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Ausgabe Nr. 27/2018 vom 03.07.2018, Fotos: Judith Maria Trölß, zvg, OÖ Landesjagdverband
Martina Kubinger aus dem Bezirk Grieskirchen (OÖ) ist traurig. Ihr Stubentiger wurde erschossen.
Sepp Brandmayr, Landesjägermeister OÖ:„Der Abschuss des Haustieres muss die allerletzte Konsequenz sein, und darf nur unter strengsten Auflagen geschehen. Zuerst sollte Kontakt mit den Tierbesitzern aufgenommen werden. “
„Ich vermisse meinen Kater ‚Fritzi‘ ungemein“
Der Kater „Fritzi“ wurde Opfer eines Jägers. Er ist eines von 30.000 Haustieren, die jährlich „unabsichtlich“ oder „zum Schutz der Wildtiere“ von Waidmännern erschossen werden. Jetzt will sich der Österreichische Tierschutzverein für ein Haustier-Abschussverbot stark machen. „Fritzis“ Jäger droht eine Haftstrafe.
Es passierte am 10. Mai um 6 Uhr in der Früh. Unser ‚Fritzi‘, der wie ein Familienmitglied für uns war, hat wie an jedem Tag um 5.15 Uhr das Haus verlassen, um seine Runde zu drehen. Wir wohnen neben einem großen Feld“, erzählt Martina Kubinger und fügt schluchzend hinzu: „Um 6 Uhr wurden mein Mann und ich dann plötzlich von einem Schuss in unmittelbarer Nähe aus dem Schlaf gerissen.“

Der rostbraune Kater „Fritzi“ kehrte an diesem Tag nicht, wie sonst üblich, gegen 8 Uhr nach Hause zurück. „Nachdem wir ‚Fritzi‘ nirgends finden konnten, hegte mein Mann den Verdacht, dass vielleicht ein Jäger unseren Kater erschossen haben könnte“, erzählt Kubinger. Deshalb suchte sie den Waidmann und stellte ihn zur Rede. Doch der wollte anfangs nicht zugeben, den Kater erlegt zu haben. Als Martina Kubinger daraufhin die Polizei holte, zeigte er ihr und den Polizisten aber dann jene Stelle, an der er „Fritzi“ mit einem einzigen Schuss niedergestreckt hatte. „Die Stelle liegt 360 Meter von unserem Haus entfernt, neben einem Feldweg – wir haben sogar noch den handtellergroßen Blutfleck gesehen“, berichtet die Oberösterreicherin traurig. „Nur weil er ein Jäger ist, muss er ja nicht gleich alle Katzen erschießen“, versteht die Katzenliebhaberin die Welt nicht mehr.

Tatsächlich sind Jäger gesetzlich berechtigt, eine Katze, die sich weiter als 300 Meter vom nächsten bewohnten Haus entfernt hat, zu erlegen. Ein Hund darf nur dann erschossen werden, wenn er im Moment des Wilderns angetroffen wird. „Mein ‚Fritzi‘ war nie eine Bedrohung für Wildtiere“, sagt Kubinger. „Denn eine Katze, die wildert, bringt ihre Beute mit nach Hause. ‚Fritzi‘ war eineinhalb Jahre alt und hat nie Beute heimgebracht.“

Für die Jäger scheinen Hund und Katz hierzulande jedoch eine willkommene Abschussmöglichkeit zu bieten. Pro Jahr fallen 30.000 Haustiere „unabsichtlich“ oder „aufgrund des Schutzes der Wildtiere“ Jägern zum Opfer. Diese hohe Zahl möchten die Verantwortlichen des Österreichischen Tierschutzvereines nicht länger hinnehmen. Sie verlangen eine Gesetzesänderung und wollen diese durch eine Unterschriftenaktion initiieren. „Das Ziel unserer aktuellen Petition ist, 20.000 Unterschriften zu sammeln, um ein generelles Haustier-Abschussverbot oder eine Einschränkung der aktuellen Gesetzeslage zu bewirken“, erklärt Tina Balaun vom Tierschutzverein.

Was den Fall des Katers „Fritzi“ brisanter macht, ist die Tatsache, dass der Weidmann gar keine Befugnis zum Abschuss hatte. Denn wie sich herausstellte, handelt es sich bei ihm nur um einen sogenannten „Ausgeher“. Erschießen dürfen aber nur die Jäger.

Sepp Brandmayr, Landesjägermeister von Oberösterreich, erklärt den Unterschied. „Wir haben in Oberösterreich nahezu 19.000 Jäger. Gut 4.000 davon sind sogenannte ,Jagdschutzorgane‘. Sie und die Pächter des jeweiligen Jagdreviers sind zum Schutz der Wildtiere eingesetzt. In Gebirgsregionen hat diese Befugnis noch der Berufsjäger. Der Großteil der 19.000 eingetragenen Jäger sind jedoch nur sogenannte ,Ausgeher‘. Sie gehen mit Erlaubnis des Pächters in dessen Revier jagen, haben aber nicht das Recht, Haustiere zu töten, da sie nicht für den Schutz der Wildtiere eingesetzt sind.“

Das ist der Grund, warum der Fall „Fritzi“ am 12. Juli ein Nachspiel am Landesgericht Wels hat. „Der Angeklagte soll laut Strafantrag der Staatsanwaltschaft Wels die Katze ohne jagdliche Berechtigung erschossen haben. Für diesen Tatbestand der Tierquälerei drohen ihm bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe“, sagt Gerlinde Hellebrand, Sprecherin des Landesgerichtes.

Auch wenn hier ein schwarzes Schaf der Jägerschaft keinen guten Dienst erwiesen hat, hält Sepp Brandmayr die Abschussregelung grundsätzlich für unabdingbar. „Haustiere werden mitunter von ihren Besitzern ausgesetzt und bereiten dann Probleme. Wenn ein wildernder Hund eine Rehgeiß tötet, geht deren Kitz elendig zugrunde.“

Der Landesjägermeister räumt allerdings ein, selbst nicht gleich dem Hund oder der Katze eine Kugel zu verpassen. „Wenn ich das Haustier kenne, suche ich zunächst das Gespräch mit den Tierbesitzern. Der Abschuss des Haustieres muss die letzte Konsequenz sein, und darf nur unter strengsten Auflagen geschehen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Reden meist hilft. Selten treffe ich auf Unbelehrbare.“

Einem derartigen Hundebesitzer habe er einst mit der Erschießung des Tieres gedroht, erinnert sich der oberste Jäger Oberösterreichs. Als dies keine Wirkung zeigte, informierte er den Tierschutzverein. „Deren Mitarbeiter waren gewillt, dem Mann den Hund wegzunehmen. Das half. Der Hund wurde nie wieder wildernd angetroffen“, sagt Brandmayr.
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sprinter
Kater Fritzi
Ich bin selbst ein Katzen (Mitbewohner) und dieser Artikel hat mich dazu gebracht meine Meinung zu sagen. Erstmal liebe Frau Kubinger es tut mir unendlich leid um Fritzi! Die Petition zum nicht Abschuss unserer Haustiere habe ich schon unterschrieben! Jetzt zu dem leider aktuellen Fall. Wie kann es sein das jemand eine Waffe besitzt der nicht mal unterscheiden kann zwischen einem "gefährlichen" Wildtier und einer Katze die niemanden etwas tut! Das nächste Mal ist es vielleicht ein Kind das sich versteckt!!?? Solchen Menschen sollte man die Waffe entziehen und noch mehr sie sollten bestraft werden. Einen Kater der mal um die Häuser zieht abzuschießen ist einfach nicht akzeptabel und nicht verständlich. Es ist scheinbar notwendig alle die sich als Jäger und Aufseher betätigen und die eine Waffe besitzen zu überprüfen ob sie sich bewusst sind diese ehrenhafte Aufgabe für Tier und Mensch da zu sein zu bewältigen. Für Kater Fritzi ist es leider zu spät und es tut mir unendlich leid für Frau Kubinger. Habe jetzt eine Kerze angezündet für Fritzi im Namen aller Katzen und Haustierfreunde!
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