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Ausgabe Nr. 20/2018 vom 15.05.2018, Foto: Fotolia
Eine neue Injektionstherapie zerstört Melanom-Metastasen in der Haut.
Hoffnung auf Heilung bei schwarzem Hautkrebs
Der Frühling zeigt sich von seiner Sonnenseite. Doch ohne Schutz ist die Haut rasch überfordert. Das zeigen die steigenden Hautkrebszahlen. Neue Therapien erhöhen die Chancen auf ein (längeres) Überleben.
Viel Sonnenschein und Temperaturspitzen, die mancherorts an der 30-Grad-Marke kratzen. Der meist wetterlaunige April zeigte sich heuer von einer fast sommerlichen Seite und der „Wonnemonat“ Mai macht seinem Spitznamen alle Ehre. So sehr die vielen Sonnenstunden das Herz erfreuen, wer in der Sonne nicht aufpasst, fügt seiner Haut (langfristig) erheblichen Schaden zu.

Der Grund dafür sind die UV-Strahlen im Sonnenlicht, die im Übermaß Hautkrebs auslösen können. Vor allem der schwarze Hautkrebs, der aus den Farbzellen der Haut entsteht, ist gefährlich. Er wächst, ausgehend von der Haut, in die Tiefe und kann Metastasen bilden. Manchmal in der Haut, dann in den Lymphknoten und schließlich in den Organen. Jedes Jahr erkranken, so das Österreichische Krebsregister, etwa eintausendfünfhundert Menschen an einem Melanom, wie der schwarze Hautkrebs genannt wird. Die Dunkelziffer soll mehr als doppelt so hoch sein, und rund vierhundert Menschen sterben daran. Bis zum Jahr 2030 werden sich diese Zahlen laut einer Studie des Gesundheitsministeriums um mehr als fünfzig Prozent erhöhen.

Tumorzellen bremsen das Immunsystem

Die Diagnose Melanom ist heute kein Todesurteil mehr. „Wird ein schwarzer Hautkrebs frühzeitig erkannt, ist er meist durch chirurgisches Entfernen heilbar. Anders ist das, wenn ein Melanom Metastasen gebildet hat. Sind sie durch eine Operation nicht zu entfernen, lag die durchschnittliche Überlebensrate bis vor wenigen Jahren bei sechs bis zwölf Monaten“, sagt Prof. Christoph Höller von der Uniklinik für Dermatologie der MedUni Wien und vom Allgemeinen Krankenhaus Wien (AKH). Heute liegt die Überlebensrate bei inoperablen metastasierten Melanomen im Durchschitt bei 26 und mehr Monaten. Das ist neuen Therapien zu verdanken, deren wichtigster
Vertreter die Immuntherapie ist. Sie hilft dem Immunsystem im Kampf gegen die Tumorzellen. „Tumorzellen senden Signale aus, die unsere Abwehrzellen ruhigstellen. Dadurch werden sie vom Immunsystem nicht angegriffen und können sich ungehindert vermehren. Mit Hilfe von im Labor hergestellten Antikörpern schalten wir
diese ‚Bremssignale‘ der Tumorzellen nun aus, und die körpereigenen Abwehrzellen können sich wieder ‚an die
Arbeit machen‘, das heißt, die Tumorzellen bekämpfen“, erklärt Prof. Höller die Wirkungsweise der neuen Therapie, für die Patienten alle zwei Wochen eine Infusion bekommen.

Die Rückkehr von Metastasen verhindern

„Die Erfolge sind gut. Bei bis zu jedem zweiten Patienten verkleinert sich der Tumor um ein Drittel, bei vielen stagniert er. Für die Patienten bedeutet das einen Gewinn an Lebenszeit, und nicht nur das. Mit dieser Therapie, die auch ‚schlafende‘ Tumorzellen angreift und so ein Wiederauftreten von Metastasen verhindern kann, bildet sich bei bis zu zwanzig Prozent der Patienten der Tumor komplett zurück. Das war mit Chemotherapie nicht möglich.“ Eine weitere Form der Immuntherapie kommt bei Patienten zum Einsatz, deren Melanom noch keine Organ-, aber bereits Unterhaut-Metastasen gebildet hat. „Hierfür wird ein abgeschwächtes Fieberblasenvirus in den Hautkrebs injiziert. Diese Fieberblasenviren vermehren sich nur in Tumorzellen und zerstören sie dabei. Zusätzlich sorgen sie über ein eigenes Enzym dafür, dass das Immunsystem aktiv wird und ebenfalls die Tumorzellen bekämpft“, erklärt der Experte. Schließlich haben die Ärzte noch einen neuen „Pfeil im Köcher“, die molekular gezielte Therapie. „Dabei handelt es sich um Medikamente, die jenes Gen ruhigstellen, das der Tumorzelle das Signal zum Wachsen sendet. Das Medikament unterbricht das Signal, der Tumor wächst nur langsam oder gar nicht weiter. Ein Teil der Patienten spricht gut auf diese Behandlung an“, bestätigt Prof. Höller.

Der richtige Lichtschutzfaktor im Alltag

Damit der schwarze, aber auch der weiße (und leichter zu behandelnde) Hautkrebs keine Chance bekommen, betonen Hautärzte die Wichtigkeit des Hautschutzes.

„Wichtig ist, Sonnenbrand zu vermeiden. Er schädigt die Hautzellen so massiv, dass daraus Hautkrebs entstehen kann. Vor allem Sonnenbrände in der Kindheit stellen ein hohes Risiko dar“, warnt die Hautärztin Dr. Sylvia Holle-Robatsch aus Wien. Für Menschen, die am Tag meist in Räumen sind, empfiehlt die Ärztin Lichtschutzfaktor 15. Wer in seiner Freizeit draußen sportelt, im Garten arbeitet oder mit Kindern am Spielplatz spielt, ist mit Schutzfaktor 30 gut versorgt, doch wer beruflich im Freien ist, sollte unbedingt Schutzfaktor 50+ wählen. „Dabei nicht mit Sonnencreme sparen. Im Gesicht die Schutzcreme vor der Tagescreme auftragen, damit sie ihre volle Wirkung entfaltet“, sagt Dr. Holle-Robatsch und rät, veränderte Hautstellen und Muttermale rasch ärztlich untersuchen zu lassen. „Die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Hautarzt ist schmerzfrei, dauert nur wenige Minuten und hilft, Hautkrebs so früh wie möglich zu erkennen.“
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