwann noch die Generalsanierung des Domes an.

Doch die Geldbeschaffung steht für den „Domwächter“ nicht im Vordergrund. „Der erste Grund ist, dass wir den Massentourismus reduzieren müssen.“ Zwei Millionen Menschen besuchen derzeit pro Jahr die Kirche. Experten schätzen, dass sich vor allem die Zahl der Touristen aus dem asiatischen Raum in den nächsten Jahren verdoppeln wird. „Wenn so viele Menschen im Dom sind, dann ist der Lärmpegel hoch. Es bedeutet eine klimatische Veränderung, die sich negativ auf die Kunstwerke, den Stuck und die Orgeln auswirkt. Die Touristen hinterlassen Jausenpapier, Bierflaschen, Dosen und Zigarettenstummel im Weihwasser“, erzählt Johann Reißmeier. Selbst Beichtstühle wurden schon als Toiletten missbraucht.

Der Salzburger Dom wäre nicht die erste Kirche in unserem Land, für die Eintritt bezahlt werden muss. Der Wiener Stephansdom ist seit mehr als zehn Jahren für Touristen nicht mehr komplett frei zugängig. Rund zwei Drittel sind abgesperrt, ein „beruhigter Raum“, wie Dompfarrer Toni Faber erklärt. Ausgenommen sind Messbesucher oder Betende. „Für den Gottesdienst darf nie etwas bezahlt werden, das sind für uns die wichtigsten Besucher“, sagt Toni Faber. Ebenso wie jene, die zur Andacht in den Dom kommen. „Wer etwa sagt, er will zum Heiligen Antonius, um zu beten, wird vom Aufsichtspersonal durchgelassen. Er wird vielleicht noch einmal gefragt, wenn er drei Fotoapparate umgehängt hat.“

Für die Wiener Karlskirche wird seit April 1999 ein „Erhaltungsbeitrag“ verlangt. Für die Besichtigung samt Panoramalift in die Kuppel zahlen Erwachsene acht Euro. Kein Eintritt ist für Betende und Messbesucher fällig. Auch wer in Dürnstein (NÖ) den Stiftshof, die Kirche und anderes besichtigen will, zahlt€ 3,50 Euro. Die Hofkirche in Innsbruck (T) wird hauptsächlich als Museum geführt, der Eintritt kostet sieben Euro. Für die Messen unter der Woche und am Sonntag ist er aber frei.

Eine räumliche Trennung wie beim Stephansdom ist in Salzburg nicht möglich. „Wir müssten mit dem Eintritt bestimmte Zeiten ins Auge fassen, in denen die touristische Nutzung im Vordergrund steht“, meint Domkustos Johann Reißmeier. Gottesdienste seien natürlich ausgenommen. Wie hoch der Obolus letztendlich sein wird, steht noch nicht fest. Aber: „Es wird wahrscheinlich in die Richtung gehen, dass Katholiken aus der Erzdiözese Salzburg, die den Kirchenbeitrag bei uns zahlen, immer gratis in ihre Bischofskirche hineinkommen.“
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