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Ausgabe Nr. 48/2017 vom 28.11.2017, Fotos: Fotolia, Duty
Blutdruckmessen sollte für jeden Routine sein.
Dr. Thomas Maca, Gefäßspezialist:
„Es ist erwiesen, dass Europäer einen höheren Blutdruck haben als Amerikaner. Das liegt wahrscheinlich in den Genen und zeigt, dass auch sie Einfluss auf den Blutdruck haben.“
Blutdruck schon ab 120 „erhöht“
Eines steht fest, hoher Blutdruck schadet den Blutgefäßen, dem Herz und Gehirn. Wird der Druck in den Gefäßen nicht gesenkt, drohen schwere Erkrankungen bis hin zum Tod. Nun haben US-Ärzte die Werte für Bluthochdruck gesenkt. In Zukunft gilt ein Wert ab 120 als „erhöht“, ab 130 als zu hoch. Für welche Patienten diese neuen Werte tatsächlich sinnvoll sind, erklärt der Gefäßspezialist Dr. Thomas Maca.
Er ist ein „stiller Killer“ und die Todesursache Nummer eins, nicht nur in unserem Land, weltweit. Bluthochdruck ist längst eine Volkskrankheit, er ebnet den Weg zu Herzinfarkt, Schlaganfall und schweren Nierenerkrankungen, häufig mit tödlichem Ausgang. Bluthochdruck betrifft immer häufiger junge Menschen, ja sogar Kinder. Die Hauptschuld trägt der moderne, bequeme Lebensstil mit zu wenig Bewegung, aber zu viel Stress und eine Ernährung, die viel zu viel Zucker, Salz und Fett enthält.

„Kurzzeitig erhöhte Blutdruckwerte bei Anstrengung oder Aufregung sind normal. Stehen die Blutgefäße jedoch ständig unter zu hohem Druck, beginnt sich der Körper in seinem Inneren still und leise, also unbemerkt und schmerzfrei, umzubauen“, erklärt der Leiter der Angiologie und Kardiologie an der Klinik für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Wien, Dr. Thomas Maca.

„Er verstärkt die Wände der Blutgefäße, was zu schweren Gefäßveränderungen, zur Arteriosklerose führt, die unter Laien als ‚Gefäßverkalkung‘ bekannt ist. Die Gefäße werden im Durchmesser dünner, die Durchblutung und Sauerstoffversorgung nehmen ab. Die ursprünglich elastischen Gefäßwände werden starr und damit brüchig. Zusätzlich verdickt sich die Herzwand. All das führt unbehandelt zu den schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

120 ist das neue 140

Die zerstörerischen Folgen von Bluthochdruck im Keim zu ersticken oder zumindest aufzuhalten, gelingt nur, wenn der Blutdruck niedrig genug ist und die Gefäße und das Herz nicht ständig „unter Druck stehen“.

Blutdruckmessen sollte für jeden Routine sein

Die Frage, wo die Schwelle zum Bluthochdruck liegt, beantworteten US-Ärzte jüngst neu. „Dieser Schwellenwert liegt nun bei 120/70 mmHg. Ab 120 als ersten Wert sprechen wir nun bereits von einem erhöhten Blutdruck, ab 130 von einem Bluthochdruck Grad 1“, verrät der Gefäßspezialist. Die neuen Werte sind keineswegs willkürlich gewählt, sondern das Ergebnis der internationalen SPRINT-Studie. Sie zeigt, dass an sich gesunde Menschen, die wegen Bluthochdruck medikamentös behandelt werden, ein deutlich geringeres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko haben, wenn sie sich dem systolischen Wert von 120 mmHg nähern oder darunter liegen. „Früher galt ein systolischer Wert bis 140 als durchaus in Ordnung. Im Laufe der Zeit wurde er auf 130 gesenkt. Aufgrund der neuen Studienergebnisse ist es tatsächlich sinnvoll, ihn noch einmal auf 120 zu korrigieren. Das heißt, Menschen, die für ihre Gesundheit Blutdrucksenker einnehmen, sollten sich diesem Wert nähern. Wer keine Blutdrucksenker benötigt, darf sich den neuen Wert dennoch zu Herzen nehmen, der Gesundheit zuliebe. Das regelmäßige Blutdruckmessen sollte für Erwachsene so selbstverständlich sein wie das Abwiegen oder Zähneputzen“, rät Dr. Maca.

Für die Bluthochdruckpatientin Elisabeth Soyka ist das regelmäßige Blutdrucksenken Routine. „Jeden Tag in der Früh messe ich noch vor dem Frühstück. Ich trage den Wert in ein Büchlein ein, damit der Arzt einen guten Überblick über meine Werte hat“, erzählt die 72jährige Geschäftsfrau aus Wien, die bei Dr. Maca seit zehn Jahren in Behandlung ist.

Nicht so strenge Werte für Diabetiker

Die neuen Empfehlungen aus den USA sind auch Frau Soyka zu Ohren gekommen. Mit ihrem bisherigen Blutdruckwert von 135/80 fühlt sich die Wienerin aber wohl. Dr. Thomas Maca erklärt, wie mit den neuen Werten in der Praxis umgegangen wird. „So erstrebenswert sie sind, der Blutdruck darf natürlich nicht zu schnell gesenkt werden, weil es dann zu Nebenwirkungen wie Schwindel kommen kann. Menschen mit Bluthochdruck brauchen immer eine individuelle Behandlung. Wie ist ihr Gesundheitszustand? Welche Nebenerkrankungen hat der Patient? Für Diabetiker oder Menschen, die schon einen Schlaganfall hatten, gelten die neuen Empfehlungen nicht, weil es ihnen mit so tiefen Werten nicht besser geht. Patienten jenseits der 50 Jahre, die nur Blutdrucksenker nehmen und sonst gesund sind, sollten langsam und unter ärztlicher Kontrolle an den neuen Wert herangeführt werden.“ Für Frau Soyka sieht Dr. Maca noch einen kleinen Spielraum nach unten. „Wir werden die neuen Werte langsam einstellen“, erklärt er seiner Patientin bei der Blutdruckkontrolle.

Am besten gar nicht soweit kommen lassen

Der neue Schwellenwert von 120/70 mmHg gilt auch als
Richtlinie für alle, die noch keine Medikamente nehmen. „Ich empfehle allen, einmal eine ärztlich betreute 24-Stunden-Blutdruckmessung durchführen zu lassen. Zeigt sich dabei, dass der Blutdruck nahe oder leicht über 120/70 liegt, sind diese Menschen natürlich nicht automatisch zu Patienten erklärt. Aber es ist ratsam, den Lebensstil so zu verändern, dass der Wert unter die 120-Grenze rutscht. Das ist nicht schwer. Eine gesunde Ernährung mit frischen, vitaminreichen Lebensmitteln, wenig Zucker und wenig Salz, mehrmals pro Woche sportliche Bewegung und das bewusste Heraustreten aus dem ‚Hamsterrad‘ reichen oft schon, damit der Druck in den Gefäßen sinkt. Leider wissen viele Menschen nicht, wie stark sie mit diesen einfachen Maßnahmen ihre Gesundheit positiv beeinflussen. Der eigene Blutdruck im gesunden Bereich sollte jedem eine im wahrsten Sinne des Wortes ‚Herzensangelegenheit‘ sein.“
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norman
Bluthochdruck
Braucht die Pharmaindustrie wieder Geld, weil die Werte wieder einmal geändert werden.Hab selber leichten Bluthochdruck, der im laufe meines Lebens, schon öfter geändert wurde.
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