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Ausgabe Nr. 19/2018 vom 07.05.2018, Fotos: zvg
Jakob Ulreich ist 48-facher Staatsmeister im Inline Skaten
Jakob Ulreich mit Frau Marta und Tochter Leonore
Der Konkurrenz immer eine Rolle voraus
Vier Rollen sind sein Leben und das Dahinflitzen mit bis zu 45 km/h seine Leidenschaft. Mit seiner Frau und Trainerin Marta und Tochter Leonore bereist der Inline-Speedskater Jakob Ulreich, 28, Europa, in einer Woche will er seine Sammlung von 48 Staatsmeistertiteln noch ein Mal erweitern.
Nicht nur „Papa“ Jakob Ulreich, 28, spielt gerne mit den Dutzenden verschiedenen Skating-Rollen in seiner Reisetasche, auch Töchterchen Leonore liebt sie. „Seit sie im Jänner geboren wurde, hat sich mein Leben stark verändert“, schmunzelt das Inline-Skate-Ass. Vater, Mutter Marta, 34, und beider Kind tingeln derzeit gemeinsam durch Europa, eine kleine glückliche Inline-Skate-Familie. „Meine Frau stammt aus Portugal, war selbst früher auf Speedskates erfolgreich und betreut mich jetzt als Trainerin“, erzählt er von der erfolgreichen Verbindung.

Beachtliche 48 Meistertitel bezeugen seit vielen Jahren schon Jakob Ulreichs klare Vormachtstellung im eigenen Land, vor allem auf den Langdistanzen. Am 26. und 27. Mai wittert der Medizinstudent bei den Staatsmeisterschaften in Ober-Grafendorf (NÖ) sowohl über die 500, 1.000 als auch 10.000 Meter einmal mehr Titelchancen, wenige Tage später folgt der Europacup in Wörgl (T). Bei einigen dieser Bewerbe wird auch die achtfache Inline-Skate-Europameisterin und Olympia-Vierte im Eisschnelllaufen, Vanessa Herzog erwartet, die bei den Damen das große Aushängeschild ist. Sie ist international doch deutlich erfolgreicher als Ulreich. „Ich war bei WM und EM immerhin schon drei Mal knapp am Podest dran“, erinnert er sich. „Eine Medaille bei der WM im Juli oder der EM im August wäre die Krönung meiner Karriere.“

Wenn der gebürtige Burgenländer, der heute in Wien lebt, mit bis zu 45 km/h auf Titeljagd geht, trägt er an seinen Füßen handgefertigte Arbeitsgeräte aus Leder. „Meine Inline-Skate-Schuhe kosten rund 800 Euro, aber mit Schiene, Kugellager und Rollen kommen da noch einmal rund 450 Euro dazu.“ Die jährlichen „Rollenspiele“ Ulreichs gipfeln in einem Verbrauch von rund 100 Rollen, denn 30 verschlissene Garnituren sind keine Seltenheit. Ähnlich wie der Formel-1-Welmeister Lewis Hamilton seine Reifen wechselt, wählen auch die Inline Skater je nach Wetter und Distanz härtere oder weichere Gummimischungen.

Der artistisch talentierte Ulreich beherrscht den Handstand, kann jonglieren und lernte sogar Einradfahren. Die menschliche Anatomie fesselt ihn seit jeher. „Mich fasziniert beim Inline Skaten das Zusammenspiel von Technik, Taktik und den körperlichen Komponenten“, nennt er den großen Zauber jener Sportart, die in unserem Land 25.000 Hobbysportler regelmäßig ausüben. Ulreich sauste auf seinen vier Rollen auch schon über Rennstrecken in China, Südkorea und Kolumbien, obwohl es in seinem Metier kaum Geld zu verdienen gibt. „2017 habe ich zum ersten Mal in meinem Sportlerleben ein Jahr finanziell positiv abgeschlossen“, lächelt er. „Aber ums Geld ist es mir nie gegangen.“

Das wissen auch die Verantwortlichen bei seinem Heimatvererein, dem „Österreichischen Inline Skating Club“ ÖISC, in dem sich das Ehepaar Ulreich liebevoll um den Nachwuchs kümmert. „In dieser Familie dreht sich fast alles ums Inline Skaten“, weiß der Vereinsobmann Michael Gaisbauer. Allerdings könnte Ulreichs sportliches Leben bald ein Ablaufdatum haben, berufsbedingt. „In einem Jahr werde ich mit dem Medizinstudium fertig. Eine sportliche Karriere im derzeitigen Umfang wird dann nicht mehr möglich sein.“ W. Kreuziger
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