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Ausgabe Nr. 19/2018 vom 07.05.2018, Foto: Trölß
Kreatives Chaos herrscht am Schreibtisch des Forschers.
Prof. Dr. Josef Penninger hat ein großes Ziel: "Keine Frau soll an Brustkrebs sterben"
Prof. Dr. Josef Penninger ist einer der renommiertesten Wissenschaftler unseres Landes. Der im Jahr 1964 in Gurten geborene Oberösterreicher promovierte im Jahr 1990 in Innsbruck, und stieg zum anerkannten Forscher in Wien auf. Mit seiner Arbeit hofft der 53jährige, Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahren zu können.
Nach 16 Jahren als Wissenschaftlicher Direktor des Institutes für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IMBA) in Wien zieht sich Prof. Dr. Josef Penninger, 53, von dieser Funktion zurück. Ab Dezember wird der Innviertler (OÖ) im kanadischen Vancouver das „Life Sciences“-Institut leiten. Im Interview verrät der Wissenschaftler aus Leidenschaft, warum er nach Kanada geht, spricht über seine Visionen, verrät, warum eine gelbe Quietschente bei ihm am Schreibtisch steht und mit wem er Fußball spielt.

Herr Professor Penninger, warum kehren Sie Ihrer Heimat den Rücken?
Ich habe jetzt sechzehn Jahre lang dieses Institut geleitet. Hier, wo wir sitzen, war ein Loch im Boden. Ich war der erste Angestellte. Jetzt haben wir 220 Mitarbeiter und ungefähr 35 Millionen Euro Budget im Jahr. Viele meiner Mitarbeiter haben Preise bekommen. Ich bin wahnsinnig stolz darauf, was wir hier erreicht haben, aber es ist Zeit für eine andere Person, die das vielleicht in andere Richtungen lenkt. Mit ein Grund für meinen Wechsel ist auch, dass wir auf diese Weise Internationalisierung für unser Institut betreiben können. Wir können Studenten hinüberschicken und die Kanadier können ihre Studenten hierherschicken. Wir können gemeinsame Programme entwickeln. Ich empfinde das auch als notwendigen Schritt für das Institut. Dazu musste ich halt meine Arbeit hier aufgeben und eine andere beginnen. Und ich kehre meiner Heimat ja nicht den Rücken. In meinem Vertrag mit Kanada ist vereinbart, dass ich 20 Prozent meiner Zeit in Österreich verbringen darf.

Internationales Aufsehen erregt haben Sie mit einigen Entdeckungen. Welche sind für Sie die wesentlichsten?
Wir haben den ersten genetischen Beweis geliefert, dass ein Protein, das RANK-Ligand (RANKL) heißt, das essentielle Protein für Knochenschwund ist. Basierend auf unserer Entdeckung wurde ein Medikament entwickelt, das gezielt Knochenschwund bei Krebs und Osteoporose abbaut. Denosumab heißt das Medikament, das RANK-Ligand blockiert. Das ist ein Anti-Körper, der zwei Mal für Osteoporose unter die Haut gespritzt wird.

Ihre aktuelle Entdeckung ist, dass RANKL auch bei
genetisch bedingtem Brustkrebs der entscheidende Faktor für das Ausbrechen von Krebs ist?

Genau. RANKL bringt die Brustzellen zum Wachsen. Die Prävention sollte daher möglich sein. Auch deshalb, weil es dieses vorhin erwähnte Medikament gibt. Wir werden ab nächstem Monat mit einer internationalen Studie mit Frauen beginnen, die eine bestimmte Mutation für genetische Anfälligkeiten für Brustkrebs haben. BRCA 1 heißt das Brustkrebsgen, das auch Angelina Jolie hatte.

Wie lange wird die klinische Studie dauern?
Sie wird etwa fünf Jahre dauern und ungefähr 3.000 Frauen beinhalten. 1.500 Frauen bekommen das Medikament. 1.500 werden ein Placebo erhalten. Nach den fünf Jahren können wir sagen, ob in dieser Gruppe von Frauen mit dieser bestimmten Mutation für Brustkrebs die zweimalige Injektion dieses Medikamentes unter die Haut Brustkrebs verzögert oder verhindert. Das ist auch mein Ziel, dass keine Frau mehr an Brustkrebs sterben muss.

Können sich Frauen darauf testen lassen, ob sie eine BRCA-1-Mutation haben?
Ja, wenn bestimmte Kriterien vorliegen. Wichtigstes Merkmal ist, dass in der Familie der Mutter oder in der Familie des Vaters zumindest insgesamt zwei Fälle von Brustkrebs vorgekommen sein müssen. Wovon einer unter dem 51. Lebensjahr aufgetreten sein muss. Dann bitte unter www.brustgenberatung.at melden. Liegt eine BRCA-1-Mutation vor, kann diese getestete Frau auch noch an der Studie teilnehmen.

Warum bekommt eine Frau Brustkrebs und die andere nicht?
Einfach gesagt, gibt es in unserem Körper ständig genetische Änderungen und „Maschinen“, die das wieder reparieren. Wenn eine der Maschinen nicht mehr funktioniert, können genetische Veränderungen weniger repariert werden und deswegen gibt es den Krebs.

Womit können sich Frauen vor Brustkrebs schützen?
Gesund leben, Sport betreiben und wenn es Anfälligkeiten gibt, zur Frühdiagnose gehen.

Sie betreiben auch Sport?
Ich bin ein „aggressiver Buddhist“ (lacht). Meine erste Reaktion ist „Ahh“ und „Omm“, wenn das alles nicht funktioniert, ziehe ich meine Boxhandschuhe an und haue auf den roten Boxsack in meinem Büro. Meine Leidenschaft ist aber das Fußballspielen. Das mache ich jeden Samstag. Wir sind eine ganz nette Mannschaft. Mit mir spielen Wolfgang Schüssel und Peter Resetarits. Das sind meine „Kickerfreunde“. Danach, wie auch Fußball sein soll, setzen wir uns auf ein Bier zusammen.

Was hat die Quietschente auf Ihrem Schreibtisch für eine Bewandtnis?
Die habe ich mir aus China mitgebracht. Als ich durch die Zollkontrolle im Pekinger Flughafen gegangen bin und die Ente zum Quietschen gebracht habe, ist das nicht gut angekommen (lacht).

Was ist für Sie Erfolg?
Als ich hierhergekommen bin, wurde mir diese Frage schon gestellt. Mein Antwort war, dass, wenn ich wieder weggehe, mich die Hälfte der Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, nicht vollkommen hassen. Ich
glaube, das ist mir gelungen. Aber das ist generell eine schwierige Frage. In der Forschung etwas zu tun, das anderen helfen kann, ist der größte Erfolg, den ich
haben kann.
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