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Ausgabe Nr. 52/2017 vom 26.12.2017, Foto: picturedesk.com
Am 12. November 1918 wurde die Erste Republik „geboren“.
Die Republik wird hundert Jahre alt
2018 ist ein Gedenkjahr. Im Mittelpunkt steht die Ausrufung der Ersten Republik 1918. Aber auch an den „Anschluss“ an Nazi-Deutschland 1938, die Deklaration der Menschenrechte 1948 und den „Prager Frühling“ im Jahr 1968 wird erinnert.
Wir könnten heute im „Ostalpenland“ leben, in der „Treumark“ oder der „norischen Republik“. All das waren Namensvorschläge für das Land, das nach dem Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie übrig blieb. Doch die „Provisorische Nationalversammlung“ taufte die neugeborene Republik „Deutschösterreich“.

Am 12. November 1918 riefen zwei Parlaments-Präsidenten die Erste Republik vor dem Hohen Haus aus. 150.000 Menschen versammelten sich am Ring, trotz des nasskalten Wetters. „Deutschösterreich ist eine demokratische Republik. Alle öffentlichen Gewalten werden vom Volke eingesetzt“, lautete der erste Artikel der Proklamation. Der zweite begann mit „Deutschösterreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik“.

Einen „Staat, den keiner wollte“, nannte später der Journalist Hellmut Andics dieses Restgebilde. Viele waren überzeugt, dass das Land ohne die ungarische Landwirtschaft und die böhmische Industrie nicht überleben konnte. Tatsächlich war die Versorgungslage nach vier Jahren Krieg katastrophal.

In Wien betrug die wöchentliche Fleischration ein Achtel Kilo, meist vom Pferdefleischhauer. In Linz (OÖ) kam es zu tagelangen Massendemonstrationen und Plünderungen wegen des Fleischmangels. Die Nahrungs- und Kohlelieferungen aus den jetzt selbstständigen Nachbarstaaten waren fast vollständig eingestellt. In den Spitälern starben Neugeborene, weil nicht geheizt werden konnte.

Die Wahl am 16. Februar 1919 gewannen die Sozialdemokraten knapp vor den Christlichsozialen. Zum ersten Mal waren Frauen wahlberechtigt. In den kommenden Jahren gab es aber verschiedenfarbige Kuverts für Männer und Frauen, zur „Beobachtung“ des Wahlverhaltens.

Der Vertrag von Saint-Germain besiegelte im September 1919 das Ende „Deutschösterreichs“. Die alliierten Siegermächte benannten das Land um, in „Republik Österreich“. Südtirol fiel an Italien, ebenso wie das Gebiet um Triest. Dafür kam das Burgenland zu uns. Ein Anschluss an das Deutsche Reich wurde verboten.

Fast zwei Jahrzehnte später, am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen ein. „Ein triumphaler Einzug in Wien war von jeher der Traum des österreichischen Gefreiten gewesen“, schrieb der britische Premier Winston Churchill später spöttisch über Adolf Hitler. Der Blutzoll in unserem Land war hoch. 32.000 politisch Verfolgte und 65.000 Juden wurden ermordet. Fast eine Viertel-Million Soldaten kehrten nicht aus dem Krieg zurück, mehr als 24.000 Zivilisten wurden durch Luftangriffe und bei Kämpfen getötet.

Der Staat lässt sich das Gedenkjahr rund vier Millionen Euro kosten. Wir müssen „die Geschichte des eigenen Landes kennen, um aktuelle Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen“, mahnt Altbundespräsident Heinz Fischer, 79. Er ist der Regierungsbeauftragte des Gedenkjahres. Am
11. Jänner gibt es die erste Veranstaltung im Wiener Rathaus. Der polnische Historiker Jan M. Piskorski beschäftigt sich mit der Vergangenheit und Zukunft unseres Landes.

Die neue schwarz-blaue Regierung widmet dem Gedenkjahr eine Seite im Regierungsprogramm. Sie will „die Bundesländer und deren Kultureinrichtungen möglichst umfassend einbinden“. Angesichts der Erinnerung an den „Anschluss“ an Nazi-Deutschland heißt es zudem: „Österreich bekennt sich zu seiner Mitschuld und Verantwortung.“
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