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Ausgabe Nr. 19/2018 vom 07.05.2018, Foto: picturedesk
Sahara-Staub bringt Bakterien und Pilze zu uns
Der Sand aus Afrika erhöht zwar vielerorts die Fruchtbarkeit des Bodens, enthält aber auch Krankheitskeime. Und die können sogar über Jahrhunderte überdauern. So geriet im Jahr 1838 der Seefahrer Robert James im Atlantik in einen Wüstensturm. Geistesgegenwärtig hing er ein nasses Handtuch an den Mast, um den Staub aufzufangen. Wieder an Land, schickte er die Probe an den Naturforscher Charles Darwin, um „der Geologie etwas Gutes zu tun“. 170 Jahre später profitierten erstmals Wissenschaftler von diesem Staub, die darin zwölf Pilz- und 15 Bakterienarten nachweisen konnten. Doch wie genau sich der rote Wüstensand auf unsere Gesundheit auswirkt, ist noch unklar.
Luftpost aus der Sahara
Der in den vorigen Wochen anhaltende Saharawind aus Nordafrika brachte uns nicht nur sommerliche Temperaturen, sondern wehte auch tonnenweise roten Wüstenstaub ins Land. Was für trübe Aussichten, erhöhte Feinstaubwerte, schmelzende Gletscher und Asthmatiker in Atemnot sorgte.
Oft waren in den vergangenen Wochen knallrote Sonnenuntergänge zu sehen. Mancherorts fiel auch „Blutregen“, der zum Ärger vieler Autofahrer einen lästigen Staubfilm auf den heißgeliebten Gefährten hinterließ. Und an einigen Tagen schimmerte unser Himmel gar milchig-trüb.

Verantwortlich für dieses apokalyptisch wirkende Schauspiel waren Abermilliarden Sandkörnchen aus der Sahara, die in gigantischen roten Wolken unser Land bestäubten.

„Ein seltenes, aber nicht unbekanntes Naturphänomen, das meist im Frühsommer und im Herbst etwa zehn Mal pro Jahr bei uns auftritt“, weiß der Meteorologe Nikolas Zimmermann vom Wetterdienst „Ubimet“. Als Voraussetzung müssen allerdings äußerst starke Hoch- und Tiefdruckgebiete zusammenkommen, die einen Ventilatoreneffekt entstehen lassen, der den Staub aus der Wüste weht.

„Wenn also beispielsweise Kaltluft über Spanien weit nach Süden vorstößt, können sich über Marokko und anderen Teilen Afrikas Tiefdruckgebiete mit heftigen Winden bilden, die den Sand kilometerhoch aufwirbeln“, erklärt der Experte.

Und weil an der Vorderseite solcher Tiefs zumeist auch starker Südwind vorherrscht, „kommt neben warmer Luft auch tonnenweise Wüstensand zu uns“. Tatsächlich wird kaum ein Ort der Welt nicht mit den winzigen Staubkörnern vom „Schwarzen Kontinent“ bedeckt.

Laut neuesten Studien gelangen weltweit jedes Jahr bis zu eineinhalb Milliarden Tonnen Sand aus den Wüsten in unsere Atmosphäre. Nahezu 70 Prozent stammen aus Nordafrika, also knapp mehr als eine Milliarde Tonnen. Eine unvorstellbare Menge, die sich nicht selten zu mehreren hundert Quadratkilometer großen Staubwolken vereint, die sogar auf den Satellitenbildern der Weltraumbehörde „NASA“ gut zu erkennen sind. Kein Wunder, denn bei passenden Wetterverhältnissen ziehen diese Wolken in bis zu sieben Kilometer Höhe über unseren Globus und legen dabei Distanzen von mehreren tausend Kilometern zurück.

Ungefähr 40 Millionen Tonnen Sand aus der „Bodélé-Niederung“ im zentralafrikanischen Tschad, der staubigsten Region der Erde, gelangen so jedes Jahr bis in den mehr als 5.000 Kilometer entfernten südamerikanischen Amazonasdschungel, wo der nährstoffreiche Sand nach seiner zehntägigen Reise die riesigen Urwaldbäume sprießen lässt.

„Selbst auf Hawaii, einem der staubärmsten Orte der Welt, ist der Phosphor nachweisbar, der mit afrikanischem Sand dorthin gelangt ist“, berichtet der amerikanische Atmos-
phärenforscher Oliver Chadwick.

Die „Luftpost aus der Sahara“ bildet zudem auch die Grundlage der Karibischen Inseln, „deren oberste Erdschichten zum Großteil aus Wüstensand bestehen“, sagt der Forscher.

Schätzungsweise bis zu 100.000 Tonnen Sand aus Nordafrika landen an manchen Tagen auch in unserem Land, wo er nicht ganz so beliebt ist. Zum einen, weil er sich gerne auf Autos und Fensterscheiben niederschlägt. Zum anderen, weil er sich zum Leidwesen von Asthmatikern auch auf die Atemwege negativ auswirken kann.

Selbst unsere Gletscher kommen durch den Wüstenstaub ins „Schwitzen“, was sich manchmal vor allem im Tiroler Oberinntal durch bräunlich-gelb verfärbte Berge bemerkbar macht. „Der Schnee erwärmt sich dadurch rascher und der Schmelzvorgang wird beschleunigt. Damit drohen speziell in den Sommermonaten neuerliche Massenverluste der Gletscher“, sagt Nikolas Zimmermann. Laut Wetterdienst bleiben uns die sommerlichen Temperaturen in den nächsten Tagen erhalten. Neben den derzeit zahlreichen gelben Fichtenpollen könnte uns schon bald wieder eine Ladung roter Saharastaub drohen. Hwie
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