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Ausgabe Nr. 27/2018 vom 03.07.2018, Foto: zvg
Vater Günther Weichslberger ist verzweifelt.
Meine Tochter ist nur noch ein lebloser Körper“
Leonie, 11, kam kleinwüchsig zur Welt und ihr sehnlichster Wunsch war, größer zu sein. Deshalb wurden ihr Schienen implantiert, die ihre Beine in sechs Monaten um 5,5 Zentimeter „wachsen“ ließen. Doch der Preis für diese wenigen Zentimeter war hoch – zu hoch. Nachdem ihr die Schienen wieder entfernt wurden, liegt das Mädchen im Wachkoma. Leonie wird für immer ein Pflegefall sein.
Papa, heute ist der schönste Tag in meinem Leben“, sagte Leonie am 12. Juni des vergangenen Jahres freudestrahlend zu ihrem Vater, bevor sie in den Operationssaal geschoben wurde. An jenem Tag wurden dem damals zehn Jahre alten Mädchen im orthopädischen Spital Speising (W) Schienen entfernt, die ihr zuvor in ihre Beine implantiert wurden. Ein halbes Jahr voller Schmerzen sollten mit dem 20-minütigen Eingriff zu Ende gehen. Mit Leonie freuten sich auch Mama Katharina Weichslberger, Vater Günther und allen voran ihr kleiner Bruder Philipp. Ihre Angehörigen wussten nicht, dass das Leonies letzte Worte waren.

„Leonie ist kleinwüchsig geboren worden“, berichtet die Mutter vom Grund für die Implantierung der Fixateure, wie diese Schienen genannt werden. „Kleinwüchsige Menschen haben im Alter oft Probleme mit den Gelenken oder der Wirbelsäule. Um dem vorzubeugen und weil es Leonies Wunsch war, größer zu sein, haben wir uns für eine Unterschenkelverlängerung entschieden.“ 14 Schrauben wurde an Leonies Unterschenkel angebracht, die nach einem genauen Drehplan nachgedreht werden mussten. Dadurch wurden die Beine des Kindes verlängert. Die vielen Wochen mit Schienen waren qualvoll, aber Leonie war tapfer und freute sich über die Erfolge. „Nach sechs Monaten war unsere Tochter 112 Zentimeter groß, ,wuchs‘ also um 5,5 Zentimeter“, sagt Vater Günther Weichslberger.

Daher war die Freude der in Graz (Stmk.) lebenden Familie verständlich, dass die Qualen am 12. Juni 2017 ein Ende haben sollten. Nach der Operation wurde Leonie schlafend auf die Aufwachstation gebracht. Etwa 25 Minuten später wurde das Mädchen auf die Normalstation verlegt, wo ihre Mutter auf sie wartete. „Schon beim Eintreffen schnarchte Leonie laut, was mir komisch vorkam“, erinnert sich die 38jährige. „Dann hörte sie plötzlich zu atmen auf. Nachdem ich keinen Puls mehr bei ihr fühlen konnte, aktivierte ich den Notfallknopf und begann unverzüglich mit der Reanimation“, berichtet die Mutter von der dramatischen Situation. „Pflegepersonal und Ärzte kamen und reanimierten meine Tochter. Leonie wurde dann auf die Intensivstation ins Wiener Donauspital überstellt.“ Bei einer Computertomographie stellte sich heraus, dass es bei Leonie aufgrund eines Sauerstoffmangels zu schweren Hirnschädigungen gekommen ist.

„Ich habe meine Tochter nicht wiedererkannt. Sie war im Grunde vor der Operation gesund und danach nur noch ein lebloser Körper“, sagt Günther Weichslberger. Die ehemalige Einser-Schülerin, die für das Grazer Lichtenfels Gymnasium angemeldet war, liegt nun seit einem Jahr im Wachkoma. Leonie leidet am apallischen Syndrom, das zu den schwersten Krankheitsbildern der Neurologie zählt. „Es ist ihr nicht möglich, etwas mit den Augen zu fixieren. Sie hat Muskelkrämpfe, die für sie schmerzhaft zu sein scheinen. Bei lauten Geräuschen bekommt sie Schreianfälle. Leonie kann nicht reden, nicht einmal im Rollstuhl aufrecht sitzen. Sie kann weder kauen noch beißen“, zählt der 46jährige Vater einige Symptome auf. Für die Familie ist die Situation schrecklich. „Unser acht Jahre alter Sohn Philipp leidet sehr. Leonie war sein großes Vorbild“, sagt Weichslberger, der die Grazer Anwältin Karin Prutsch mit seinem Fall beauftragt hat.

„Laut einem Privatgutachter war der postoperative Aufenthalt auf der Aufwachstation zu kurz bemessen und bei längerer fachgerechter Beatmung wäre der Atemstillstand vermeidbar gewesen“, sagt die Juristin. „Dieser Atemstillstand führte zu einer massiven Sauerstoffunterversorgung und hat somit irreversibel das Gehirn und auch den Herzmuskel geschädigt. Die diensthabende Krankenschwester ist nach ihren eigenen Angaben nicht darüber informiert worden, dass Leonie auf die Station gebracht wurde. Dadurch war eine Überwachung von Leonie nicht möglich. Laut dem Privatgutachter kam es mangels postoperativer Überwachung auch zu diesem bedauerlichen Vorfall. Die diensthabende Krankenschwester hat einige Wochen zuvor per E-Mail auf Probleme in der Kinderabteilung hingewiesen und auch darüber, dass Gefahr in Verzug vorliegen würde. Ich habe eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Wien gegen den Rechtsträger des Krankenhauses eingeleitet wegen des Verdachtes der fahrlässigen Körperverletzung. Solange eine rechtskräftige Verurteilung nicht vorliegt, gilt aber die Unschuldsvermutung“, sagt Prutsch.

„Das Leben unserer Tochter wurde zerstört. Sie bleibt für
immer ein Pflegefall. Das Spital soll zur Verantwortung gezogen und es sollen Maßnahmen getroffen werden,
dass so etwas nie mehr passiert“, sagt Günther Weichsl-
berger, der ein gebrochener Mann ist. Er befindet sich seit April im Krankenstand, weil „ich psychisch einfach nicht mehr kann“. Da die Familie nun auf jede Unterstützung angewiesen ist, veröffentlichen wir ihr Spendenkonto: „Leonie Weichslberger“, Steierm. Sparkasse,
BIC: STSPAT2GXXX,
IBAN: AT09 2081 5000 2661 9296
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