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Ausgabe Nr. 19/2018 vom 07.05.2018, Foto: picturedesk
Die Beichte ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche.
Der Beichtstuhl hat (fast) ausgedient
Rund um Christi Himmelfahrt feiern Tausende Kinder im ganzen Land ihre Erstkommunion. Die erste Beichte liegt dann schon hinter den Achtjährigen. Viele Erwachsene haben sie in schlechter Erinnerung. Mit ein Grund, warum die Beichte ein Schattendasein in der katholischen Kirche führt.
Im Stephansdom ist der Beichtstuhl seit 25 Jahren Geschichte. Mit den Erstkommunions-Kindern setzt sich Toni Faber nicht einmal in das Beichtzimmer. „Wir machen das ,Fest der Versöhnung‘ vorne im Altarraum, die anderen Kinder können zusehen, aber nichts hören“, erzählt der Dompfarrer. „Aus der jüngeren Kirchengeschichte ist nur mehr das für mich gangbar.“ Und es dient auch dazu, „alle Verdächtigungen und Sorgen“ ein für allemal loszuwerden.

Das Wort „Beichte“ leitet sich von „bekennen“ ab. Ein Mal im Jahr ist laut Kirchenrecht jeder Katholik verpflichtet, seine schweren Sünden zu beichten. Doch die meisten haben zuletzt in der Schulzeit gebeichtet.

Die Beichte ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche. Die evangelische Kirche kennt nur zwei, die Taufe und das Abendmahl. Katholische Kinder beichten das erste Mal vor ihrer Erstkommunion. Viele Erwachsene haben daran schlechte Erinnerungen, manche halten die frühe Beichte für nicht mehr zeitgemäß.

„Bei Kindern im Volksschulalter darf ernsthaft überlegt werden, ob für sie die ersten Erfahrungen mit dem Bußsakrament nicht zu früh sind“, sagt auch der Linzer Jesuitenpater Reinhold Ettel. Sie können in diesem Alter zwischen Gut und Böse unterscheiden. „Aber bewusste, gravierend boshafte Entscheidungen, wie sie theologisch zu Sünden werden, kommen bei Kindern in diesem Alter wohl kaum vor.“

In „seiner“ Kirche, im Alten Dom in Linz (OÖ) haben die Gläubigen täglich Gelegenheit zu beichten. „Es können auch Zeiten eigens vereinbart werden.“ Hunderte Aussprachen verzeichnen die Patres jährlich. „Ich mache die Erfahrung, dass das Gespräch und dazu die ausdrückliche Zusage der Vergebung eine hilfreiche Ermutigung bedeuten.“

Weil in vielen anderen Pfarren die Priester fehlen, haben sich Kirchen wie der Stephansdom in Wien als Beicht-Hochburgen etabliert. Dort gibt es einen regelrechten „Beicht-Boom“. „Wir haben von sieben Uhr in der Früh bis zehn Uhr abends jeden Tag 15 Beichtstunden angesetzt“, erklärt Toni Faber. 60 verschiedene Priester in 40 Sprachen nehmen den Menschen die Sünden ab.

Am Land sind es zumeist Wallfahrtskirchen wie die Basilika Maria Puchheim in Attnang-Puchheim (OÖ). „Bei uns kann täglich etwa 20 Minuten vor jeder Messe gebeichtet werden“, sagt der Pfarrer und Redemptoristen-Pater Josef Kampleitner. „Dazu kommen noch Beichtzeiten in der Advent- und Fastenzeit. Und nach telefonischer Vereinbarung.“ Er ist überzeugt, dass das Bußsakrament, zu dem auch die Bußfeiern gehören, „wieder geschätzt wird“.

Einen Beichtstuhl gibt es in der Wallfahrtskirche in Attnang-Puchheim (OÖ) zwar noch, aber auch Aussprachezimmer, in denen niemand knien muss. „Für die Kinder bieten wir natürlich die offene Form an. Aber ältere Menschen bevorzugen oft noch die traditionellere Weise.“

Josef Kampleitner ist Beichtvater und geht auch selbst beichten. „Das ist auch ein psychologischer Prozess, dass sich jemand aussprechen, seine Sorgen loswerden kann. Dass mir jemand zuhört. Auch mir ist wichtig, dass ich die Versöhnung Gottes zugesprochen bekomme.“

Die Wallfahrtskirche Maria Schutz im Semmeringgebiet (NÖ) ist ebenfalls ein „Beicht-Zentrum“. Dort kann täglich am Vor- und Nachmittag gebeichtet werden. Auch anonym. Die Fenster der Beichtstühle sind so zugeklebt, „dass ich das Gegenüber nicht sehe“, schildert der Passionisten-Pater Anton Lässer. Damit haben die Beichtenden die Möglichkeit, unerkannt zu bleiben, wenn sie es möchten. Um eine Hürde weniger überwinden zu müssen. Nicht immer reicht allerdings die geistliche Hilfe. „Wir empfehlen manchmal auch den Gang zu Psychologen“, sagt Pater Lässer.

Was im Beichtstuhl gesagt wird, muss jedenfalls dort bleiben. Das Beichtgeheimnis gilt seit dem Jahr 1215. Der Beichtvater darf den Beichtenden weder durch Worte noch auf andere Weise „verraten“, heißt es im Kirchenrecht. Das gilt auch gegenüber dem Staat, etwa bei Gerichtsverfahren.

Jeder reuige Sünder bekommt die Absolution. Der Wiener Dompfarrer Toni Faber hatte selbst eine „missglückte Beichtkarriere“ als Jugendlicher. „Meine erste Beichte mit zwölf Jahren habe ich mit einer Lüge begonnen. Weil ich mich nicht zu sagen getraut habe, dass ich noch nie beichten war.“ Die Erstbeichte hatte er wegen eines Liegegipses versäumt. Erst im Priesterseminar ging er richtig beichten.
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