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Ausgabe Nr. 18/2018 vom 01.05.2018, Foto: picturedesk.com
Hinter den Fußballerfolgen der Salzburger steckt eine perfekte Maschinerie.
Der Bullen-Stadl erobert Europa
Mit einem Kraftakt gegen Olympique Marseille könnten die Kicker von Red Bull Salzburg in dieser Woche in der Europa League den ersten Finaleinzug eines heimischen Klubs seit 22 Jahren schaffen. Nicht nur ein Erfolg des Augenblicks, denn der Verein fördert seit Jahren Talente auf vier Kontinenten.
Wer Real Saragossa, Borussia Dortmund und Lazio Rom aus dem Bewerb kickt, hat auch gegen Olympique Marseille trotz 0:2 im Hinspiel noch Aufstiegschancen, davon träumen zumindest die „Bullen“ von Salzburg. „Mit einer Sternstunde wie beim 4:1 gegen Lazio können wir den Finaleinzug schaffen“, glaubt der ÖFB-Nationalteamspieler Andreas Ulmer vor dem Rückspiel in Salzburg am Donnerstag.

Doch selbst ohne den ersten Europacup-Finaleinzug eines heimischen Klubs seit Rapids Erfolgslauf im Cupsiegerbewerb 1996 ist dies bereits der größte Erfolg in der Klubgeschichte, im vorigen Jahr hatte die U-19-Mannschaft der Salzburger als erster heimischer Verein die europäische Jugend-Liga gewonnen und Top-Klubs wie Barcelona, Benfica Lissabon und Paris Saint Germain aus
dem Stadion geschossen. Manche der jungen, in der eigenen Akademie geformten Spieler dieses Teams wie Xaver Schlager, 20, und Hannes Wolf, 19, sind nun schon Leistungsträger der Salzburger Europacup-Hel-
den, ebenso wie Amadou Haidara, 20, und Diadie Samassekou, 20 aus Mali. „Unser jahrlang aufgebautes System trägt jetzt Früchte“, bringt es der Liefering-Akademieleiter Ernst Tanner auf den Punkt. „Abgesehen davon, dass wir über Nachwuchsschmieden in Brasilien und den USA verfügen und eng mit einer Akademie in Afrika kooperieren, wird unsere landeseigene Nachwuchsförderung in Europa bewundert. Ich habe schon Experten von Bayern München und Manchester City begrüßt, die sich abschauen, wie wir das machen.“

Die erst im Jahr 2014 auf 100.000 Quadratmeter Grund eröffnete, in dieser Form in Europa einzigartige Akademie, spielt nicht nur infrastrukturell mit sechs Spielfeldern, 92 Internatszimmern, einer Sporthalle, Schwimmbad, riesigem Fitnesszentrum und einer Leistungsdiagnostik alle Stückerl, auch auf das Team der Trainer, Ärzte und Erzieher ist Tanner stolz. „Denn wir haben neben dem sportlichen auch einen erzieherischen Auftrag“, bekräftigt er. „Die Kinder haben keinen Fernseher im Zimmer und müssen sich ihre Wäsche selbst waschen. Wer disziplinär aus der Reihe tanzt, der bekommt Probleme.“ Doch es brauchte mehr als zehn Jahre, bis der erst 2005 in den Fußball eingestiegene Getränkedosenhersteller Dietrich Mateschitz die Erfolge seiner Bemühungen ernten konnte. Mittlerweile haben die „Bullen“ durch ihre eigenen Kaderschmieden nicht nur zumindest für ein paar Saisonen stets Weltklasse-Spieler in ihren Reihen, das Entdecken und Fördern der Talente sind sogar zum Millionengeschäft geworden. Haidara und Samassekou stammen von der Kooperationsakademie aus Mali, der Bullen-Ersatztormann und U-17-Torhüter der „Selecao“, Carlos Miguel, 21, von der Red-Bull-Brasil-Akademie in Campinas. Alle drei gelten als Rohdiamanten, ähnlich wie der in Salzburg aufgebaute Senegalese Sadio Mané, der für 23 Millionen Euro Ablöse nach England ging und nun mit Liverpool kurz vorm Champions-League-Finale steht. Im Herbst wird Naby Keita aus Guinea dort sein Kollege sein, der erst bei Salzburg und dann in Leipzig zur „Reife“ gebracht wurde und für kolportierte 70 Millionen Euro Ablöse an die Liverpooler „Anfield Road“ wechselt.

Doch nicht nur die Kicker, sogar die Trainer formt sich Salzburg selbst. Wie schon vor Jahren Roger Schmidt, der nach den Erfolgen mit Salzburg zu Bayer Leverkusen geholt wurde und nun in China ein Sensationsgehalt kassiert, wurde auch der jetzige Trainer Marco Rose, 41, im Verein aufgebaut. Nach seinen Erfolgen in der Jugend-Liga 2017 durfte er die erste Mannschaft Salzburgs übernehmen, dort hat er von seinen ersten 30 Spielen nur zwei verloren und steht vor dem Meisterschaftstitel. „Unsere Erfolge sind kein Zufall, sondern der Verein und ich haben hart dafür gearbeitet“, betont Rose stets.
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