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Ausgabe Nr. 22/2018 vom 28.05.2018, Foto: picturedesk.com
Fußball-Teamchef Foda
„Manche Spieler musst du provozieren, andere in den Arm nehmen“
Mit dem Selbstvertrauen von fünf Siegen in Serie geht die heimische ÖFB-Nationalelf in ihre rot-weiß-rote „Mini-WM“ mit den Testspielen gegen Russland, Deutschland und Brasilien. Im Interview erklärt Teamchef Franco Foda, welche Sünden der Spieler er nicht akzeptieren kann, welche Musik er liebt und warum er sich gern als Zorro kostümiert.
Wenn der deutsche Teamchef der rot-weiß-roten Nationalmannschaft Franco Foda am kommenden Samstag in Klagenfurt (K) gegen sein Heimatland antreten muss, wie sehr kribbelt‘s da?
Es waren immer Prestigeduelle, und das wird jetzt auch der Fall sein, unabhängig von meiner Person. Ich freue mich auch darauf, einige Bekannte zu treffen. Unter dem DFB-Trainer Joachim Löw habe ich in Stuttgart selbst gespielt, sein Co-Trainer Thomas Schneider war dort mein Mitspieler. Der Aspekt der Staatsbürgerschaft ist bei diesem Duell für mich aber nicht bedeutsam. Wir leben seit zwanzig Jahren in der Steiermark, haben hier unsere Söhne Sandro und Marco großgezogen und von Land und Leuten ebenso viel mitgenommen wie von der Zeit in Deutschland. Mein Vater war Italiener und auch von der Emotionalität dieses Landes steckt etwas in mir drin.

Wer wird die Weltmeisterschaft in Russland gewinnen, die am 14. Juni beginnt?
Ich glaube, dass einer aus dem Quartett Spanien, Frankreich, Deutschland oder Brasilien den Titel holen
wird. Bei Brasilien, dem Land, das bisher die meisten WM-Titel gewonnen hat, muss abgewartet werden, wie fit Neymar sein wird. Außenseiterchancen sehe ich bei Uruguay, England und vielleicht noch bei Portugal mit Ronaldo. Wir werden sehen, was Russland mit dem Publikum im Rücken bewegen kann.

Wie zufrieden sind Sie mit dem jüngsten Auftreten
Ihrer eigenen Mannschaft?

Wir konnten die vergangenen Spiele gewinnen, ohne das überbewerten zu wollen. Wir sind vom System her variabel aufgetreten und haben ein gutes Umschalt- und Positionsspiel gezeigt. Jetzt gilt es, das zu festigen und weiterzuarbeiten. Es hat sich auch personell eine neue Hierarchie gebildet. Darauf müssen wir aufbauen und den nächsten Schritt machen.

Vor der EM 2016 waren wir auf Platz zehn, dann wieder auf Platz 57 der Weltrangliste. Ist das ständige Auf und Ab unser Schicksal?
Das ist schwer zu sagen, auch große Länder wie die Niederlande und Italien haben es ja nicht zur WM geschafft. Ich glaube einfach nur, dass, wer einen klaren Plan hat, auch langfristig erfolgreich sein wird. Mir persönlich ist ganz wichtig, dass die Spieler auf dem Feld immer alles geben. Sich nachher zu ärgern, dass wir es mit ein paar Prozent mehr Einsatz schaffen hätten können, ist eine Sünde, die ich nicht akzeptieren könnte.

Sie gelten als Trainer, der kein Problem hat, mit seinen Spielern in den Konflikt zu gehen …
Als Trainer sollst du immer unberechenbar bleiben. Es ist wichtig, dass die Mannschaft nie genau weiß, was auf sie zukommt. Das ist auch der Situation geschuldet. Ich kann laut sein, leise sein, bedacht sein, sachlich sein, aber ich kann auch provozierend oder fordernd sein. Jeder Spieler braucht seine eigene Art der Ansprache, manche muss ich „kitzeln“, andere musst du in den Arm nehmen. Es gilt, den Kanal zu finden, wie du jeden Einzelnen optimal förderst.

Von welchem Beruf haben Sie als Kind geträumt?
Ich wollte Architekt oder Pilot werden. Das technische Zeichnen in der Schule hat mir extrem viel Spaß gemacht, es hätte mir gut gefallen, Dinge zu entwickeln, Ideen zu verwirklichen und aufzuzeichnen. Heute überlasse ich das Design zum Großteil meiner Frau Andrea, die in der Innenarchitektur äußerst bewandert ist und einen guten Geschmack hat. Unsere Wohnung ist recht modern und schick eingerichtet.

Sie betonen gerne, sich als Mensch nicht verstellen zu wollen. Schlüpfen Sie als Sohn der Karnevalsstadt Mainz dennoch gern hinter eine Maske?
Ja, denn ich verstelle mich ja nicht, wenn ich verkleidet bin. Das gehört eher dazu, mich authentisch zu präsentieren, denn ich habe kein Problem damit, ein Kostüm zu tragen oder Spaß zu haben. Im Fasching suchen meine Frau und ich uns jedes Jahr ein neues Motto für die Verkleidung aus. Zuletzt ging ich etwa als Pirat und Zorro, einfach weil ich als Kind Zorro-Filme gern mochte. Dann sehen wir uns am Faschingsdienstag in Graz mit Freunden den Umzug an.

Auch als Musikliebhaber passen Sie gut ins Land von Mozart und Johann Strauß. Was mögen Sie am meisten?
Ich war mit meiner Frau kürzlich im Musical „I am from Austria“, habe mir aber auch Konzerte von Elton John, Milow, der „Kelly Family“ oder Andreas Gabalier angehört. Im Sommer gehe ich zu James Blunt und Helene Fischer. Ein Instrument zu spielen, habe ich leider nie geschafft, in der Schule war ich in Musik nicht gut.
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