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Ausgabe Nr. 26/2018 vom 26.06.2018, Foto: Trölß
Pfarrer Golatz hält sonntags die Predigt in der Kirche von Gutau (OÖ). Viele Menschen haben ihn nach dem Abspecken nicht wiedererkannt.
„Gott half mir, meinen Fettberg wegzukriegen“
Er brachte bereits 175 Kilo auf die Waage. Das Gehen fiel Pfarrer Andreas Golatz, 42, schon schwer. Dann beschloss er, abzunehmen. Das gelang ihm mit Gottes Hilfe. Heute ist er um 100 Kilo leichter und voller Tatendrang. Er will jetzt sogar einen Halbmarathon laufen.
Ich habe Gott um Kraft gebeten. Er möge mir die Kraft geben, durchzuhalten, um meinen Berg zu versetzen. Meinen Fettberg. Das habe ich geschafft. Ich bin überzeugt davon, dass mein Glaube und meine Gebete geholfen haben“, erzählt Andreas Golatz. Der 42jährige litt an Übergewicht, bis er es nicht mehr aushielt und abzuspecken begann. Nun haben die Bewohner von Gutau in Ober-österreich einen neuen Menschen, der ihnen sonntags die Predigt hält. Denn Golatz ist Pfarrer und um 100 Kilo leichter, hallelujah.

Der Ruf des Herrn ereilte ihn bereits in der Volksschule. Zunächst diente er als Ministrant. Der auch damals schon seine Kleider weiter schnüren musste. „Bei Torten und Keksen konnte ich nicht Nein sagen. Ich war eben ein ,Süßer‘. Deshalb galt ich bereits in der Volksschule als dick. Und ich umgab mich mit Kindern ähnlichen Ausmaßes. Nach dem Motto, gleich und gleich gesellt sich gern.“

Dass er gehänselt wurde, war freilich nicht angenehm. Es machte Golatz zum Außenseiter. Bis der in Steyregg nahe Linz (OÖ) aufgewachsene Bub das öffentliche Gymnasium abbrach und ins Petrinum nach Linz wechselte. Dort im Internat fasste er langsam Fuß. Die Sticheleien wurden weniger. Golatz führt dies auf die jahrelang gleichgebliebene Klassengemeinschaft zurück, in der irgendwann einmal der Anreiz verlorenging, den „Dicken“ zu hänseln. „Ich durfte sogar beim Fußballspielen mitmachen und stand im Tor. Ansonsten ging der Sport eher an mir vorbei“, erinnert sich der Herr Pfarrer mit einem Lächeln. „Im Geräteturnen hätte ich ein ,Nicht genügend‘ verdient, aber soweit kam es nicht. Dass ich Freundschaften knüpfte, lag sicher auch an unserem gemeinsamen Interesse für die Religion. Als ich mit 19 Jahren maturierte, brachte ich bei einer Körpergröße von 191 Zentimetern 140 Kilo auf die Waage.“ Doch das war noch nicht der Anschlag für die Nadel. Der wurde Jahre später erst bei 175 Kilo erreicht. „Ich habe deshalb zugenommen, weil nach der Schule der regelmäßige Turnunterricht fehlte, ich aber weiterhin mit Heißhunger gegessen habe.“

Nur ein Mal gelang es dem Geistlichen, Gewicht zu verlieren. Im Jahr 2004, nach seinem Studium. „Ich absolvierte von Ostern bis Weihnachten ein Praktikum in San Francisco (USA), half im Büro mit und leitete eine Jugendgruppe. Dass ich in diesen acht Monaten 20 Kilo abnahm, erfolgte unbewusst. Die Stadt faszinierte mich und ich wollte mehr davon sehen, also marschierte ich kreuz und quer. Auch am Strand entlang. Bis zu fünf Kilometer bin ich damals am Meer gewandert. Das tat mir gut.“

Wieder daheim, trat der berühmte Jo-Jo-Effekt ein. Die Nadel auf der Waage kletterte auf 175 Kilo. Da war aus dem Praktikanten bereits ein Priester geworden, der in Traun eine Kaplansstelle innehatte und von 2010 bis 2014 der Pfarre Bindermichl in Linz als Administrator diente. Danach übernahm Golatz die Pfarre in Gutau im Bezirk Freistadt. Die Wege dort brachten die Erleuchtung. „Wenn ich vom Pfarramt die etwa 200 Meter zum Gasthaus gehen wollte, musste ich eine Verschnaufpause einlegen“, erinnert sich der 42jährige Pfarrer. „Der Alltag war im wahrsten Sinn des Wortes beschwerlich. Ich überlegte mir genau, wohin ich ging und ob ich dabei Stiegen steigen musste. Es war eine Katastrophe. Bei Begräbnissen musste ich die Stiegen zur Leichenhalle hinunter und wieder hinauf zur Kirche und hinunter zum Friedhof gehen. Das war eine Qual. Die Musikkapelle hat mir geholfen. Immer, wenn sie gespielt hat, konnte ich verschnaufen. Schrecklich. Am 27. August 2016 schaute ich in den Spiegel und sagte zu mir: Mein Gesicht ist rund und ich bin füllig. So kann es nicht weitergehen. Der innere Schweinehund, der bis dahin die Oberhand behalten hatte, musste besiegt werden. Mit Gottes Hilfe sollte dies gelingen. Am gleichen Tag begann ich, abzunehmen.“

Mit fünf „fast“ perfekten Kniebeugen am Abend des 27. August fing das Abnehmen an, 100 Kilo sollten runter. Zunächst mussten die Heißhunger-Attacken bekämpft werden. Dies gelang durch fünf Sitzungen bei einem Hypnose-Therapeuten. „Er hat mich darauf gepolt, auf gesunde, ausgewogene Ernährung zu achten, Gemüse und Obst zu mir zu nehmen. Er hat mir die positive Auswirkung dargelegt, nie gesagt, was ich nicht darf, sondern stets, was für mich gut ist.“ Bereits nach der zweiten Sitzung waren die Heißhunger-Attacken weg. „Dann begann ich, selbst zu kochen. Und nach einem Monat hatte ich zehn Kilo verloren, nach dem zweiten sogar 22 Kilo. Vor Süßspeisen graute es mir mittlerweile.“

Dennoch war es nicht leicht, weiterzumachen. Wenn er schwach wurde, besann sich der Pfarrer auf seinen Glauben. „Ich habe Gott um Kraft gebeten, Kraft, um mich zu bewegen. Schließlich wusste ich, dass nur mit Sport der Erfolg zu erreichen war.“ Pfarrer Golatz begann mit wenigen Schritten und steigerte sich bis auf eine Distanz von zehn Kilometern. „Ein Jahr nach meinem Entschluss, abzunehmen, hatte ich 100 Kilo weniger. Mein Fettberg war weg. Menschen haben mich nicht wiedererkannt. Die Veränderung war unglaublich, meine Priesterkleider spannen nicht mehr und ich trage statt Größe XXXL nun Größe M. Meine Hausärztin empfahl mir, Kieselerde einzunehmen. Das wirkt bindegewebsstraffend, deshalb brauche ich keine Operation. Ich habe keinen überhängenden Hautlappen.“ Stufen sind heute kein Problem mehr, blutdrucksenkende Tabletten nicht mehr nötig. Gott hat ein Schäfchen mehr mit Idealgewicht. Eines mit Ambitionen. „Ich möchte einen Halbmarathon laufen. Gott gab mir die Kraft, bis hierher zu kommen. Er wird mir zur Seite stehen, um auch dieses Ziel zu erreichen.“
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